Ob es sich wirtschaftlich rechne, sei nicht direkt messbar. Christine Friedlein sieht das Ausliefern, ähnlich wie Michael Seidl, eher als Werbung. Außerdem ist die Buchhändlerin der Meinung, dass Bücher wichtige Kulturgüter sind, die einen Partner brauchen, um sie zu bewahren. "Dafür setze ich auch gerne meine Arbeitskraft ein", so Christine Friedlein.
Kein Kistenschleppen
Dass der Lieferservice im Einzelhandel einen wachsenden Bereich darstellt, schätzt zudem Martin Leykam. "Das wird noch viel mehr zunehmen", sagt der Inhaber von Getränkemarkt Rausch.
Schon seit rund 15 Jahren bietet der Markt unter seiner Leitung Lieferungen frei Haus an. Allerdings sei eine Bestellung bei ihm nicht online möglich, sondern müsse telefonisch oder per E-Mail aufgegeben werden. Das soll auch so bleiben. "Am Telefon kann ich mit den Leuten noch vieles absprechen. Der persönliche Kontakt ist wichtig."
Getränke liefert er direkt an Privatpersonen sowie an Vereine oder Firmen. Dabei habe er seine festen Stammkunden. Meist seien das Menschen, die nicht mehr mobil sind und für die die Beschaffung von schweren Flaschen eine große Hürde darstelle. "Am meisten liefern wir Mineralwasser aus", gibt Leykam einen Überblick über die Bestellungen.
Der Inhaber hat eigens für die Lieferungen im Laufe der Zeit zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Drei Mann kümmern sich nun nur um die Versorgung von Kunden mit Getränken. Anders als bei anderen Lieferservices verlangt er keine Pauschale für das Ausliefern. Lediglich 50 Cent Aufpreis im Vergleich zum Ladenpreis zahlt der Abnehmer für die zugestellte Ware.
Vollends auf den persönlichen Kontakt hingegen setzt Christine Pöhlmann. Sie ist Geschäftsführerin von Dave's Biomarkt, in dem das Einkaufserlebnis im Vordergrund steht. "Das Schöne an unserem Laden ist, dass die Kunden, die hierher kommen, auch gerne hier sind", weiß die Geschäftsführerin. Man kenne sich inzwischen, viele kämen gerne auf einen Plausch vorbei. All dies würde bei der Möglichkeit einer Online-Bestellung wegfallen. Vorerst plane sie deshalb keine Einführung eines Lieferservices.
Fahrdienst für Medikamente
Apotheken liefern Medikamente meist auch nach Hause, beispielsweise, wenn ein Arzneimittel nicht vorrätig ist und auch erst von der Apotheke bestellt werden muss, erläutert der Filialleiter der Sonnen-Apotheke, Thomas Heinz. "Das Liefergebiet bezieht sich aber nur auf Kulmbach." Hinzu komme, dass sie bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln zuerst das Rezept vorgelegt bekommen müssen, so Heinz.