"Jagd hat nur dann Zukunft, wenn wir permanent unser Handeln verdeutlichen." Das sagt Jürgen Vocke, ehemaliger Finanzrichter und Professor für Steuerrecht sowie seit 1994 Präsident des Bayerischen Jagdverbandes (BJV). Bei einem Gespräch in der Akademie für Neue Medien in Kulmbach mit Gastgeber Dietmar Gaiser plädierte Vocke unter anderem dafür, Wild erlebbar zu machen, moralisch und ethisch vertretbar zu handeln und Probleme mit Augenmaß anzugehen.

Ein solches Problem, das seit Monaten in der Öffentlichkeit heftig diskutiert wird, ist der Einsatz von Nachtzielgeräten für die Schwarzwildjagd. Landwirte fordern den Einsatz vor dem Hintergrund der Schwarz wildplage seit langem, die bayerische Staatsregierung hat als einziges Bundesland zugestimmt, doch das Bundeskriminalamt lehnte klipp und klar ab.


"Zu Recht abgelehnt"

Zu Recht, wie BJV-Präsident Vocke meint und damit durchaus für Kontroversen auch in den eigenen Reihen gesorgt hat. Schließlich hatten 45 bayerische Jäger mit Unterstützung des Landwirtschaftsministeriums die Ausnahmegenehmigung beantragt. In der derzeitigen Sicherheitslage könne man das Waffenrecht nicht ausweiten, begründete Vocke seine Meinung. Vor allem aber sei die Jagd mit Nachtzielgeräten unmoralisch und ethisch nicht vertretbar. Das Nachtzielgerät widerspreche den Grundsätzen der Waidgerechtigkeit und des Tierschutzes. Der Präsident plädierte vielmehr dafür, mehr Schießstände zu errichten, um Drückjagden zu perfektionieren.

Die Schwarzwildproblematik ist es auch, die für Kontroversen mit den Landwirten sorgt. "Unten an der Basis läuft es ganz gut", sagte Vocke. Vor allem in Oberfranken und der Oberpfalz, wo es noch halbwegs gesunde Strukturen gebe. Dort, wo allerdings Raps- und Maisbestände überhand nehmen, gebe es die meisten Probleme, und zwar nicht nur mit den Bauern, auch mit den Naturschützern. Denn, so Vocke: "Es wird ja fast alles totgespritzt."


Artenschwund und die Schuldigen

Vocke sprach von riesigem Artenschwund und machte Land- und Forstwirte als Verursacher aus. "Wo gibt es noch Rebhühner und Fasane?", fragte er. Selbst Hasen würden immer weniger. Der BJV-Präsident sprach sich stattdessen dafür aus, ökologische Nischen zu schaffen, Blühwiesen anzulegen und Wild wieder erlebbar zu machen - beispielsweise durch die Ausweisung von Ruhezonen, in denen nicht gejagt wird und in denen die Menschen von eigenen Besucherkanzeln aus die Möglichkeit haben, Wildtiere zu beobachten.

Als weiteren Sympathieträger für die Jagd sieht Vocke das Wildbret. Obwohl jeder vor Weihnachten seinen Rehbraten möchte, könnten viele damit nicht mehr umgehen. Der Präsident kündigte eine Kampagne für Wildfleisch an, auch der Landesjägertag im April 2016 in Kulmbach soll sich dieser Thematik verstärkt annehmen.

Eine Tierart will Vocke trotz Artenschwund aber nicht in Bayern haben: Großraubtiere. Dazu zählt der Präsident Bären, Wölfe oder auch Luchse. Sie passten einfach nicht in einer derart übernutzte Landschaft mit beispielsweise 144 000 Straßenkilometern. Schon jetzt sei die Zahl der Wildunfälle enorm.


"Richtig gefährlich"

Mit Großraubtieren werde es allerdings richtig gefährlich, nicht nur für Schafherden, auch für den Menschen. Außerdem würde dann niemand mehr ein Revier pachten, das gesamte Reviersystem würde bei einer weiteren Ausbreitung von Luchsen und Wölfen kippen.

Dem Bayerischen Jagdverband gehören nach den Worten seines Präsidenten knapp 48000 Mitglieder an, rund 47500 haben den Jagdschein.