Der Euro hat sich allen Krisen zum Trotz als stabile Währung erwiesen. In Kulmbach jedoch kommt der Euro dieser Tage gehörig unter Druck: Denn beim Bierfest gilt eine andere Hauptwährung - die Biermarke, die den Euro weit gehend als Zahlungsmittel abgelöst hat.

Allerdings darf man nicht glauben, dass der eckige, runde oder gelochte Aluchip oder der Papiergutschein eine Erfindung der Kulmbacher Brauereien für ihr Bierfest wären. "Die Biermarken gibt es schon viel länger", betont Hans-Reinhard Vetterlein und nimmt eine kleine, unscheinbare Kupfermünze zur Hand. Darauf ist er besonders stolz: "Das dürfte mein ältestes Stück sein - von 1559. Ein Glücksfall, dass das Datum draufsteht." Und die Geschichte dazu: Ausgegeben hat die Biermarke des bayerische Herzog Albrecht IV. - "an die Leute in seiner Wagenremise".

Die herzogliche Kupfermarke ist Vetterleins wertvollstes Stück.
"Dafür werden schon mal 100 Euro bezahlt", sagt er. Aber des Geldes wegen sammelt er nicht seit 50 Jahren Münzen und Biermarken. Es fasziniert ihn, Geschichte - besonders Kulmbacher Heimatgeschichte - in Händen halten zu können.

1000 oder mehr

Dabei weiß er nicht exakt, wie viele Biermarken in seinen Sammel alben lagern: "1000 vielleicht - alle aus dem deutschsprachigen Raum, aus Kulmbach etwa 70."

In Kulmbach und Umgebung tauchen solche Biermarken laut Vetterlein ab dem 19. Jahrhundert auf. In der Kaiserzeit sind sie gang und gäbe. Von den großen Brauereien Reichel, EKU, Mönchshof und Sandler besitzt Vetterlein etliche Biermarken, auch von Petz oder Pöhlmann. "Pertsch gibt's auch, Eberlein und Michael Täffner, der später ab 1872 der erste EKU-Direktor gewesen ist, sollen ebenfalls welche gehabt haben, die habe ich aber noch nicht gesehen", so der 65-Jährige.

Eine Frage der Flasche

Da man seinerzeit kein Bierfest gefeiert hat: Welchem Zweck dienen dann solche Biermarken? Keine schwere Frage für den Experte: "Damals gab es noch keine Flaschen. Also konnte man sich damit seinen Haustrunk holen. Die Leute gingen in die Gastwirtschaft und nahmen ihr Bier zum Abendessen nach Hause mit." Daher der Aufdruck: "Gut für 1L" oder "Gut für 5L". Folgerichtig gehen mit dem Aufkommen der Bier flasche die Haustrunkmarken zurück, "sind aber in den fünfziger und sechziger Jahren noch gebräuchlich gewesen".

Vetterlein weiß, dass es oft Zufall ist, "dass man was kriegt". So hat er auch beim Trödelmarkt am Schwedensteg ("Da kennen sie mich schon") schon Glück gehabt. Unter anderem ist er so an seltene Biermarken gekommen - wie die von der Gastwirtschaft "Grüne Au" (später Schauers Gaststätte) oder von der Gaststätte zur Plassenburg ("Das könnte der Burgkeller gewesen sein").

Alu ist teuer

Wer nun glaubt, dass er, weil er noch ein paar Alu-Biermarken zu Hause hat, einen Schatz sein eigen nennt, den muss Vetterlein eines Besseren belehren. "Die richtig alten Biermarken sind aus Eisen, Kupfer oder Messing. Aluminium ist jünger und vor dem 1. Weltkrieg gar nicht gebräuchlich - denn damals war es teuerer als Gold."
Ein Satz, der heutzutage in leicht abgewandelter Form auch noch gilt. Biermarken sind eben Gold wert oder: Durst wird durch Bier(marken) erst schön.