Welche künftige Nutzung des Kaufplatz-Areals wünschen sich die Kulmbacher? Eine Frage, die wir unseren Lesern gestellt haben, als wir über den Ideen-Wettstreit der Parteien berichtet haben (siehe BR vom 10. Juli). Während SPD, Grüne und OB Ingo Lehmann (SPD) eine "Grüne Oase" auf dem stadtbildprägenden Areal wollen, streben CSU, WGK, FDP und AfD auch eine Bebauung an. Die allermeisten unserer Leser wollen, das hat die allerdings nicht repräsentative Umfrage ergeben, keinen reinen Park im Stadtzentrum. Für "Plaza" Ottmar Dörfler aus Kulmbach hat die Idee, das Areal als eine Art "Plaza" zu gestalten, gleichsam als verkehrsberuhigtes Pendant zu den anderen Stadtplätzen. Ganz ohne Parkplätze werde es aber nicht gehen. An Gebäuden kann er sich ein Senioren- und Studentenheim sowie sonstige Sozialeinrichtungen vorstellen. Gastronomie wie Café und Eisdiele gehörten zu einem solchen Platz, vielleicht Kleingewerbe und Ausstellungen. "Als Standort etwa für die Uni kann ich mir das Areal nicht vorstellen, wegen der ungünstigen Verkehrsanbindung", sagt Dörfler, der daran erinnert, dass vor Jahren ein Preis für die besten Vorschlägen ausgelobt worden sei. "Hoffentlich ist das nicht in Vergessenheit geraten!" Bauten auf kleiner Fläche Regine und Karl Moser können sich eine Wohnbebauung vorstellen, "allerdings nur auf einer kleinen Fläche, eher zurückhaltend und im Stil der angrenzenden Stadthäuser". Es sollte dann Wohnraum werden, der für junge Menschen und Senioren bezahlbar ist. Die beiden wünschen sich auch eine Renaturierung des Mühlkanals. Im Uferbereich sollten Sitzmöglichkeiten entstehen, angrenzend eine parkähnliche Anlage mit Bäumen, Büschen, Wiesen und Wasser, dazu Sitzgelegenheiten und Ruhebereiche. Denkbar seien ein Imbiss oder ein (Eis-)Café. "Der Bereich sollte eine Naturoase für Menschen werden, die in der Stadt wohnen oder dort arbeiten, und auch für unsere zukünftigen Studenten. Gerade in Zeiten des Klimawandels werden naturnahe Bereiche in der Innenstadt immer wichtiger. Wer sucht nicht gerne den Schatten von Bäumen auf, um der Hitze von Stadtwohnungen zu entgehen." Die Bebauung mit Ladenlokalen wäre der falsche Weg. "Man muss nur mal mit offenen Augen durch die Fußgängerzone und die benachbarten Straßen gehen - hier gibt es Leerstände zu Genüge." Das neue Gelände solle die Menschen eher in die Altstadt locken und lotsen. "Natur in der Stadt ist wichtig, gerade auch auf diesem ,Filetstück'. 40 Jahre Betonwüste sind genug." Ein Theater Robert Pfeifer aus Ködnitz wünscht sich ein Theater, nachdem zuletzt über einen Theaterbau in Kulmbach diskutiert worden war. "Alle kulturell interessierten Menschen, mit denen ich gesprochen habe, waren von dieser Idee angetan. Etwas mehr Kultur könnte in unserer künftigen Universitätsstadt wirklich nicht schaden. Der Imagegewinn für Kulmbach wäre immens." Das Gebäude müsse nicht groß sein. So bliebe genügend Platz für Begrünung und Flussrenaturierung. Auch ein Café ließe sich integrieren. "Es würde eine Kulturstätte zwischen Altstadt und Campus-Gelände entstehen, die wieder etwas Leben in die Stadt bringt Universität, Theater - es wäre wirklich prima, wenn Kulmbach mehr zu bieten hätte als nur das Bierfest als Kulturhöhepunkt." Stadtwohnung und Pavillon

Ingrid Krasser aus Kulmbach wünscht sich einen Nutzungsmix. Ein kleiner Teil sollte mit Stadtwohnungen für Senioren bebaut, ein anderer Teil als Grüne Oase genutzt werden, etwa mit einem Pavillon, in dem Live-Musik geboten, der aber auch von Theatergruppen und Schulen genutzt werden könnte. Es sollte ein Platz werden, "auf dem man die Seele baumeln lassen kann", in dem auch ein öffentlicher Gemüsegarten angelegt werden könnte. "Sollten ältere Menschen dort eine Wohnung haben, sind sie abgelenkt vom Alltag und können dem Treiben zusehen." Männern, denen es langweilig werde, wenn die Frau zum Shoppen gehe, könnten dort entspannen, Minigolf oder Schach spielen. Für mehrere Generationen "Die Stadt wird grün, Randgebiete werden zubetoniert! Fachsprachlich nennt man das aber Flächenversiegelung", schreibt Thorsten Bär. Er rät, Grünflächen lieber in den Stadtteilen zu lassen. Große Bauprojekte wie in Burghaig oder in der Blaich würden im Stadtkern kaum ins Gewicht fallen. "Mein Vorschlag für das alte Kaufplatz-Areal ist eine Bebauung mit Mehrgenerationen-Wohnungen sowie Geschäften und Cafés. Natürlich mit den nötigen Grünflächen. Ein Areal von 9500 Quadratmetern sollte das schon hergeben." Hauptsächlich für Senioren "Es sollten Mehrgenerationswohnungen geschaffen werden. Natürlich auch mit viel Grünfläche. Hauptsächlich für Senioren, denn auch diese Menschen wollen noch in der Stadt und im Grünen leben. Aber diese Menschen sind ja anscheinend schon abgeschrieben. Traurig", meint Siggi Kammerer. Oase der Erholung

"Herr Nagel, Sie bewerten die Nutzung ,nur mit Bäumen bepflanzt' als verschenkt? Herr Pfitzner, Sie halten das Areal für einen "reinen Park viel zu wertvoll"? Hallo? Ein kleiner Exkurs zum Englischen Garten in München sei erlaubt", schreibt Heike Pöhlmann. Das Münchner Areal, das ein innerstädtisches Filetstück sei, werde nicht bebaut, "obwohl dort die Wohnungsnot extrem ist". Es bleibe eine Oase der Erholung, der Begegnung. So was würde Kulmbach in der entsprechenden Relation auch gut zu Gesicht stehen", stellt sie fest. Kulmbach habe eine vollkommen ausreichende Dichte an Geschäften. Es sei wichtig, diese am Laufen zu halten und ihnen "eine Perspektive zu geben mit einer attraktiven Innenstadt, in der man auch gerne mal verweilt". Sie ist gegen weitere Geschäfte, gegen mehr Wohnbebauung, was aus ihrer Sicht einem völlig überdimensionierten Denken geschuldet ist, was Kulmbach als Universitätsstadt betrifft.

"Was die CSU und WGK angeht, drängt sich der Eindruck auf, sie wollen dem früheren OB Schramm, der bestimmt schon Pläne in der Schublade hatte, noch im Nachhinein eine Realisierung seiner Visionen ermöglichen. Ich bin da ganz bei unserem OB Lehmann, für einen aus seinem Betongefängnis befreiten Weißen Main, eventuell ein paar hübsche Einkehrmöglichkeiten, vielleicht einen kleinen Stadtstrand." Handel, Gastronomie, Grün An eine frühere Diskussion zur Nutzungsfrage erinnert sich Christa Müller. Da habe der verstorbene Grafiker Wolfgang Boller erklärt, dass er sich auf dem Areal einen Platz für Handel und Gastronomie sowie Grünflächen als eine besondere Attraktion für Kulmbach vorstelle. "Das ist alles, was gebraucht wird. Ich würde mich freuen, wenn dieser Vorschlag die Zustimmung der Stadt finden würde", so Christa Müller. Im "Hundertwasserstil"

"Ich denke immer noch, dass es Zeit wäre für ein schönes Bauwerk und keine weitere Schuhschachtel. Ich habe bereits vor Monaten geäußert, dass ein Bauwerk im Hundertwasserstil mit Wohnungen, Shops und Innenhof sehr gut dorthin passen würde", meint Anja Sieg. Es zöge auch Touristen an. "Diese schönen Bauten stehen niemals leer. " Eine weitere Parkanlage sei nicht sinnvoll. Kulmbach habe mit den bestehenden Parks genug Probleme. Sie seien teils vermüllt, weshalb man auch schon wieder Sitzgelegenheiten abgebaut habe, es gebe Lärmbelästigung und Probleme mit alkoholisierten Besuchern. "Für eine sinnvolle Bebauung sollte es doch im Stadtrat Mehrheiten geben", erklärt Sieg.