Zu hören war ein absolut populäres Programm, liebevoll zusammengestellt, dargeboten auf höchstem Niveau und moderiert von der Dirigentin persönlich.


"Kulmbach ist meine musikalische Heimat geworden"


Freilich nicht nur irgendwie moderiert, Ljubka Biagioni macht immer auch ihren Bezug zur jeweiligen Komposition deutlich, sie spricht von Weihnachten in Bulgarien und in Italien und bekennt gleich zu Beginn: "Kulmbach ist meine musikalische Heimat geworden." Manchmal etwas außer Puste erzählt sie von den Hirten und den Engeln an der Krippe, trägt die tiefsinnige Weihnachtsgeschichte von den vier Kerzen Frieden, Glaube, Liebe und Hoffnung oder das witzige Gedicht "Wo man Geschenke verstecken kann" vor und zwinkert auch schon mal den Zuhörern in der ersten Reihe zu.

Das Programm spannt einen weiten Bogen von barocken Sätzen eines Georg Philipp Telemann über
Klassiker wie Wolfgang Amadeus Mozart, Romantiker wie Peter Tschaikowsky bis hin zu traditionellen deutschen und internationalen Weihnachtslieder. Letztere sind überhaupt die Höhepunkte des Abends: "Stille Nacht", "Adeste Fideles", "Still, still, still".


Wunderbare Arrangements

Alles in wunderbaren Arrangements, bei denen Chor und Orchester abwechseln, der Klangkörper gerne auch mal im Breitwandformat musizieren darf und bei denen der souveräne Chor im dezenten Piano transparent und schlank singt.

Manch einer mag das kitschig finden, Ljubka Biagioni zeigt damit aber auch, welch ungeheure musikalische Substanz in den scheinbar einfachen Weihnachtsliedern steckt und so wie sie es musizieren lässt, hat sie das Publikum sofort auf ihrer Seite. Nur das mit dem Mitsingen mag einfach nicht klappen.

Frisch zupackend und trotzdem feierlich gibt es zu Beginn zwei Sätze aus der Nussknacker-Suite von Peter Tschaikowsky. Ihr Wille zur perfekten Proportion wird im zweiten Satz "Air" aus der dritten Orchestersuite von Johann Sebastian Bach deutlich, den die Musiker in rhythmischer Schärfe präsentieren.


Durchwegs dramatisch


Manche Lieder sind hierzulande zu wenig bekannt, wie etwa das wunderbare "Loves comes down at christmas", das Chor und Orchester einmal mehr frisch und geradlinig präsentieren. Durchwegs dramatisch erklingen dagegen die bekannten "In dulci jubilo" oder "The first noel". Fast schon meditativ wird es mit dem zweiten Satz aus dem Klarinettenkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart, ehe die Klangkörper zu den Weihnachtsliedern ansetzen.

Das alles sind nicht nur zweieinhalb abwechslungsreiche Stunden Musik, sondern auch deutlich artikulierende Sing- und Spielfreude, die man gerne mit weihnachtlicher Musik verbindet. Das musikalisch-technische Niveau von Chor und Orchester Ensembles ist durchgängig hoch, an Stilkompetenz und aufführungspraktischer Reife mangelt es da wirklich nicht. Zumal Ljubka Biagioni gerne auch mal auf Effekte setzt. Etwa im bulgarischen Vaterunser, eine A-Capella-Zugabe, die komplett im Dunkeln gesungen wird. Wunderbar gelingt auch das Halleluja aus Georg Friedrich Händels "Messias", der Hymne an den lieben Gott, wie die Dirigentin das Werk ankündigt.


Wiedersehen am 17. Juli

Am Ende gibt es einen nicht enden wollenden Beifall, Standing Ovations. Oberbürgremeister Henry Schramm überreicht nicht nur Blumen, sondern trotzt Ljubka Biagiona auch das Versprechen ab, dass sie im nächsten Jahr in der Vorweihnachtszeit wiederkommt, vielleicht sogar zu zwei Konzerten. Bereits am 17. Juli wird die Dirigentin mit Orchester und Chor bei den Open Airs auf der Plassenburg zu erleben sein.