Der eiserne Vorhang ist schon lange gefallen. In den Köpfen so mancher Bürger steht aber noch immer eine Mauer, die unser Land aufteilt. Ihren Abriss forderte Stadt- und Kreisrat Simon Moritz (SPD) bei der Gedenkfeier zum Tag der deutschen Einheit vor dem Mahnmal an der Berliner Brücke. "29 Jahre nach dem Mauerfall sollten wir endlich damit aufhören, Unterschiede in unserer Gesellschaft vorrangig an Ost und West festzumachen - und gleichzeitig damit beginnen, die gewachsenen Mauern in unseren Lebenswelten wieder einzureißen", betonte Moritz, der für das Kreiskuratorium "Tag der Deutschen Einheit" sprach.

Gäste aus der Partnerstadt Saalfeld

Rund 50 Personen aus Kulmbach und der Partnerstadt Saalfeld lauschten seinen Ausführungen, in denen - ausgehend vom Dichter Heinrich Heine - die innere Einheit im Mittelpunkt stand. Der Schriftsteller hatte in seinem 1844 erschienenen satirischen Versepos "Deutschland: Ein Wintermärchen", die "Einheit im Denken und Sinnen" als "die wahrhaft ideelle" bezeichnet.

"Wir feiern heute 29 Jahre der Einheit als Ende der territorialen Teilung - aber können wir auch den Zustand unserer inneren Einheit feiern?", fragte Moritz.

Der Sozialdemokrat gelangte zu der Feststellung, dass die sichtbaren Mauern aus Stacheldraht und Todesstreifen längst beseitigt seien. Vorhanden seien aber nach wie vor Mauern zwischen unterschiedlichen Lebenswelten. "Zwischen Stadt und Land, online und offline, Alt und Jung und zwischen den Menschen, die mit der Schnelllebigkeit unserer heutigen Zeit scheinbar mühelos Schritt halten können und jenen, die sich hiervon überfordert und abgehängt fühlen."

Besserwisser und ewig Empörte

Diese gelte es zu beseitigen. Zugleich appellierte er an die Gesellschaft, sich nicht ständig von einer Minderheit aus Besserwissern und ewig Empörten vor sich hertreiben zu lassen. Denn nicht diese Menschen würden das wiedervereinigte Deutschland prägen. "Es sind die Millionen anderen, die sich ehrenamtlich engagieren, die im Beruf wie im Privaten vorangehen, die Mut, Entscheidungsfreiheit und Initiative zeigen und die Verantwortung für ihr Leben in erster Linie bei sich selbst suchen und nicht immer nur bei anderen", stellte Moritz unter dem Beifall der Zuhörer fest.

Wer so handle und dabei Respekt für seine Mitmenschen zeige, der trage zur inneren Einheit unseres Landes bei.

Freiheit nicht selbstverständlich

Stadt- und Kreisrat Thomas Nagel (FDP) rief den Zuhörern die grausamen Foltermethoden in Erinnerung, mit denen das Unrechtsregime der DDR Kritiker zum Verstummen bringen wollte. Damit verdeutlichte er aber auch, dass Freiheit für einen Menschen, der zufrieden und glücklich leben wolle, so selbstverständlich sein müsse wie das tägliche saubere Wasser.

Aus der Sicht eines jungen Menschen, der die Einheit nicht mehr miterlebt hat, sprach Stadtrat Torsten Grampp (CSU).

Wunde der Teilung verheilt

Gampp freute sich darüber, dass die Wunde der Teilung immer mehr verheile und sich die Menschen trotz aller Eigenheiten in den einzelnen Bundesländern als Teil eines geeinten deutschen Staates sehen würden. Als Bekenntnis zum deutschen Vaterland und zu Europa sangen die Teilnehmer die National- und die Europahymne.

Musikalisch begleitet wurde der Chor vom Trompetenensemble der städtischen Musikschule unter der Leitung von Harald Streit.

Landrat Klaus Peter Söllner und Bürgermeister Ralf Hartnack verneigten sich im Gedenken an die Opfer der deutschen Teilung vor einem Blumengruß am Mahnmal.