Dabei ist der Täter auch irgendwie ein Opfer. Im Zuge des Gerangels hatte der Angeklagte von einer ebenfalls beteiligten 26-Jährigen Frau einen so heftigen Schlag ins Gesicht bekommen, dass er selbst einen Nasenbeinbruch davon trug, der demnächst operiert werden muss.

Bei der Strafzumessung spielte das allerdings keine Rolle. Auch nicht, dass der Geschädigte gar nicht mehr wollte, dass der Angeklagte überhaupt verurteilt wird. In der Hauptverhandlung tat das Opfer jedenfalls alles, um den Schlag gegen ihn in ein mildes Licht zu rücken. Schon vorher hatte er seinen Strafantrag zurückziehen wollen. "Für mich war es eine Lächerlichkeit", sagte der 22-Jährige. Die ganze Sache sei aufgebauscht worden.
Fakt war aber auch, dass er damals Strafantrag gegen den 27-Jährigen gestellt hatte. "Ich möchte nicht, dass er bestraft wird", sagte das Opfer jetzt.
So einfach alles wieder zurücknehmen, das geht nicht, meinte Staatsanwältin Irena Scrag.


Acht Vorstrafen


Problem für den Angeklagten waren seine Vorstrafen, acht an der Zahl, meist wegen Gewaltdelikten, je einmal auch wegen Betrugs, wegen der Vortäuschung von Straftaten und sexuellen Missbrauchs. Sogar eine Gefängnisstrafe hatte der Angeklagte schon zu verbüßen. Da sei keine Einstellung mehr möglich, sagte die Staatsanwältin.

Der Beschuldigte selbst hatte alkoholbedingt keinerlei Erinnerung mehr an den Vorfall. "Wir waren alle ganz gut angetrunken", sagte er. Mittlerweile habe er aber ein ganz entspanntes Verhältnis zu seinem Opfer. Man habe sich längst ausgesprochen, zuletzt auf dem Gang vor dem Gerichtssaal.



Erheblicher Eigenschaden


Trotzdem forderte die Staatsanwältin eine Freiheitsstrafe von drei Monaten auf Bewährung wegen fahrlässiger Körperverletzung. Der Angeklagte habe zwar selbst auch einen erheblichen Eigenschaden erlitten, die zahlreichen, teilweise einschlägigen Vorstrafen seien aber zu Lasten des Mannes zu werten. Verteidiger Johannes Driendl aus Bayreuth setzte auf Freispruch und begründete seine Forderung mit der dünnen und wenig glaubhaften Aussage des Opfers. Darauf könne keine Verurteilung gestützt werden.

Richterin Sieglinde Tettmann entschloss sich schließlich wegen fahrlässiger Körperverletzung für die Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu jeweils zehn Euro , auch wenn es weder ein Geständnis, noch ein Bestreiten der Tat und auch kein Strafverfolgungsinteresse seitens des Opfers gebe. Sie sei trotzdem fest davon überzeugt, dass der Angeklagte zugeschlagen hat. Anlass sei eine ungeschickte Bemerkung des Opfers gewesen.