Ein herrenloser Koffer, abgestellt im öffentlichen Raum - in Zeiten erhöhter Terrorwarnstufen nach den Anschlägen von Paris ist das nahezu ein Garant dafür, dass gleich eine komplexe Schutz maschinerie anläuft. Kurios wird es, wenn das Gepäckstück nicht nur nichts Verdächtiges enthält, sondern von einem Kulmbacher schlicht vergessen wurde, der sich selber mit dem Entschärfen von Kampfmitteln auskennt und deswegen um die Sensibilität der Thematik weiß.

Was war passiert? Wie jetzt bekannt wurde, war in Landsberg am Lech in der vergangenen Woche besagter herrenloser Koffer aufgetaucht, abgestellt vor einem Schnellrestaurant. Der Hinweis auf das unbekannte Corpus delicti ließ bei den Behörden sofort die Alarmglocken schrillen. Eine Spezialeinheit der Polizei sperrte das Gebiet ab und leitete den Verkehr um.
Und weil direkt hinter dem Fast-Food-Tempel die Regionalbahn verkehrt, wurde gleich noch der Schienenverkehr unterbrochen.

Gepäckinhalt gescannt
Dann rückte eine Sondereinheit des Landeskriminalamts an, um sich den Koffer zu betrachten: Im extra-dicken Spezialanzug näherte sich eine Beamtin und scannte den Gepäckinhalt. Als sich herausstellte, dass es sich lediglich um benutzte Kleidungsstücke handelt, gaben die Einsatzbehörden Entwarnung. Nach Polizeiangaben fanden sich auch Hinweise auf den Eigentümer der Ware. Es war ein Vermerk, der zu einer Pension in Landsberg führte, und zu einem 33-Jährigen aus Kulmbach; er hatte dort übernachtet. Befragt, wie sein Koffer den Weg zum Schnellrestaurant fand, präsentierte der Mann eine plausible Erklärung: Auf der Heimfahrt hatte er auf dem Fast-Food-Parkplatz angehalten, weil er etwas auf dem Kofferraum holen wollte. Er stellte den Koffer neben dem Wagen ab und hatte schlicht vergessen, ihn vor der Weiterfahrt wieder einzuladen.

Landsbergs Polizeisprecher sagte gegenüber Medien, es sei dem 33-Jährigen sichtlich peinlich gewesen, durch sein Verhalten den Großeinsatz veranlasst zu haben. Da der Kulmbacher selber Kampfmittelräumer ist, weiß er, welche Rettungskaskade anläuft, wenn es um die Sicherung von Gegenständen ungeklärter Herkunft und mit möglicherweise explosivem Inhalt geht. Er entschuldigte sich demnach.

Grobe Fahrlässigkeit oder gar Absicht könne dem Mann nicht nachgewiesen werden. So wird er wohl auch nicht die Kosten für den Einsatz übernehmen müssen, sondern die Staatskasse.