Der Kulmbacher Jan Fischer ist Vater dreier (Schul-)Kinder und IT-Spezialist. Und als solcher "schockiert" über den Stand der Digitalisierung an unseren Schulen - vom sogenannten Homeschooling ganz zu schweigen. Da er aber nach eigener Aussage niemand ist, der sich nur beschwert und nichts unternimmt, hat sich der Geschäftsführer der "4954 Systeme & Technik Oberfranken GmbH" ein Konzept überlegt, mit dem sich seiner Meinung nach die Digitalisierung des Unterrichts einfach und kostengünstig umsetzen lasse. Dabei gehe es ihm nicht darum, das große Geld zu machen, sondern "mich nervt einfach, dass nichts vorangeht und nach wie vor kein vernünftiges Konzept des Kultusministeriums für die Digitalisierung der Schulen existiert. Dabei gäbe es gute Lösungen, aber die sind anscheinend nicht gewollt".

Antwort nach über sechs Monaten

Seine Idee hat er bereits im April per Mail an Kultusminister Michael Piazolo geschickt. Vor fünf Tagen hat er darauf nun die Antwort erhalten, dass man seine Empfehlungen und sein Beratungsangebot zur Kenntnis nehme, grundsätzlich aber alle Vergaben über die Plattform www.auftraege.bayern.de abgewickelt werden. Für Jan Fischer bedeutet das auf gut deutsch: Es besteht kein Interesse.

Und so sieht sein Lösungsvorschlag aus: Jeder Schüler erhält einen sogenannten Thin-Client (eine Art Mini-Computer, der über ein Netzwerk mit einem Server verbunden ist und dessen Ressourcen nutzt), der personalisiert ist und Zuhause mit dem Wlan und per HDMI-Kabel mit einem Monitor oder jedem x-beliebigen Fernseher verbunden werden kann. Die Geräte, kleine, unscheinbare Kästchen, sind schon ab circa 50 Euro zu haben. Über die vorinstallierte Software können die Schüler ausschließlich eine verschlüsselte Verbindung zu einem zentralen Server aufbauen, der auch außerhalb der Schule in einem Rechenzentrum stehen könnte, was das Problem der Datenüberlastung vieler Schulen lösen würde.

Das ist dann so, erklärt der IT-Fachmann, als würde man auf einem entfernten Rechner arbeiten. Dieser habe dann alle notwendigen Programme vorinstalliert: sie sind klassen- und altersgerecht eingeschränkt, Webseiten können nur mit entsprechender Freischaltung aufgerufen werden, Videokonferenz-Plattform, E-Mail-Konto, virtuelle Schulwände, Tafeln etc. sind bereits eingerichtet. Dies alles könnten IT-Experten nach Vorgaben der Schulen entwickeln.

Die Kinder bräuchten keine Passwörter oder sonstige Zugänge. Sollte ein Gerät kaputt oder verloren gehen, kann es einfach getauscht beziehungsweise gesperrt werden. Hacker hätten keine Möglichkeit, das System zu manipulieren. Für die Umsetzung eines Pilotprojekts nach diesem Konzept benötigen Jan Fischer zufolge zwei IT-Fachleute etwa vier Wochen. Dann aber habe man ein für alle Seiten - Lehrer, Schüler und Eltern - leicht verständliches und bedienbares System, das zudem kostengünstig sei und keine Hardware verschwende. Die Mini-PCs seien im Stromverbrauch wesentlich günstiger als ein Laptop, und es werde nicht so viel Elektroschrott produziert, wenn die Geräte ausgetauscht werden müssen.

Jan Fischer und sein Mitarbeiter Stefan "Bonsai" Lehner haben diese Ideen auch schon Kulmbacher Schulen vorgestellt haben - bislang ohne Resonanz. Dabei brennt den beiden neben einem sinnvollen und ressourcenschonenden Einsatz von Hardware vor allem deren sichere Nutzung auf den Nägeln - sprich: Jugendschutz und Datenschutz. Wer gewährleistet zum Beispiel, dass die Schüler mit den zur Verfügung gestellten Laptops keinen Zugang zu jugendgefährdenden Inhalten haben? Und dann der Datenschutz. Der bereitet Fischer, der auch Fachkraft für Datenschutz ist, die größten Bauchschmerzen. Denn momentan arbeiten (nicht nur) die meisten Schulen mit Microsoft Office 365. "Warum muss ich mich an eine amerikanische Software binden, von der keiner weiß, was genau mit den Daten im Hintergrund passiert? Es gäbe auch super Software aus Deutschland, die man verwenden könnte." Sogar die Deutsche Datenschutzkonferenz habe Bedenken gegenüber Office 365 geäußert und Behörden dringend von der Nutzung abgeraten.

Schulamtsdirektor Michael Hack weiß, dass derzeit nicht alles rund läuft in Sachen digitaler Bildung ("Es sind alle überrollt worden von der Corona-Welle"). Das Problem sei, dass es einfach zu viele verschiedene Systeme und Geräte an den einzelnen Schulen gebe. Das Kulmbacher Schulamt habe deshalb schon vor längerem zusammen mit der Medienbeauftragten Bianca Simon ein Konzept entwickelt, das vor allem die einheitliche, technische Ausstattung der Grund- und Mittelschulen im Landkreis, für die das Schulamt zuständig ist, zum Ziel hat. Dann sei es auch möglich, eine auf Landkreisebene organisierte Systembetreuung zu gewährleisten. Für die Schulen im Stadtgebiet werde diese einheitliche Ausstattung derzeit umgesetzt. Dabei werde vor allem auf einfach zu bedienende Ipads für die Schüler und Panels, elektronische Tafeln, gesetzt.

Parallel dazu werde derzeit auch die entsprechende Fortbildung der Lehrkräfte forciert. Im Schulamtsbezirk wurde dafür ein eigenes Referentennetzwerk "Digitale Bildung" eingesetzt, bei dem technisch versierte Pädagogen ihre Kollegen schulen. Auch einheitliche Plattformen für die Schüler seien ein Thema, so habe die Regierung von Oberfranken eine spezielle Online-Plattform für die Grundschüler aufgelegt. "Es muss noch viel gemacht werden, aber daran wird momentan mit Hochdruck gearbeitet", sagt Michael Hack, der zuversichtlich ist, dass eine gute Umsetzung der digitalen Bildung gelingt.

Ohne Glasfaser geht nichts

Dass dazu neben all der Technik natürlich auch eine feste Struktur - gerade für das Homeschooling - dringend nötig wäre (Arbeitsaufträge von den Lehrkräften kommen um 8 Uhr und müssen bis zu einem festgelegten Zeitpunkt erledigt sein), fordern Jan Fischer und Stefan Lehner mehr aus ihrer Sicht als Väter denn als IT-Experten. "Diese neue Kultur der Online-Kommunikation muss sich einbürgern an unseren Schulen", sagt Lehner, dem bei allem Wunschdenken aber auch eines klar ist: ohne einen ordentlichen Glasfaseranschluss der Schulhäuser läuft gar nichts.