Wer als Pendler täglich größere Strecken mit dem Auto fährt, entwickelt eine gewisse Sensibilität: Für den Straßenzustand. Für die Gemütsverfassung anderer Autofahrer. Für Geräusche.
Vor allem für Geräusche. Solche, die urplötzlich auftauchen in einem Auto, das seine besten Jahre schon hinter sich hat. Die vor allem dann auftreten, wenn man soeben beschlossen hat, den Feierabend gemächlich anzugehen und deshalb von der Autobahn auf ein einsames Jura-Strässchen abgebogen ist.
Nun also das Geräusch. Vorne rechts, auf Höhe der Beifahrertür. Ein leichtes Surren, ein dezentes Scheppern. Beunruhigend irgendwie, denn man kann sich die Ursache nicht erklären. Liegt es am Straßenbelag? Wohl eher nicht. Sind alle Fenster zu? Ist was mit der Lenkung? Ein paarmal beherzt das Steuer nach links und nach rechts gedreht - das ist es wohl auch nicht. Ob da etwa die Bremsen...?
Man rollt ratlos und mit immer dunkler werdenden Gedanken vor sich hin. Die Telefonnummer des Pannendienstes? Ist im Handy eingespeichert. Hoffentlich gibt es in dem verlassenen Tal ein Netz. Die Verabredung zuhause? Erst mal nicht absagen, vielleicht geht ja alles noch gut...
Irgendwann dreht sich im Kopf das Gedanken-Karussell. Anhalten. Tief durchschnaufen. Eine CD mit schöner Musik einlegen. Mit der CD-Hülle rutscht ein alter Eiskratzer aus Plastik aus der Türablage, den man dort vor Wochen eigentlich nur kurz lose zwischen die CDs gesteckt hat.
Moment mal? Lose reingesteckt? Das Ding wackelt dort? Schlägt rhythmisch gegen die Plastikhüllen der CDs? Surrt ein bisschen und scheppert leicht?
Jetzt plötzlich ist das Geräusch verschwunden. Mark Knopfler zaubert auf der Gitarre, draußen zieht gemächlich eine wunderschöne Jura-Landschaft vorbei. Der Start in den Feierabend kann so entspannt sein!