"Ich hab' wirklich Lust zu arbeiten", sagt Frank Walther. Kein Wunder, der Friseurmeister leidet wie all seine Kollegen seit vielen Wochen ja unter einem Berufsverbot. Zur Vorfreude auf die Handwerkstätigkeit kommt die Aussicht, endlich wieder Einnahmen generieren zu können.

Der Corona-Virus habe etliche an den Rand der Existenz gebracht, stellt der Innungsobermeister fest. "Noch einen Monat ohne Umsatz hätten einige nicht durchgehalten", ist der 49-Jährige überzeugt.

Ab heute dürfen die Haare also wieder geschnitten und gefärbt werden - aber der Friseurbesuch wird nicht mehr so sein wie vor der Pandemie. Schon bei der Terminvergabe in der vergangenen Woche hat Frank Walther seinen Kunden erläutert, was auf sie zukommt: Ein Mund-/Nasenschutz ist Pflicht. "Den tragen Friseur und Kunde." Es wird keinen Trockenhaarschnitt geben. "Bei jedem Kunden müssen die Haare gewaschen werden, um höchste Sicherheit zu geben, dass keine Viren übertragen werden." Getränke dürfen nicht ausgeschenkt, keine Zeitschriften ausgelegt werden, sagt Frank Walther, der Kunden bittet, den Termin abzusagen, sollten sie sich am Tag des Besuchs nicht wohlfühlen oder krank sein.

Die Messlatte liegt hoch

Es ist ein riesiger Berg an Vorgaben, den er und seine Kollegen erfüllen müssen. "Die Hygienestandards, die bei uns ja schon vor Corona hoch waren, wurden auf eine noch viel höhere Messlatte geschraubt", sagt der Friseurmeister und stellt fest: "Weil wir ein Berufsstand sind, der ganz nah am Menschen arbeitet." So finde die Beratung nur noch über den Spiegel statt, um dem Kunden nicht zu nah zu kommen. Einmalumhänge müssten getragen, Schere und andere Geräte nach jedem Kunden gründlich gereinigt werden.

Enorme Folgen

Die vielen Vorgaben hätten enorme Folgen für den wirtschaftlichen Betrieb. Etliche Arbeitsplätze können nicht genutzt werden, um den Sicherheitsabstand von 1,5 Metern zu gewährleisten. Die reduzierten räumlichen Kapazitäten führen dazu, dass Frank Walthers Team in Schichten arbeiten wird, um alle Kunden bedienen zu können. Wie viele Kollegen wird er seinen Laden jetzt auch montags öffnen. "Wir haben unsere Öffnungszeiten ausgeweitet, weil wir ja in einer finanziell schwierigen Zeit auf unseren Umsatz kommen müssen."

Weil es keinen Wartebereich mehr gibt ("Den mussten wir nach Vorschrift der Berufsgenossenschaft abbauen"), werden die Kunden nun direkt vom Eingang zu ihrem Platz geleitet. Die Taktung der Termine sei eine besondere Herausforderung, weil man die Leute nicht warten lassen könne. "Wir lassen uns deshalb einen zeitlichen Spielraum, planen für einen Haarschnitt, der normal 30 Minuten dauert, lieber 45 Minuten ein", sagt Walther, der sich in seinem Laden im übrigen nur um die Frisuren kümmern darf. Das Wimpernfärben oder auch Bartschneiden sei strikt untersagt.

Kunden sind verständnisvoll

Alle Einschränkungen werden, so der Obermeister, dazu führen, dass die Friseure generell ihre Preise leicht anheben werden. Walther hofft, dass die Kunden dafür Verständnis haben. Verständnis hätten diese schon gezeigt, es in Kauf genommen, dass sie auf einen Termin teils noch länger warten müssen.

Der Friseurmeister ist froh, dass das Warten für ihn und sein Team nun ein Ende hat. Auch seine Mitarbeiter atmen auf. "Ich freue mich, dass es wieder los geht", sagt Sina Wittmann, die wie die gesamte Belegschaft in Kurzarbeit war - auch wenn sie weiß, dass sich der Berufsalltag verändern wird.

Allein das Tragen des Mund- und Nasenschutzes wird den Friseuren zusetzen. Frank Walther: "Ich schätze, wir müssen in der Pause zwischen den Kunden vor dem Geschäft erst mal Luft holen."

Wie sieht es mit Fußpflege aus?

Wer darf wann wieder starten? Eine Frage, die vielen Geschäftsleuten auf den Nägeln brennt. Denn während etwa Friseure ab heute öffnen dürfen, bleiben Kosmetikgeschäfte geschlossen. Außer sie nehmen Fußpflege vor, die aber medizinisch begründet sein muss.

Sabine Valentin, die das Geschäft "Cosmetic Creativ" in Windischenhaig führt, hat Fußpflege vor Jahren aus ihrem Programm genommen. Sie führe neben kosmetischen Maßnahmen aber auch gesundheitliche Behandlungen vor, sagt Valentin, die ihren Laden jedoch nicht öffnen darf. "Ich habe Kunden, die unter schwerer Akne oder auch Neurodermitis leiden, denen ich aber seit sieben Wochen keinen Termin geben kann", so Valentin, die sich fragt, ob Friseure da mehr Gesundheitsvorsorge betreiben.

Anders als die Windischenhaigerin kann Christine Stamm seit einer Woche wieder Kunden empfangen. Sie betreibt in Kulmbach ein Fußpflege- und Nageldesign-Studio. Nägel gestaltet sie nicht, dafür behandelt sie aber Leute, die mit ihre Füßen Probleme haben. "Ich hatte etliche Kunden mit Schmerzen, die schon viel früher hätten behandelt werden müssen", erklärt Stamm, die - wie sie betont - genauestens auf die Sicherheits- und Hygienestandards achtet.

Die könnte Sabine Valentin auch sicherstellen, wie sie versichert. Nicht nur bei Akne-Patienten, sondern auch bei kosmetischen Behandlungen. "Wir haben uns auf die Wiedereröffnung vorbereitet, Mund- und Gesichtsschutz besorgt und viele weitere Vorkehrungen getroffen. Jetzt warten wir auf den Startschuss", stellt die Kosmetikerin fest.