Die Sitzungen der Faschingsfreunde zählten stets zu den gesellschaftlichen Höhepunkten im Gemeindeleben von Neuenmarkt. Mehr lokalpolitisches Kabarett als Klamauk, wurden die Veranstaltungen ebenso erwartet wie von dem einen oder anderen gefürchtet. Doch nach 34 Jahren ist nun erst einmal Schluss. Faschingsmitinitiator Werner Reißaus erläutert die Hintergründe.

Warum gibt es in dieser Session keine Veranstaltungen der Faschingsfreunde?
Weil wir zum ersten Mal Schwierigkeiten haben, genügend Personen für die Sketche und Lieder zusammenzubekommen. Bei uns haben junge Leute mitgemacht, die inzwischen auswärts studieren und nicht mehr die Zeit haben. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Macher - und da nehme ich mich nicht aus - in die Jahre gekommen sind und eine Pause brauchen. Es wird aber wohl schwierig werden, den Fasching, der ja auf einem gewissen Niveau war, danach wieder zum Leben zu erwecken. Vielleicht spielt auch die Kommunalwahl vor zwei Jahren eine Rolle, die uns ein bisschen geteilt hat. Das ist eine schwierige Situation, weil man als Faschingsmacher neutral sein sollte. Das ist uns leider nicht ganz gelungen.

Es ist aber doch ein weitverbreitetes Problem, Leute für solche Aktivitäten zu gewinnen.
Das stimmt, diese Problematik gibt es fast überall. Eine Ausnahme bildet die Faschingsgesellschaft Stadtsteinach. Ein Riesenplus sind dort die Garden, in denen schon die Kinder tanzen. Mit den Kindern haben auch die Erwachsenen ihre Freude am Fasching.
In Neuenmarkt kommt heuer noch dazu, dass in der Gemeinde scheinbar nichts passiert ist. Es gibt auch keine richtigen Originale mehr, die man spielen kann. Aber genau davon lebt der Fasching.
Der Hauptpunkt bleibt jedoch, dass wir zu viele Absagen bekommen haben. Mit einem Kern von vier bis fünf Personen kann man keine Veranstaltungen auf die Füße stellen. Ich habe inzwischen schon Rückmeldungen von Leuten bekommen, die unsere Entscheidung bedauern und vorgeschlagen haben, ein kleineres Programm zu machen. Aber selbst dafür braucht man zehn Akteure. Natürlich hoffe ich, dass es weitergeht. Wir waren ja eine gewisse Marke.

Es ist also nicht das endgültige Aus für den Neuenmarkter Fasching?
Nein. Dafür machen wir alle die Sache viel zu gerne. Ich gehe von einer Zwangspause von einem Jahr aus. Vielleicht klemmt sich ja ein Verein mit dahinter. Ich habe immer versucht, vom Fußball-Club junge Leute zu holen. So was muss wachsen. Die Mitspieler sollten aus der Gegend stammen, man muss sie kennen. Wir hatten auch Leute aus Wirsberg in den Reihen, die haben sich hervorragend integriert.

Als Initiator und Obernarr waren Sie über Jahrzehnte das Gesicht des Neuenmarkter Faschings. Ihnen muss doch das Herz bluten.
Den Fasching habe ich damals mit Artur Fischer und Günther Zischka ins Leben gerufen. Die beiden sind mittlerweile verstorben. Wobei wir schon früher einmal an einem ähnlichen Punkt standen wie heute. Damals haben wir den Fasching Zischka zuliebe aber gemacht. Hinzugekommen ist, dass Peter Erber, der wahnsinnig viel hinter den Kulissen gearbeitet hat, aufgehört hat. Das mussten dann auch noch die Akteure übernehmen. Die Last des Bühnenbaus lag zum Schluss allein bei Siegfried Dörfler. Das kann man einfach niemandem zumuten.

Sie klingen trotz der schlechten Nachricht relativ gelassen.
Wenn mir das einer vor fünf Jahren gesagt hätte, hätte ich gedacht, das kann nicht sein. Aber das muss man akzeptieren. Inzwischen sehe ich das so: Ich habe den Rücken frei. Die Monate von November bis Januar waren für die Macher, neben mir Inge und Jürgen Peter, eine heiße Phase. Mal abwarten, wie es nun ohne unsere Veranstaltungen wird. Im Moment habe ich damit keine Probleme. Schwierig wird es wohl, wenn ich den ersten Fasching irgendwo sehe.

Was waren die Highlights in den 34 Jahren?
Die waren meist eng mit den Originalen im Gemeinderat verbunden. Unvergessen ist für mich der Papstbesuch des Landrats in Rom mit Alexander Hollweg als Oberhaupt der Kirche. Oder die Geschichte mit dem Stromausfall in Neuenmarkt, an dem mein Bruder beteiligt war. Das hat im Zusammenhang mit der Wärmeleitung einfach gepasst - das war ein Riesensketch. Oder die Nummern mit Max Königsdorfer, den Jürgen Peter immer so vortrefflich verkörpert hat. Für diese Session hatte ich einen Sketch geplant mit dem Landrat, der in Südafrika auf Safari geht. Vielleicht kommt die Nummer ja beim Böckschießen in Trebgast doch noch. Mal abwarten.

War es sehr schwer, immer Stoff für ein abendfüllendes Programm zusammenzubekommen?

Nein, nie. Im Gegenteil. Oft hatten wir zu viel Material und mussten aussortieren.

Und es ist Ihnen das Kunststück gelungen, nie Gags unter der Gürtellinie zu platzieren.
Wir haben eigentlich nie Schwierigkeiten gehabt. Nur einmal haben wir einen mit einem Lied verprellt.