Eine Bewährungsstrafe sei nicht mehr möglich, erläuterte Amtsrichterin Sieglinde Tettmann. Zum einen habe der Mann zwölf Vorstrafen, darunter auch mehrere einschlägige, er stehe unter offener Bewährung und habe gegen die Auflage eines strikten Alkoholverbots verstoßen.

Schwiegermutter in spe verteidigt

Zu dem verhängnisvollen Faustschlag war es am 26. Juli im Bierstadel gekommen. Seine "Schwiegermutter in spe" soll gerade auf dem Tisch getanzt und sich bei einem Sturz eine blutige Nase geholt haben. Dabei geriet die nicht mehr ganz nüchterne 51-Jährige mit wildfremden Leuten aneinander. "Sie hat sich an meinem Bierkrug festgekrallt", sagte das spätere Opfer, ein 45-jährige Beamter aus Burgkunstadt. Der Mann erinnerte sich auch an die sehr "aggressive Grundstimmung". Plötzlich habe ihn die Frau gepackt und die Träger seiner Lederhose abgerissen, was ihm freilich gar nicht gefiel.

Doch ehe er sich versehen konnte, habe plötzlich der Angeklagte vor ihm gestanden und ausgeteilt. Zwei Mal habe ihm der 36-Jährige mit der flachen Hand gegen die Wange geschlagen, einmal mit der Faust aufs Auge. Die Folge: Der Mann musste ins Krankenhaus und trug neben massiven Schwellungen, heftigen Schmerzen und einer leichten Schädelprellung ein blaues Auge davon.

Der Angeklagte hatte ganz offensichtlich geglaubt, der Beamte habe seine "Schwiegermutter in spe" geschlagen.

Zweites Verfahren eingestellt

Eingestellt wurde eine zweite Anklage gegen den 36-Jährigen, ebenfalls eine Gewalttat, diesmal gegen seine Freundin. Er selbst nannte die 31-Jährige seine Verlobte, bei ihren Personalien gab die junge Frau aber ausdrücklich an, nicht verlobt zu sein. Der Angeklagte soll die Frau auf offener Straße geschubst und geohrfeigt haben.

Trotz mehrerer Zeugenaussage ließ sich dieses Geschehen allerdings nicht mehr einwandfrei klären, zumal die Frau in ihrer Aussage angab, dass sie nicht geschlagen worden sei. Im Gegenteil, sie habe ihrem Freund "eine geschmiert", sei dann davon gerannt, gestolpert und gegen einen Zaun geprallt. So sei auch ihre Verletzung an der Schulter zu erklären.

Lauter Streit am Hallenbad

Mehrere Zeugen beschrieben die laute Streiterei am 13. Juni im Bereich des Hallenbades, doch waren alle erst später dazu gekommen, niemand hatte Schläge gesehen. Der Angeklagte räumte ein, zusammen mit seiner Freundin vorher eine Flasche Wein getrunken zu haben. Vielleicht waren es auch zwei, wie sich die Freundin später erinnern sollte. Fakt ist allerdings, dass der Angeklagte nicht einen Tropfen hätte trinken dürfen, so lautete jedenfalls seine Bewährungsauflage.

Was blieb, war der Faustschlag bei der Bierwoche, sowie mindestens ein weiterer Schlag wahrscheinlich mit der flachen Hand gegen die Wange. Staatsanwalt Ludwig Peer beantragte deshalb eine Freiheitsstrafe von einem Jahr ohne Bewährung.

Anders beurteilte Verteidiger Hilmar Lampert aus Bayreuth das Geschehen. Er ging von einer Provokation seitens des Opfers aus. Der Faustschlag sei deshalb ganz anders einzustufen, sagte der Rechtsanwalt und forderte eine Geldstrafe von 1250 Euro.

Aufgeheizte Situation

Richterin Tettmann konnte dieser Argumentation nicht folgen, blieb mit ihrem Urteil von sieben Monaten aber dennoch deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Richterin ging von einer überaus aufgeheizten Situation, von einem Gerangel und einer alkoholbedingten Enthemmung aller Beteiligter aus.

Weil der Angeklagte bisher keine einzige Bewährung ernst genommen habe und sogar noch gegen das Alkoholverbot verstieß, sei allerdings von keiner günstigen Sozialprognose auszugehen und somit auch keine Bewährungsstrafe mehr möglich.