"Unfall mit Gefahrgut-Lkw, Gefahrgut tritt aus" - das war die Einsatzmeldung, mit der 14 angehende CSA-Träger (Träger von Chemikalienschutzanzügen) konfrontiert wurden. Kein Ernstfall, sondern nur ein Probealarm. Der Lkw stand auf dem Gelände der Feuerwehr Kulmbach.

Die Feuerwehrmänner aus Marktschorgast, Wonsees, Mainleus, Höferänger, Rothwind-Fassoldshof und Untersteinach legten die blauen und grünen CSA-Anzüge an. "Es ist wichtig, dass langärmlige Pullis unter den Anzügen getragen werden. Denn sonst klebt der Gummi auf der Haut", erklärte Ausbilder Jörg Geyer.
Ausgestattet mit Atemschutz, Helm und den unförmigen Anzügen versuchten die CSA-Anwärter, das Horror-Szenario so gut wie möglich zu lösen. Aus dem Lkw tropfte eine unbekannte Flüssigkeit, irgendetwas brannte auf der Ladefläche. Alles war verqualmt. Und zu allem Überfluss fehlte noch vom Fahrer jede Spur.



Erst informieren

"Man muss erst einmal schauen, was der Lkw überhaupt geladen hat. Die Frachtpapiere sind normalerweise im Führerhaus. Wir hoffen, dass sie vorschriftsmäßig vorhanden sind", erklärte der erste Einsatztrupp, bestehend aus Thomas Aumüller (38) und Klaus Ramming (36). Die beiden Feuerwehrler klettetren ins Führerhaus, fanden tatsächlich den Frachtbrief. Bei der Flüssigkeit handelte es sich offensichtlich um Methanol. Methanol ist ein chemisches Ausgangsprodukt, das leicht entzündlich ist.


Retten

"Wir müssen jetzt erst einmal den auslaufenden Kanister zudrehen", erklärte der Einsatztrupp und kassierte dafür Pluspunkte. Dann begaben sie sich auf die Ladefläche, schafften Kanister aus dem Gefahrenbereich.
Der Fahrer war offenbar bewusstlos. Die Feuerwehrmänner brachten ihn ins Freie, so dass er notärztlich versorgt werden konnte. "Wichtig ist, dass die Feuerwehrmänner die verschiedenen Schritte in der richtigen Reihenfolge absolvieren. Sie müssen wissen, was der Lkw geladen hat, um sich auch selbst nicht in unkalkulierbare Gefahr zu bringen", sagt Geyer.

Die beiden Probanden indes wollten nach der Übung nur eins: Luft. Denn bei Außentemperaturen von 29 Grad entwickeln sich im Inneren der CSA-Anzüge Temperaturen von mehr als 40 Grad. Die Luftfeuchtigkeit im Inneren der Anzüge liegt bei mehr als 75 Prozent. "Es ist richtig warm", sagte auch Sebastian Born von der Feuerwehr Wonsees. Bei ihm war ein Thermometer im Anzug postiert, der die Daten lieferte.

Bei der Ausbildung um CSA-Träger ist die Basis ein erfolgreicher Abschluss zum Atemschutzgeräteträger. Außerdem mussten die Feuerwehrmänner aus dem gesamten Landkreis auch ihre Fingerfertigkeit unter Beweis stellen. Unter den strengen Augen von Tobias Titze schraubten sie Schrauben und Muttern zusammen. "Das ist wirklich nicht einfach, denn sie tragen ja Handschuhe", erklärte Titze.


Konditionstest

Die Feuerwehrmänner stellten zudem ihre Kondition auf einer Endlosleiter unter Beweis. Und außerdem galt es noch einen Schieber an einer Leitung zu reparieren. "Da immer mehr Gefahrgüter auf unseren Straßen transportiert werden, ist diese Ausbildung sehr wichtig", erklärte Geyer und zog eine ausnahmslos positive Bilanz. Für die landkreisweite Ausbildung meldeten sich in diesem Jahr so viele Prüflinge an, dass zwei Gruppen gebildet wurden.


BU
1 Schon das Anlegen der CSA-Anzüge ist ausgesprochen aufwendig. Christopher Müller hilft den Probanden beim Anziehen

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3 Thomas Aumüller und Klaus Ramming von der Feuerwehr Rothwind suchen im Führerhaus des LKW als erstes nach dem Frachtbrief. Der gibt darüber Aufschluss, wie gefährlich die Ladung wirklich ist

4 Der Frachtbrief war am vorgeschriebenen Ort hinterlegt. Es handelt sich um Methanol - ein Ausgangsprodukt der chemischen Industrie. Methanol ist giftig und leicht entzündlich, steht in den Unterlagen

5 Der offene Kanister wird geschlossen - das ist Schritt zwei der Übung

6 Schnell den Kanister aus dem Gefahrenbereich bringen

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8 Der Fahrer lag bewusstlos auf der Ladefläche.

9 Weitere Übung mit den Chemieschutzanzügen: Schrauben und Muttern zusammendrehen. Diese Übung ist gar nicht so einfach, denn die Feuerwehrmänner tragen Handschuhe. Im Inneren der Chemieschutzanzüge wird es bis zu vierzig Grad

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