Am Dienstag, 15. Dezember, soll die Verteilung starten, aber es kann sein, dass nicht jeder sofort eine Maske bekommt. Der Ansturm auf die Kranich-Apotheke in Weiher ist seit Tagen groß, und auch das Telefon klingelt pausenlos, seit sich am vergangenen Mittwoch die Nachricht wie ein Lauffeuer verbreitet hat, dass Gesundheitsminister Jens Spahn über die Apotheken kostenlose FFP2-Masken an die über 60-Jährigen und Risikopatienten abgeben will. Apothekerin Julia Bredemeyer findet diesen Vorstoß an sich super, "und wir machen auch gerne mit", übt aber gleichzeitig Kritik an der Art und Weise der Ankündigung beziehungsweise Umsetzung. "Wir wurden davon über Nacht überrollt und haben wie alle anderen auch aus der Presse davon erfahren", sagt sie.

Geplant ist die Verteilung ab Dienstag, doch bereits am vergangenen Donnerstagmorgen standen Kunden in ihrer Apotheke und wollten ihre FFP2-Maske abholen. "Dabei konnten wir noch gar nichts rausgeben", so die Inhaberin der Kranich-Apotheke. Weder gab es eine rechtliche Grundlage für die Spahn-Anordnung noch hatte sie überhaupt einen entsprechenden Vorrat an FFP2-Masken. Daher musste sie alle Anfragen erst einmal abweisen und die Kunden auf später vertrösten. "Und dann durften wir uns zum Teil anhören, dass wir nicht vorbereitet sind", so Julia Bredemeyer.

Ihrem Frust hat die Apothekerin mit einem Post auf Facebook Luft gemacht. Dort schrieb sie: "Lieber Herr Jens Spahn, ich lade Sie hiermit herzlichst ein, morgen in unsere Apotheke zu kommen, um mit unseren verängstigten und ungeduldigen Kunden zu diskutieren... So, wie wir es heute den ganzen Tag (neben dem "normalen" Apotheken-Betrieb) versucht haben... Uns wurden Ausweise vor die Nase geknallt mit dem Hinweis, dass man denn jetzt die versprochenen FFP2 Masken abholen möchte!!"

Die FFP2-Masken musste sich Julia Bredemeyer - wie ihre Kollegen auch - selbst besorgen ("Wir gehen da in Vorleistung"). Bestellt sind sie, aber noch nicht geliefert. Mit etwas längerer Vorlaufzeit wäre eine gute Vorbereitung kein Problem gewesen. "Das hätte man alles schon im Sommer oder Herbst organisieren können", sagt die Apothekerin an die Adresse des Gesundheitsministers gerichtet. "Wie gesagt, die Idee ist super, aber die Umsetzung mangelhaft." Auch der Zeitpunkt sei äußerst ungünstig. "Wir starten jetzt in den harten Lockdown und sagen, die Risikopatienten sollen Zuhause bleiben, und dann rennen genau die los, um sich ihre Masken zu besorgen", gibt Bredemeyer zu bedenken.

Der Kulmbacher Apotheker Hans-Peter Hubmann hat als Vorsitzender des Bayerischen Apotheker-Verbandes und stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbandes naturgemäß einen gewissen Informationsvorsprung und weiß daher, wie kurzfristig Entscheidungen wie diese in Zeiten der Pandemie getroffen werden. Er kann die Kritik seiner Kollegin zum Teil verstehen und räumt ein, dass es von Seiten des Gesundheitsministeriums Kommunikationsfehler gegeben habe. So sei es unglücklich, dass der Referentenentwurf zum Verteilen der FFP2-Masken, der mit dem Verband abgesprochen war, praktisch sofort zu den Medien durchgesickert sei, noch bevor der Verband seine Apotheken habe in Kenntnis setzen können. Und dass die Meldung dann noch ohne Datum, ab wann die Masken in den Apotheken erhältlich sind, öffentlich gemacht wurde, sei "eine echte Kommunikationslücke" gewesen.

Richtig tragen

Unabhängig vom etwas holprigen Start der Verteilaktion weist Hubmann darauf hin, wie wichtig die FFP2-Masken für die Risikogruppen sind. Denn damit schütze man nicht nur andere (dazu dienen die Alltagsmasken), sondern auch sich selbst. "Damit werden mehr als 96 Prozent der Aerosole aus der Luft gefiltert." Wichtig sei aber, sie richtig zu tragen. "Sie sollte dicht abschließen und unter dem Kinn nützt die FFP2-Maske gar nichts", so Hubmann.

Und noch zwei dringende Appelle richtet der Apotheker an die Bevölkerung. Zum einen bittet er darum, dass nicht alle Berechtigten am Dienstag in die Apotheken stürmen, um ihre FFP2-Masken abzuholen. Die Apotheken seien nicht vom Lockdown betroffen und blieben weiterhin offen, es sei also genügend Zeit. "Es gibt genügend Masken, aber bitte kommen Sie nicht alle auf einmal", lautet sein Aufruf. Zum anderen appelliert Hubmann an die Solidarität der Menschen, wirklich nur die drei Masken pro Person für den Monat Dezember in Anspruch zu nehmen und nicht in verschiedenen Apotheken je drei Masken zu verlangen und sie damit "denen wegzunehmen, die sie wirklich brauchen". Der Apotheker-Verband sehe gegen einen möglichen Missbrauch eine Eigenerklärung vor, die der Kunde in der Apotheke unterschreiben muss.

Warum erst jetzt die Verteilung der Masken an die Risikogruppen startet, erklärt Emmi Zeulner (CSU), Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Kulmbach, so: "Für uns war immer klar, dass zuerst und vorrangig gewährleistet sein muss, dass wir ausreichend FPP2-Masken für unser medizinisches Personal haben. Diese brauchen in ihrer Arbeit den bestmöglichen Schutz." Die Unionsfraktion habe tatsächlich schon im April in einem Positionspapier ein Konzept zur Verteilung von FPP2-Masken für Risikogruppen gefordert. Bei der nun anstehenden Verteilung bittet die Abgeordnete alle um einen kühlen Kopf und Langmut.

Ab Januar gibt es Coupons von der Krankenkasse

Drei Masken pro Person gibt es im Dezember ganz unbürokratisch über die Apotheken. Ab Januar wird das Verfahren etwas geändert. Dann erhalten die Berechtigten von ihrer Krankenkasse Coupons, die sie dann wiederum in den Apotheken einlösen können. Für die Monate Januar bis April sollen dann noch einmal 12 FFP2-Masken pro Person kostenlos abgegeben werden - das entspricht drei pro Monat.

Warum "nur" drei, fragen manche. Bei den FFP2-Masken handelt es nicht um einen Einweg-Schutz, der bereits nach einmaligem, kurzem Tragen entsorgt werden muss, erläutert Apotheker Hans-Peter Hubmann. Die FFP2-Masken seien ursprünglich für die Arbeitswelt konzipiert worden für eine achtstündige Schicht in hochbelasteten Räumen mit zum Beispiel Farbpartikeln oder Kohlestaub. Trage man eine FFP2-Maske nur für einen Arztbesuch oder zum Einkaufen, könne man diese Art des Mund-Nasen-Schutzes bis zu einer Woche nutzen. "Die Risikopatienten sollten ja ohnenhin nicht stundenlang in der Stadt herumlaufen", so Hans-Peter Hubmann.