Ja, auch im neuen Jugendhaus wird es eine Kaminecke geben. Danach wird Jürgen Zinck, Dekan des evangelisch lutherischen Dekanatsbezirks Kulmbach, von fast allen Gästen des alten Jugendhauses gefragt.
Das Gebäude war abgerissen worden, weil sich die Kosten für die Renovierung des Hauses aus den 1970er Jahren nicht rentiert hätten. "Der Neubau der Weihermühle kostet zwar mittlerweile etwas mehr als die Renovierung des alten Hauses. Aber das sanierte Gebäude hätte mit hohem Aufwand erhalten werden müssen und wäre längerfristig teurer gekommen", sagt der Dekanat.

Geld im Grundstein von 1977


Am Freitag segnete er die Baustelle des Neubaus und öffnete den Grundstein der alten Weihermühle aus dem Jahr 1977. Neben Bauplänen, evangelischen Gemeindebriefen, alten Zeitungen und der Original-Urkunde der Grundsteinlegung fand der Dekan auch etwas, wozu er sich einen Spruch nicht verkneifen konnte: Sieben D-Mark in Münzen. "Die Finanzierung ist gesichert", scherzte er. Scherzen kann er, weil die Finanzierungsfrage mittlerweile in der Tat geklärt ist.

Die Erleichterung darüber war auch Christina Flauder aus dem dem Präsidium der Dekanatssynode anzumerken. "Zwischenzeitlich hatte ich Angst, dass es nicht weitergeht, weil die Finanzierung auf der Kippe stand. Aber wir sind Christen und geben die Hoffnung nicht auf."

Die Hoffnung wurde nicht enttäuscht.
Etwa fünf Millionen Euro wird der Neubau des Jugendhauses kosten. Die Finanzierung teilen sich sechs Geldgeber: Der Bayerische Jugendring übernimmt rund 30 Prozent, die Bayerische Landesstiftung etwa 20 Prozent. Die andere Hälfte wird von vier Parteien gestemmt: Von Seiten der Oberfrankenstiftung und der Landeskirche fließt jeweils eine Millionen Euro. Das Dekanat selbst steuert 500 000 Euro bei und ein weiterer Beitrag, über den keine Angaben gemacht werden sollen, kommt von der Raps-Stiftung.

Neubau nicht so verwinkelt


Trotzdem ruft Dekan Zinck zu Spenden auf. "Wir sind kein großer, reicher Hotelkonzern." Dementsprechend werde auch der Neubau eher schlicht aussehen. "Keine Türmchen oder Gäubchen. Und nicht so verwinkelt wie das alte Haus."

Zinck spricht die Kompaktbauweise an, die sich aus den strengen ökologischen Auflagen ergibt. Aus energetischer Perspektive liegt hier der Vorteil gegenüber der verwinkelten alten Weihermühle. "Als diese vor dreißig Jahren gebaut wurde, war man über die Entwicklung der Energiekosten überhaupt nicht im Bilde", gibt Zinck zu bedenken. Vor allem wegen der enormen Heizkosten sei das alte Haus heutzutage nicht mehr zu bewältigen gewesen.

Unvorhergesehene Kosten


Dafür warteten bei der Planung des Neubaus unvorhergesehene Kosten. "Die Stahlpreise sind unberechenbar. Da sind gleich ein paar Tausender weg", erläutert der Dekan. Außerdem seien bestimmte Auflagen beim Brandschutz zu erfüllen gewesen: Zuerst hätten die Weihermühlen-Betreiber einen großen Teich anlegen sollen. Dann einigte man sich auf eine Mischung aus Löschteich und Wasserbehälter.
Schließlich stellte sich nach einem Bodengutachten heraus, dass Wasser durch den Grund der Weihermühle fließt. "Das war vorher nicht bekannt, weil das alte Haus keinen Keller hatte. Das neue schon", sagt Jürgen Zinck. "Wenn man also kein Wasser im Keller will, muss man eine Wanne rum bauen - wieder für ein paar tausend Euro."

Von den ursprünglich angesetzten vier Millionen Euro stieg die Summe für den Neubau so auf etwa fünf Millionen Euro. "Diese Kosten sind nun sehr genau geprüft und genehmigt. Die Summe wird sich - wie bei anderen Projekten oft befürchtet wird - während des Baus nicht mehr enorm vergrößern."

Einweihung im Sommer 2013


Im Juli 2013 soll das neue Jugendhaus fertig sein, wenn der Winter nicht außergewöhnlich lang und hart wird. "Falls doch, werden wir aller spätestens im Oktober 2013 aufmachen", stellt der Dekan in Aussicht.
An Winter denkt dieser Tage niemand. Bei strahlendem Sonnenschein trafen sich etwa 50 Freunde der Weihermühle zur Segnung der Baustelle und Öffnung des Grundsteins. Christian Hanf, Dekanatsjugendreferent und Geschäftsführer der Weihermühle, las einen Tagebucheintrag einer Besucherin des alten Hauses vor. Für sie sei die Weihermühle wie eine zweite Heimat gewesen, wo sie Gott hätte begegnen können.
Hanf selbst sagte: "Ich möchte Herbert Grönemeyer zitieren: ,Heimat ist kein Ort, sondern ein Gefühl'. Auch die neue Weiher mühle soll ein Dach sein für ein Gefühl der Heimat."