Seit mittlerweile zwei Jahrzehnten existiert in Neudrossenfeld die Firma intercorp. Mit Geschäftsführer Fergus Wünschmann haben wir über die Anfänge gesprochen, aber auch darüber, was die Zukunft für die Branche bringt. Herr Wünschmann, bitte skizzieren Sie, was Intercorp macht. Fergus Wünschmann: Seit 20 Jahren gibt es die Intercorp GmbH, die im Juni 2000 gegründet wurde. Es handelt sich um ein komplett eigenständiges Unternehmen, auch wenn wir am gleichen Standort wie Rieeg & Partner in Neudrossenfeld sitzen. Wir segeln sozusagen uter dem Schlagwort "intelligente Internet-Technologie". Das bedeutet: Wir bauen nicht in klassischer Weise Webseiten, sondern verstehen uns als Entwickler und Programmierer für digitale Lösumngen, die jedoch Internet-basiert sind. Welche Firmen gehören zu Ihrer Kundschaft? Unser Kunden sind Mittelständler, denen Lösungen der großen Player wie Dynamics NAV (Navision), von Microsoft oder SAP beispielsweise zu unspezifisch sind. Viele unserer Kunden verfügen über Datenbanken, die sie auf einer gemeinsamen Datenplattform zusammengeführt haben möchten, um sie beispielsweise den Mitarbeitern an verschiedenen Standorten zur Verfügung zu stellen. Gegründet haben wir uns quasi mit dem Auftrag, deutschlandweit den größten Kultur-Newsletterservice aufzubauen. Da stand damals der Gedanke dahinter: Museen, Theater und andere Veranstalter bekomen einen Gratis-Newsletter, in dem die Termine eingetragen werden. Diese Eintränge haben wir gebündelt und sie beispiewlese auf das Kulturportal der FAZ oder der Süddeutschen Zeitung ausgepielt. Zu unseren Kunddn gehört aber auch ein großer Online-Finanzvermittler, für den wir das gesamte Datenmanagement koordienieren. Die Kunden sind national angesiedelt? Ja, sie sind sind alle im deutsprachigen Raum beheimatet, ein paar kommen aus der Schweiz und aus Österreich, der Schwerpunkt iegt jedoch in Süddeutschland. Wie hat sich die Mitarbeiterzahl entwickelt in diesen zwei Jahrzehnten? Wir begannen 2000 mit drei Leuten, bis 2008 konnten wir uns auf 15 steigern - und die halten wir bis heute stabil. Wir sind aber permament auf Suche nach neuen Mitarbeitern, wobei es zugegeben nicht leicht ist, in unserer Branche qualifizierte Full-Stack-Programmierer und interessierten Nachwuchs zu finden. Es ist unser Anliegen, mit unserem Know-How klein, aber beweglich zu bleiben. Wer zu groß wird in dieser Sparte, der verliert oft die nötigeFlexibiliät. Wir kamen Sie ins Unternegmen? Ich war damals bereits bei Riegg & Partner angestellt. 1998 habe ich begonnen, mich mit den Möglichkeiten des Internets und bestimmter Businesslösungen zu befassen. Es soll nicht überheblich klingen, aber auf dem Gebiet waren wir deiner der "first mover", jedenfalls hier in der Region. Das war Pionoierarbeit. Sie selber stammen aus Österreich, ursprünglich aus Wien. Wie kamen Sie nach Neudossnefeld? Ein Teil meiner Verwandtschaft stammt aus Bayreuth. Ich bin der klassiche Deutsch-Österreicher und war als Kind öfter hier. Sonst hätte es mich wohl nicht hierher verschlagen. Man hört das typisch Wienerische gar nucht mehr heraus. Sie hätten mich vor 30 Jahren hören sollen (lacht). Zu unseren Kunden gehört ein Unternehmen aus Wien und Salzburg. Wenn ich mit dessen Vertretern Konversation betreibe, weiß man, wo ich herkomme, glauben Sie mir! Wie schwierig ist die IT-Branche? Wo liegen die Herausforderungen? Wie gesagt, die Akquise qualifizierter Mitarbeiter ist kompliziert. Der Markt ist im Lauf der Jahre turbomäßig abgegangen, inzwischen braucht fast jeder Handwerker einen Programmierer. Gerade hier im Kreis Nordbayern kommt hinzu, dass viele, die sich in unserem Metier ausbilden lassen, frührer oder später wegziehen. Wie lässt es sich von einem so überschaubaren Standort wie Neudrossenfeld in der großen Welt der Internettechnologie behaupten? Schnell sein, flexibel, mit großer Expertise ausgestattet bewusst in der Nische der freien Programmierer operierend. Es ist eben nicht immer zweckmäßig, nur Klicklösungen zu bieten, also vorgefertigte Software vorzulegen und dem Kunden zu sagen, er möge sich da anpassen. Wir gehen den umgekehrten Weg: individuelle Lösungen für individuelle Bedürfnisse. Als Kenner blicken wir unter den Mofort und wissen, welche Prozesse dort ablaufen und wie der Antrieb für den jeweiligen Nutzer beschaffen sein muss, um ihn zügig weiterzubringen. Wie kamen Sie persönlich zu diesem Betätigungsfeld? Ich selber bin eigentlich Geisteswissenschaftler, habe Kommunikationswissenschaften, Soziologie und Philosophie studiert. Dabei habe ich mich während des Studiums und als wissenschaftlicher Mitarbeiter mit Publikumsforschung auseinandergesetzt. Von da an ging es Richtung Marketing weiter. Ich habe versucht zu verstehen, wie Zielgruppen ticken. Gleichzeitig kam das Interesse an technischen Hintergründen dazu, weil ich mich damals in der Wiener Musikszene mit Synthesizern und Multimedia-Installationen beschäftigte. Gehören Sie zu den Bastlern, die ihren Commodore 64 auseinandergenommen und wieder neu verlötet haben? Nein, ich war eher der engagierte Nutzer. Ich selber bin kein Programmierer, muss mich aber natürlich in diese Tätigkeit reinversetzen können. Wir überlegen uns die Produkte, die Komplettlösungen, die wir dem Kunden anbieten können. Dazu gehört zunächst viel Beratung, bevor die eigentliche technische Umsetzung beginnt. Dieser Ansatz der geplanten freien Programmierung hat sich nicht zuletzt in der Finanzkrise 2007/2008 bezahlt gemacht, in der wir gegen den Trend sogar wachsen konnten. Das heißt, intercorp ist auch in der Corona-Phase krisenfest? Ich denke, unsere Leistungen werden immer benötigt. Die Krise ist für uns eher eine Art Digitalisierungs-Turbo. Kann Deutschlands IT-Branche gegen Global Player wie USA überhaupt bestehen? Da gilt es zu unterscheiden. Realistisch gesehen haben wir gegen Riesen wie Microsoft und Apple in Europa keine Chance mehr, der Zug ist abgefahren. Nichtsdestotrotz sind für manche Branchen eben andere, individuellere Lösungen gefragt, die eben die kleinen und feinen Anbieter im Portfolio haben. Die "hidden champions" also? Genau. Kluge Ideen gibt es genügend - entscheidend ist, sich gegen die Vertriebsriesen durchzusetzen. Aber es ist nicht unmöglich, wie man an uns sieht. Wo sehen Sie intercorp in den nächsten fünf oder zehn Jahren? Gute Frage. Ehrlich gesagt: Wir hätten das gerne vor fünf Jahren auch gewusst, wo wir heute stehen (lacht). Es geht um eine stete flexible Neuausrichtun. Unser Kernbereich ist weniger KI, also künstliche Intelligenz, sondern sind modere Ansätze im Datenmanagement. Es gibt Firmen, die verfügen über eine alte und in Teilen ungepflegte Datenbank in Kooperation mit losen Excel-Listen, die so für die Verarbeitung nicht länger geeignet sind. Hier kommen wir ins Spiel. Wir tragen die Daten zusammen und zeigen dem Kunden, was möglich ist für seinen besonderen Anwendungsbereich und und woran er selber noch gar nicht gedacht hat. Wir bieten maßgeschneiderte Betriebsunterstüzung. Ein Beispiel ist das große Thema Außendienst, das wir auf neue Füße stellen und bis ins Detail digitalisieren können. Der Vertrtiebler kommt demnach nicht mehr mit dem klassischen Musterkoffer an die Haustür, sondern er kann - dank unserer Hilfe - mit einem passend geschneiderten Datenportfolio und ebenso passenden Produkten wiederum bei seinem Kunden maßgeschneiderte Lösungen anbieten. Das ermöglicht Prozessoptimierung.

Aber das reicht noch weiter. Aktuell arbeiten wir an einer Plattform zum E-learning. Viele Firmen lassen ja mehrfach im Jahr all ihre Mitarbeiter aus aller Welt einfliegen, um Neuigkeiten zu vermitteln. Unsere Plattform kann diesen Austausch quasi virtuell bündeln. Das hilft enorm bei der Kosteneinsparung, und zwar ohne dass die Qualität des Austauschs leidet. Das ist die Zukunft, mit der auch wir hoffentlich Geld zukünftig verdienen.