Die Zahl der in Deutschland zugelassenen Kraftfahrzeuge steigt stetig. Und die müssen irgendwo hin. Deshalb ergibt sich ein immer größeres Parkplatz-Problem. Und das nicht nur in Großstädten, sondern auch auf dem flachen Land. Das zeigt das Beispiel der Stadt Stadtsteinach. In der eher beschaulichen Grünbürgstraße wissen einige Anlieger nicht mehr, wohin mit ihren Autos. Ursache dafür ist eine neue Anordnung der Stadt: Sie hat ein temporäres, absolutes Halteverbot ausgesprochen.

Anwohner sehen keinen Sinn

Die Grünbürgstraße ist eine Nebenstrecke, führt von der Ortsdurchfahrt zur Alten Pressecker Straße. Ein paar kleinere Wohnhäuser, eine Arztpraxis - nichts Außergewöhnliches. Bisher kamen die Anlieger mit der Situation klar: Die 5,4 Meter breite Trasse bot genügend Parkraum.

Seit Ende November aber hat sich die Lage geändert: Auf einer Länge von rund 50 Metern hat die Stadtverwaltung ein absolutes Halteverbot ausgesprochen. Es gilt im Winterhalbjahr: Von November bis einschließlich März. Dumm nur, dass die neue Regelung einige Anlieger in die Bredouille bringt. Sie hatten zuvor ihre Autos auf just der Fläche abgestellt, die nun von der neuen Verfügung betroffen ist. Und das sorgt für Kopfschütteln. Vor allem deshalb, weil die Betroffenen keinen Sinn in der Regelung erkennen können.

"Das ist echt lästig"

Zu den verdutzten Bürgern gehört Erik Konrad. Der 50-jährige Drucker lebt seit zehn Jahren in der Siedlungsstraße. Zu seinem Hausstand gehören insgesamt vier Autos, die auf dem Grundstück kaum Platz finden. Der Drucker besitzt zwar eine Garage für zwei Autos, doch der Hof ist so schmal geschnitten, dass die Wagen oft umgesetzt werden müssen, wenn eine Fahrt ansteht. "Das ist echt lästig, vor allem dann, wenn meine Frau mit unseren drei kleinen Kindern und dem Hund unterwegs ist." Es bereite der Familie große Mühe, Einkäufe ins Haus zu bringen, weil auf der Strecke sogar das Halten untersagt ist.

Mit der neuen Anordnung habe die Stadt die Familie völlig überrascht: "Wir haben vorher nichts davon erfahren", sagt Erik Konrad. Er bezweifelt die Sinnhaftigkeit der Neuerung, die die Stadt begründet mit der Durchführung eines reibungslosen Winterdiensts. Dieses Argument sei für ihn nicht schlüssig, meint der 50-Jährige. Denn Stadtsteinach sei ja nicht gerade für seinen Schneereichtum bekannt, und auch schon all die Jahre zuvor sei der Winterdienst gewährleistet gewesen.

Zusatzschild hätte gereicht

Konrad hätte sich mit einer Lösung abfinden können, die darauf hinausläuft, ein Halteverbot auszusprechen an schneereichen Tagen. Es hätte sicher gereicht, ein entsprechendes Zusatzschild anzubringen, argumentiert er. "Aber so halte ich das für überzogen."

Nun sind der 50-jährige Stadtsteinacher und dessen Frau darauf angewiesen, ihre Fahrzeuge in anderen Teilen der Straße abzustellen. Was zu neuen Problemen führt. So hatte Konrad bereits handschriftlich verfasste, anonyme Zettel unter seinem Scheibenwischer gefunden, die ihn auffordern, woanders zu parken: "Der nachbarschaftliche Frieden ist gestört."

Winterdienst hat Probleme

Nach all dem wandte sich Konrad per E-Mail an die Stadtverwaltung mit der Frage nach den Gründen der Anordnung. Darauf antwortete ihm Tatjana Friedlein, dass man durch die Regelung den reibungslosen Winterdienst gewährleisten wolle. Durch nicht ordentlich geparkte Autos sei es immer wieder zu Problemen an Engstellen gekommen. Zudem sei es nicht Aufgabe der Stadt, Parkplätze für Anwohner bereitzustellen, damit " der eigene Hof nicht zugeparkt wird".

Diese Begründung stößt Konrad sauer auf, der moniert, dass Berufsschüler der nahegelegenen BRK-Fachschule für Altenpflege die Straße regelmäßig zuparken - ohne dass die Behörden einschreiten: "Seltsamerweise passiert da nichts."

Betroffen von der neuen Regelung ist auch Daniel Popp. Der 36-jährige Service-Techniker ist vor wenigen Monaten mit seiner Mutter und deren Mann in das Anwesen Grünbürgstraße 10 gezogen. Alle zusammen kommen auf drei Privatautos und einen Geschäftswagen. Wegen des Zuschnitts des Grundstücks können dort aber nur zwei Fahrzeuge untergebracht werden, die anderen beiden müssen auf die Straße. Und wenn man dann noch Besucher empfange, sei das Ganze noch viel schwieriger. "Die Neuregelung erschwert unser Leben sehr. Wir müssen dauernd rangieren", sagt der Stadtsteinacher Neubürger.

Grünfläche als Parkplatz?

Popp favorisiert deshalb einen Lösungsvorschlag, den auch Erik Konrad dem Rathaus unterbreitet hat: Auf der gegenüberliegenden Seite der Straße befindet sich eine parkähnliche, ungenutzte Grünfläche. Ein Teil dieses Geländes könne dazu verwendet werden, neue Stellplätze zu schaffen. Auf dem verbleibenden Areal könne man Spielgeräte aufstellen für die Kleinkinder der Familien. Mit einem Spielturm sei schon viel erreicht, und die Kinder müssten nicht entfernt gelegene Spielplätze aufsuchen, sagt Daniel Popp, der eine vierjährige Tochter und einen einjährigen Sohn hat.

Die Familie Konrad bringt es auf weitere drei Kleinkinder im Alter von drei, fünf und sieben Jahren. "Das wäre doch eine Super-Lösung", so Popp.

Mit diesem Vorschlag erfüllen die Anlieger einen Wunsch der Stadtsteinacher Verwaltung: Die hatte in ihrer Stellungnahme die Betroffenen dazu aufgefordert, andere Lösungsmöglichkeiten zu ergründen: "Sollten Sie Vorschläge haben, (....) können Sie uns diese gerne mitteilen."

Thema im Stadtrat

Bürgermeister Roland Wolfrum (SPD) erklärte auf Nachfrage unserer Zeitung, dass es das alte Problem sei, es allen recht zu machen. Es gebe auch Anlieger, die wegen des Winterdiensts diese Parkverbote vehement einforderten. Wolfrum zum konkreten Fall: "Grundsätzlich ist es dort das ganze Jahr über eng, es fahren da auch die Schulbusse durch."

In der Januar-Sitzung werde er den Stadtrat jedenfalls beratschlagen lassen, ob man auf der Grünfläche Parkplätze und einen Kleinkinder-Spielplatz errichtet oder nicht.