Für die Schulen in Bayern war die Sache Ende November klar: Die Weihnachtsferien beginnen schon am 19. statt erst am 23. Dezember, verkündete Ministerpräsident Markus Söder am 24. November. Man wolle damit einen größeren zeitlichen Puffer zu den Feiertagen schaffen, damit diese zumindest etwas unbeschwerter mit den Großeltern oder anderen Verwandten verbracht werden können, hieß es als Begründung.

Post vom Ministerium

So weit, so gut. Aber was ist mit den jüngeren Kindern in Krippen und Kindergärten, haben sich manche gefragt. Wäre es da nicht logisch, auch diese Einrichtungen früher in die Ferien zu schicken? Im Gegensatz zu den Schulen, für die ein staatlicher Bildungsauftrag und somit auch eine Weisungsbefugnis gilt, können die Träger der Kindertagesstätten ihre Öffnungs- und Schließzeiten im Prinzip selbst bestimmen.

Vor diesem Hintergrund gab es zwischenzeitlich für die Betreuungseinrichtungen Post vom Bayerischen Familienministerium. In dem Schreiben, das der Redaktion vorliegt, wird auf "die Möglichkeit von (zusätzlichen) Schließtagen im Zeitraum vom 21. bis 31. Dezember im Bereich der Kindertagesbetreuung (ohne dass dies förderrechtliche Konsequenzen für die Träger hat)" hingewiesen.

Größtmögliche Flexibilität

Außerdem wird in dem Schreiben betont, dass es sich um keine staatlich verordneten zusätzlichen Schließtage aufgrund des Infektionsschutzgesetzes handele und somit auch Vorgaben entfielen, für welche Eltern beziehungsweise Kinder in jedem Fall eine Betreuung angeboten werden solle. Vielmehr empfiehlt das Ministerium "ein unbürokratisches Vorgehen vor Ort" und betont: "Die Träger erhalten mit diesen Regelungen größtmögliche Flexibilität beim vorzeitigen Ferienstart."

Und wie finden die Betroffenen diese Entscheidungsfreiheit? "Wir hätten uns eine klarere Regelung gewünscht - vielleicht angelehnt an das Infektionsgeschehen in einer Region", sagt Elke Wuthe, Fachbereichsleiterin der "Die Kita", die 15 Einrichtungen in Stadt und Landkreis Kulmbach betreibt. Eindeutige und einheitliche Vorgaben hätte man den Eltern gegenüber besser kommunizieren können. Man hätte damit auch die Mitarbeitenden etwas entlasten können, die zum Teil selbst kleine Kinder haben und einen Berg von Überstunden vor sich herschieben, "die gehen mittlerweile am Zahnfleisch".

Wo ist die Logik?

Elke Wuthe vermisst bei den Maßnahmen eine gewisse Logik. Im Sinne der Kontaktminimierung würden die Schulferien vorgezogen, "aber in den Kitas und Horten tummeln sich dann die Kinder". Von der "Die Kita" habe es daher einen Appell an alle Eltern gegeben, die Betreuung in der Woche vor Weihnachten nur dann in Anspruch zu nehmen, wenn dies dringend nötig ist. Bei dem überwiegenden Teil der Familien sei das positiv aufgenommen worden. So könnten nun die Gruppen verkleinert oder zum Beispiel nur am Vormittag statt ganztags betreut werden, "und die Mitarbeitenden können auch einmal freinehmen". In jeder der 15 Die-Kita-Einrichtungen wird es individuelle Lösungen je nach Bedarf geben.

Diese für jede Einrichtung unterschiedliche Betreuung nach Bedarf wird auch in den neun Kitas der Arbeiterwohlfahrt (Awo) so gehandhabt. Größtmögliche Flexibilität ist für den Träger eine Selbstverständlichkeit, dafür braucht es kein Schreiben des Familienministeriums, lässt Elisabeth Weith, die beim Awo-Kreisverband Kulmbach für die Kindertagesstätten zuständig ist, durchblicken. In Absprache mit den Eltern habe man bereits frühzeitig für jedes Haus entsprechende Planungen gemacht, "und das ziehen wir jetzt so durch". "Es ist ja nett, dass das Ministerium den Einrichtungen etwas Gutes tun will, aber bei uns hat das Schreiben jetzt kein Erdbeben ausgelöst", sagt Elisabeth Weith.

Stressige Situation

Die meisten Awo-Kitas haben ihren Worten zufolge bis 22. Dezember offen, einige sogar bis 23. Dezember. "Der Bedarf war da, und die Öffnungszeiten sind durch die Dienstpläne abgedeckt", so Weith. Aber auch sie räumt ein, dass die Situation für das Erziehungspersonal momentan sehr stressig und kräftezehrend sei. Man wolle mit den langen Öffnungszeiten aber bewusst die Familien unterstützen. "Hätten wir die Woche vor Weihnachten zugemacht, hätten die Eltern wieder ein Problem."

Diese Planungssicherheit hält auch Waltraud Bauer, Leiterin des evangelischen Kinderhauses "Regenbogen" (KEK) in Rugendorf, für immens wichtig. Bereits zu Beginn des Kindergartenjahres habe man gemeinsam mit den Eltern die Termine und Ferienzeiten festgelegt. Sie habe das Schreiben des Ministeriums mit dem Elternbeirat besprochen, und zusammen habe man entschieden, an den ursprünglichen Planungen festzuhalten und das Kinderhaus bis 23. Dezember offen zu lassen. Es sei ohnehin eine für alle anstrengende Zeit, und überall lägen die Nerven blank. "Und dann schmeißen wir das, was noch halbwegs planbar ist, auch noch über Bord? Das wäre eine totale Achterbahnfahrt. Die Kinder und die Familien brauchen Verlässlichkeit", betont Bauer.