Wer gerne auf der Kirchleuser Platte spazieren geht, sollte die Landschaft genießen, so lange sie noch so ist, wie sie ist. Denn dort - beiderseits der Straße von Schimmendorf nach Kirchleus - sollen sich künftig Windräder drehen. Bis zu sieben solcher Anlagen, die es auf eine Höhe von 200 Meter bringen und weithin zu sehen sein werden. Dagegen rührt sich jetzt Protest - in der Kirchleuser Siedlung fürchten Bürger um das Landschaftsbild. "Der Windpark passt da oben nicht hin", betont Hans Limmer.

Die Energiewende wird konkret. Sie erreicht - zwei Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima - den Landkreis Kulmbach. Die Region Oberfranken-Ost ist dabei, die Windkraftplanung fortzuschreiben und so genannte Vorranggebiete festzulegen.
Bis Ende nächster Woche können Gemeinden noch Einwendungen geltend machen.

Für den Kreis Kulmbach sind 14 Vorrangflächen im Gespräch, wo nach Einschätzung von Hans-Dieter Vießmann vom Kulmbacher Landratsamt 40 bis 50 Windräder Platz hätten. "Das heißt nicht, dass dort gebaut werden muss. Aber wenn, dann dürfen Windräder nur noch dort errichtet werden, wo Vorranggebiete ausgewiesen sind", erklärt der Umweltingenieur.

Goldgräberstimmung
In der Branche herrscht Goldgräberstimmung. Wer Grundstücke hat, die gebraucht werden, kann sich zur Ruhe setzen. Von 30 000 Euro pro Windrad und Jahr ist die Rede. Allerdings ist der Kulmbacher Raum nicht so attraktiv wie andere Regionen, wo weit mehr Windräder geplant sind. Es liegt an den Windgeschwindigkeiten, die in Nabenhöhe der Anlagen - also bei 140 Metern - sechs Meter pro Sekunde nicht erreichen.

Im Raum Kulmbach ist der Windpark Kasendorf-Weismain am weitesten fortgeschritten: Bei Azendorf Nord wurde zwar eine Teilfläche rausgenommen, weil der Gesteinsabbau Vorrang hat, aber, so Vießmann, "das Genehmigungsverfahren läuft schon. Auf Kasendorfer Gebiet werden vier, auf Weismainer Seite drei Windräder gebaut."

Aufwendiges Genehmigungsverfahren
Wenn der Regionalplan im Herbst genehmigt wird, darf jedoch noch keiner bauen. Dann folgt - auf Antrag des Betreibers - die entscheidende Detailprüfung: das immissions schutzrechtliche Genehmigungs verfahren. Zuständige Behörde ist das Landratsamt Kulmbach. Es wird geprüft, ob die Abstände - 1000 Meter zu Wohngebieten und 700 Meter zu Mischgebieten - eingehalten werden, ob im fraglichen Bereich Biotope, Landschaftsschutz- oder Wasserschutzgebiete liegen. Es geht um Schattenwurf und Lärmschutz. Besonders aufwendig ist die artenschutzrechtliche Prüfung durch einen Sachverstädigen. "Das dauert allein ein Jahr", so Vießmann.
Bei der Fortschreibung des Regionalplans werden fünf Gebiete rausfallen: Marktleugast Nordost und Hohenberg Süd (beide FFH-Gebiete), Gundlitz Süd (Trinkwasserschutz), Kasendorf Nord und Hegnabrunn (beide Landschaftsschutz). Busbach Nord wird verkleinert (Wasserschutzgebiet Alladorf).

Bedenken hat Vießmann bei einigen neu hinzugekommenen Flächen: Die Erweiterung von Busbach Nord bei Lochau müsse genau geprüft werden, und Kunreuth Nord bei Presseck liege im Naturpark Frankenwald. "Wir haben es mit einem dynamischen Prozess zu tun", betont er. "Flächen können gekippt werden aus Gründen, die jetzt noch gar nicht bekannt sind."

So war ein ornithologisches Gutachten ausschlaggebend, dass eine von der Stadt Kulmbach angedachte Fläche beim Kirchleuser Knock vor einem Jahr gestrichen wurde. Um den Lebensraum des geschützten Uhu nicht zu beeinträchtigen.

"Ein paar machen den Reibach"
Auf so eine Entwicklung hofft man auch in der Kirchleuser Siedlung. Hans Limmer formuliert den Protest: "Ein paar Schimmendorfer und Oberdornlacher machen den Reibach, und wir haben die Belästigung. Wir sehen die Windräder, wir hören sie, und wir haben bei tiefstehender Abendsonne den Schattenschlag. Ganz zu schweigen von der Wertminderung der Immobilien." Eine intakte Erholungslandschaft wird zerstört, sagt Wolfgang Woltersdorf und verweist auf zwei Fernwanderwege, die dort verlaufen. Mit zwei Windrädern hätte man leben können, aber nicht mit sieben, meint Gerhard Limmer.

Nicht gut zu sprechen ist man auf den Kirchleuser Ortssprecher Richard Ströbel, von dem man sich nicht ausreichend informiert fühlt. "Uns ärgert die Geheimnistuerei", schimpft Hans Limmer.

Verhandlungen laufen noch
Ob auf der Kirchleuser Platte überhaupt gebaut wird und wie viele Windräder, ist nach den Worten von Siegfried Münch aus Schimmendorf noch offen. Er spricht für 25 Grundstückbesitzer - die meisten aus Schimmendorf, Kirchleus und Oberdornlach - und bestätigt, dass seit längerem Gespräche mit Betreibern laufen, die Flächen pachten wollen. "Wenn die Verhandlungen abgeschlossen sind, werden wir alle Bürger informieren", versichert Münch. Bei Interesse sei auch ein Beteiligungsmodell denkbar: ein Teil des Windparks, der von Schimmendorf und Danndorf aus zu sehen sein wird, als Bürgeranlage. Bis dahin seien aber "noch sehr viele Hürden zu überwinden".