Sieben Mittelschul standorte gibt es derzeit im Landkreis Kulmbach. Wird das im Jahr 2020 noch so sein? Kann die Mittelschule angesichts rückläufiger Schülerzahlen auch mittelfristig im Dorf bleiben? Alles Fragen, die Kreisrat Wolfgang Hoderlein (SPD) - einen gelernten Lehrer - umtreiben. Auf seine Anregung diskutierte am Donnerstag der Schul- und Sozialausschuss des Kreistags darüber, was der Kreistag tun könnte, um die Entwicklung mitzugestalten.

Die Grundlage für die Beratung liefert Schulamtsdirektor Jürgen Vonbrunn. Nach seinen Worten gehören die sieben Mittelschulstandorte im Landkreis zu verschiedenen Schulverbünden. Die Max-Hundt-Schule, die Hans-Edelmann-Schule und die Mainleuser Schule bilden den Verbund Kulmbach-Mainleus. Die Mittelschulen Marktleugast, Stadtsteinach-Untersteinach und Neuenmarkt-Wirsberg gehören zum Verbund Fränkische Linie.
Die Mittelschule Neudrossenfeld hat sich mit Eckersdorf und Hummeltal zusammengeschlossen.

"Alle Verbünde arbeiten sehr erfolgreich, es gibt dort keine Verlierer", betont Vonbrunn. Die aktuelle Schülerzahl beziffert er auf 1069. Nächstes Jahr seien es nur noch 1022 Schüler. Tendenz: weiter abnehmend.

Während es heuer in der 5. Jahrgangsstufe der Mittelschulen noch 181 Schüler gibt und nächstes Jahr sogar 197, würden für 2020/21 nur noch 163 Fünftklässler prognostiziert. Daher müssten dann auch weniger Klassen gebildet werden. "Wir brauchen kreative Lösungen, um das Budget einzuhalten, aber die Schullandschaft nicht zu zerschlagen", sagt der Schulamtsdirektor.

Ein Hauen und Stechen?

Die jetzige Organisationsstruktur hält Wolfgang Hoderlein nicht für zukunftsfähig. Er wundert sich ohnehin, dass bei den Mittelschulen - wie bei den anderen weiterführenden Schulen - nicht der Landkreis als Sachaufwandsträger zuständig ist. Deshalb schlägt er vor, freiwillig auf Landkreisebene einen Schulzweckverband für die Mittelschulen zu gründen. In sechs Jahren werde man nämlich nicht mehr sagen können, dass es an allen sieben Mittelschulstand-orten rundläuft und alle zufrieden sind. "Wir können mehr erreichen, wenn wir uns frühzeitig um das Problem kümmern und nach neuen Wegen suchen", so der frühere SPD-Landesvorsitzende. Es gehe um die Qualität der Ausbildung und um eine vernünftige Struktur. Andernfalls werde man "ein Hauen und Stechen der Bürgermeister" erleben, die ihren Schulstandort erhalten wollen.

"Wichtig ist die Schule vor Ort", sagt Doris Leitner-Bisani (CSU). Die Bürgermeisterin von Ludwigschorgast sieht keine Notwendigkeit, die bisherige Organisation zu verändern. "Der Schulverbund Fränkische Linie mit zehn Gemeinden funktioniert wunderbar", betont sie, "ich sehe keinen Vorteil, alles in Kulmbach zu zentralisieren." Erhard Hildner (CSU) zufolge wäre es das falsche Signal, wenn der Eindruck entsteht, die Gemeinden dürften bei den Schulen nicht mehr mitreden. Es sei der richtige Weg, die Schulverbünde zu stärken.

Nach Ansicht von Helmuth Breitenfelder (SPD) ist es aufgrund der demographischen Entwicklung geboten, Hoder leins Anregung sehr ernst zu nehmen. "Es ist nicht verkehrt, als Kreistag über den Tellerrand hinauszublicken", so der frühere Rektor der Oberen Schule in Kulmbach.

Veit Pöhlmann (Freie Demokraten) rät dazu, den Ausgang des G9-Volksbegehrens abzuwarten. Wenn es beim achtjährigen Gymnasium bleibt, dürfte die geringere Übertrittsquote auch den Mittelschulen zugute kommen. Immer aber müsse es darum gehen, so viele Schulstandorte wie möglich zu erhalten.

Vonbrunn sieht bei Hoder leins Vorschlag die Gefahr, dass Standorte aufgegeben werden, wenn an einer zentralen Schule unterrichtet wird. Dennoch will Landrat Klaus Peter Söllner (Freie Wähler) das Thema bei einer der nächsten Bürgermeister-Dienstbesprechungen im Landratsamt diskutieren.