Das Kaufplatz-Gebäude ist komplett entkernt. Noch im Juli sollen die Abrissbagger anrücken. Doch während das einstige Kulmbacher Einkaufshaus bald ganz in Schutt und Asche liegt, ist die wichtigste Frage noch nicht geklärt: Was wird aus dem stadtbildprägenden Areal, das mit 9500 Quadratmetern Größe eine gewaltige Dimension hat?

CSU macht Druck

Die CSU hat jetzt Druck gemacht, eine zeitnahe Sondersitzung des Stadtentwicklungsschusses gefordert, um die Planungen voranzutreiben. Schon vorab ist klar geworden, dass die stärkste Fraktion im Stadtrat eine ganz andere Vorstellung vom neuen Stadtquartier hat als der neue Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD). Lehmann schwebt ein grüner "Bürgerplatz" vor, der CSU ein "Mehrgenerationenviertel".

" Für reinen Park zu wertvoll"

Der Großteil des Areals soll, so ist es der Wunsch der Christsozialen, für Wohnraum genutzt werden, der Rest für die Ansiedlung von Einzelhandel, Serviceeinrichtungen und Kleingewerbe sowie für Begegnungsbereiche. Das Gebiet sei ein Filetstück zwischen der Altstadt, dem Campus-Gelände sowie dem Grünen Zentrum auf dem Spinnereiareal, so Fraktionssprecher Michael Pfitzner, "für einen reinen Park viel zu wertvoll". Senioren, aber auch junge Leute könnten dort innenstadtnah wohnen, einzelne Geschäfte integriert werden. "Wir stellen uns da aber natürlich keine große Ladenmeile vor, die der Innenstadt Konkurrenz macht." Die CSU will parallel auch ein Naturerlebnis schaffen. Pfitzner: "Es wäre doch eine Augenweide, wenn der Main durch das Gelände mäandert."

OB gegen Bebauung

Dass das Areal ein Filetstück ist, das weiß auch OB Lehmann. Er spricht von einer Achse der Vitalisierung, die in Verbindung mit einer belebten Innenstadt, einem behindertengerechten Bahnhof, einem grünen Zentrum und dem möglichen Uni-Campus entstehen könnte. Lehmann kann sich am Weißen Main eine vielfältige Parkanlage vorstellen, von den CSU-Vorstellungen hält er nichts. "Nach wie vor bin ich aber davon überzeugt, dass eine Bebauung - ob Wohngebäude oder wirtschaftlich genutzte Räumlichkeiten - der falsche Ansatz für diese innerstädtische Oase ist." Auch sollte für die Geschäfte in der Innenstadt keine zusätzliche Konkurrenz geschaffen werden.

SPD stützt Lehmann

Über die Zukunft des Kaufplatz-Areals werde der Stadtentwicklungsausschuss bald beraten, versichert Lehmann, der für einen offenen Gedankenaustausch zur Verfügung steht.

Die CSU hat ihre Linie vorgegeben. Welche Vorstellungen haben aber die anderen Parteien? Die SPD ist, wie zu erwarten, bei Ingo Lehmann. Man habe im Wahlkampf erklärt, dass man einen "Bürgerplatz" anstrebe, stellt Fraktionsvorsitzender Matthias Meußgeyer fest. "Ich glaube, dass die Kulmbacher das wollen, dass Ingo Lehmann auch wegen dieser Aussage gewählt worden ist." Auf dem Kaufplatz-Gelände solle ein Platz zum Ruhen und Entspannen geschaffen werden. Die SPD kann sich einen Spielbrunnen und Flachwasserbereich entlang des freigelegten Mühlkanals ebenso vorstellen wie einen Kiosk oder Biergarten. Auch der Soccercourt ("Er muss vom Platz an der Spinnerei ja weichen") könnte dorthin verlegt werden. Meußgeyer: "Eine Wohn- und Geschäftsbebauung, wie sie die CSU will, halten wir für nicht zielführend, auch weil der Zugang von der Spinnerei zur Altstadt versperrt würde."

Ralf Hartnack: nahe bei CSU

Ganz anders sieht das die WGK. "Wir sind näher dran an den Ideen der CSU", sagt deren Sprecher Ralf Hartnack, der ein reines Naherholungsgebiet im Stadtkern für "zu wenig hält", "zumal es eine Fläche ist, von deren Dimension viele nach dem Abbruch überrascht sein werden". Schon im Wahlkampf habe die WGK erklärt, dass sie sich einen Nutzungsmix wünsche. Eine Wohnbebauung, ein Ärztehaus ("Das bringt Besucherfrequenz"), ein Hotel und parallel dazu eine Renaturierung, bei der der Main aus seinem Betonbett geholt werden sollte. Letzteres ist ein Wunsch, den nicht nur die WGK hegt. Von einer Machtprobe, zu der die Entscheidung über die Kaufplatz-Gestaltung im Stadtrat führen könnte, will er nicht reden: "Es wird eine Abstimmung geben. Aber das ist eben Demokratie."

Das wollen die Grünen

Nah dran an den Vorstellungen von OB und SPD sind die Grünen, wie Fraktionsvorsitzende Dagmar Keis-Lechner betont. Sie wundert sich, dass die CSU eine Sondersitzung gefordert hat, die sie schon im Stadtrat angemahnt habe. Die Grünen wollen eine "Frischluftschneise" schaffen, "um der Überhitzung der Stadt im Zuge des Klimawandels entgegenzuwirken". Sie wünschen sich eine "grüne Oase" zwischen Spinnerei und Altstadt statt weiterer Bauwerke. Es sei wichtig, ein Quartierskonzept zu erstellen, in das die Renaturierung des Mains und ein Radweg aufgenommen werden müssten.

Keine Betonklötze

Mit den Plänen von OB, SPD und Grünen kann sich neben CSU und WKG auch FDP-Stadtrat Thomas Nagel (FDP) nicht anfreunden. "Wir sind gegen eine reine grüne Oase. Wenn man ein so bedeutendes Areal, überspitzt gesagt, nur mit Bäumen bepflanzt, wäre das verschenkt." Nagel wünscht sich ein Mehrgenerationenquartier, in dem Wohnraum für Senioren und Studenten geschaffen werden sollte, keine Betonklötze sollten entstehen, sondern moderne Bauten mit grünen Elementen. "Auch Cafés und Geschäfte könnten das Areal aufwerten, das natürlich auch viel Grünfläche erhalten sollte."

AfD auch für Nutzungsmix

Auf einen Nutzungsmix setzt auch die AfD, wie Georg Hock erklärt. Er hält das Areal prädestiniert für eine Wohnbebauung. "Hier bietet uns doch die einmalige Chance, innenstadtnah Wohnraum für ältere Leute zu schaffen, die nicht mehr mobil sind, aber auch für junge Leute", sagt der AfD-Sprecher.

Umfrage: Was wollen die Kulmbacher?

Für das Kaufplatz-Gelände, ein stadtbildprägende Areal, wird eine neue Nutzung gesucht. Die Stadt Kulmbach will die Bürger in den Entscheidungsprozess einbinden. Wir wollen die Kulmbacher vorab fragen, welche Ideen sie haben. Vorschläge können an redaktion.kulmbach@infranken.de geschickt werden.

Hierzug auch ein Kommentar von Alexander Hartmann

Konflikt Kaupflatz

Es ist eine Frage, die Konfliktpotenzial beinhaltet. Was soll aus dem Kaufplatz-Areal werden? Der Betonklotz wird plattgemacht, die Zukunft der mit 9500 Quadratmeter gewaltigen Fläche ist aber nach wie vor ungewiss. Die Suche nach der besten Lösung für das "Filetstück im Herzen der Stadt" könnte im Stadtrat zur Machtdemonstration werden. Auf der einen Seite CSU, WGK und FDP, die sich - wie die AfD - neben der Renaturierung vor allem auch eine Wohnbebauung wünschen. Auf der anderen Seite SPD und Grüne, die sich wie OB Ingo Lehmann (SPD) nach einer "Grünen Oase" sehnen, eine Bebauung ablehnen. Die sich aber einer breiten Allianz gegenübersehen und, so scheint es, mit ihrer Vision auf verlorenem Posten stehen.

Ob Kulmbach neben dem Grünzug und dem Stadtpark auch eine weitere große Parkanlage braucht? Ein Mix aus Wohn- und Geschäftsgebäuden sowie Grünflächen, wie es die konservativen Kräfte fordern, könnte die attraktivere Variante sein. Wohnungen für Jung und Alt auf einer renaturierten Fläche - eine Vorstellung, mit der sich sicherlich viele Bürger anfreunden könnten. In Kombination mit Bars oder Cafés, die sich entlang des Mains befinden, der aus seinem Betonbett herausgeholt werden soll, ein Konzept, das für ein besonderes Flair sorgen würde, einer Studentenstadt würdig wäre. Eines vergessen darf man bei aller Schwelgerei aber nicht: die Altstadt, deren Gastronomie und Geschäfte sich im Existenzkampf befinden, denen zusätzliche Konkurrenz den Todesstoß versetzen könnte. Einig sind sich die Parteien in einem: Sie wollen die Bevölkerung in die Entscheidungsfindung einbinden. Den Beschluss, der für die Stadt Kulmbach von großer Bedeutung sein wird, müssen aber die Stadträte treffen. Und das zeitnah.