Die "Interessensgemeinschaft für kommunale Trinkwasserversorgung" macht sich für den Erhalt kleiner Brunnen stark. Bei einem Informationsabend der Wählergemeinschaft Untersteinach zur Frage "Wasserversorgung Untersteinach am Scheideweg?" riet der Geologe Otto Heimbucher den Bürgern, sich einzumischen und die Studie des Ingenieurbüros anzufordern.

Fakt ist, dass die Wasserversorgung in Untersteinach neu geregelt werden muss, und zwar umfassend. Denn momentan "verliert" die Gemeinde jährlich 70 000 Kubikmeter Wasser, das ist etwa die gleiche Menge, die an die Bürger verkauft wird. Aus diesem Grund hatte Sven Müller vom Ingenieurbüro Baurconsult in Haßfurt den Gemeinderäte im März drei Lösungsmöglichkeiten erörtert.


Drei Lösungsansätze


Konkret geht es um die Frage, ob der 87 Meter tiefe Untersteinacher Brunnen, der 1962 gebaut und 2006 saniert wurde, erhalten werden soll und kann. Alternativ könnte das Wasser - wie im Moment - teilweise aus dem Brunnen und von der Fernwasserversorgung oder eben nur von der Fernwasserversorgung bezogen werden. Das Leitungsnetz müsse in jedem Fall erneuert werden, hieß es damals. Kosten: 1,9 Millionen Euro. Bürgermeister Volker Schmiechen (SPD) hatte in der März-Sitzung betont, dass vor so einer grundlegenden Entscheidung in jedem Fall eine Bürgerversammlung stattfinden müsse. Denn natürlich seien hohe Kosten zu erwarten, die auf die Bürger umgelegt werden müssen. Bis heute ist noch keine Entscheidung gefallen.

Jetzt lud die Wählergemeinschaft Untersteinach den Geologen Otto Heimbucher zu einem Informationsvortrag in die "Alte Post" ein. Heimbucher gehört der "Interessensgemeinschaft für kommunale Trinkwasserversorgung" an, die sich dafür stark macht, kleine und dezentrale Wasserversorgungsmöglichkeiten zu erhalten.

"Der Anschluss an die FWO ist vernünftig, weil dann eine Möglichkeit besteht, die Wasserversorgung aufrechtzuerhalten, wenn der Brunnen einmal ausfällt. Aber deshalb muss man den Brunnen nicht aufgeben. Die wasserrechtliche Nutzung geht bis 2042, auch das Wasserschutzgebiet ist in Ordnung. Der Brunnen ist nicht kaputt, er fördert in ausreichender Menge und die Qualität stimmt", so Heimbucher.


Eine "miserable Bilanz"


"Dass Untersteinach einen Verlust von hundert Prozent hat, ist eine ganz miserable Bilanz. Man muss den Verlusten nachgehen", so Heimbucher. Aus diesem Grund forderte er, die Leckagen in den Leitungen zu orten und eine Sanierung des Netzes in Angriff nehmen.

In einem zweiten Verfahrensschritt solle man dann erneut Bilanz ziehen und den Brunnen anschauen. "Ich bin überrascht, dass der Brunnen aufgegeben werden soll", sagte Heimbucher. Auch der Freistaat Bayern unterstütze die Aufrechterhaltung kleiner Versorgungsanlagen. "Die Verwaltungen tun dies nicht immer. Denn die Kontrolle eines großen Unternehmers ist einfacher", so Heimbucher. Und noch ein Argument brachte der Geologe vor: "Ein Oberflächenwasserspeicher wie die Ködeltalsperre ist immer ein Risiko. Das Wasser muss aufbereitet und desinfiziert werden."

Heimbucher riet den Untersteinachern, sich einzumischen und die Studie des Ingenieurbüros anzufordern. Auch regte er an, noch ein zweites Büro hinzuzuziehen. "Vielleicht könnte Untersteinach ja auch Wasser an die FWO verkaufen - Leitungen bieten immer die Möglichkeit, Wasser zu beziehen und Wasser abzugeben."

Im Zuge der Diskussion prangerte Bernhard Herrmann an, dass der Hochbehälter Kernshölzla überlaufe. Er habe sich wegen "rechtswidriger Ableitung von Trinkwasser aufgrund von ungeregelten Wasser-Überläufen am Untersteinacher Hochbehälter" bereits an das Landratsamt Kulmbach und das Wasserwirtschaftsamt Hof gewandt. Außerdem habe die WGU einen Fragenkatalog an die Verwaltung gesandt. Die Antworten stünden noch aus.


Keine höheren Zuschüsse


Gemeinderat Markus Weigel fragte nach, ob die Zuschüsse bei einem Anschluss an die Fernwasserversorgung höher ausfallen würden. "Nein, das ist nicht der Fall", sagte Heimbucher. Lothar Huber meinte, dass die Bürger bei einem Anschluss an die FWO sofort zur Kasse gebeten würden. Bei einer Instandsetzung müsste dagegen über Gebühren abgerechnet werden.

Helmut Bergmann, Vorsitzender der WGU, positionierte sich klar: "Wir wollen den Brunnen beibehalten, wir wollen nicht viel Geld für den Anschluss bezahlen."

Die Gemeinde Untersteinach wisse bereits seit 2009 weiß, dass es ein Wasserproblem gibt. Zudem existiere bereits seit langem ein Vertrag mit der Fernwasserversorgung. Außerdem würde die Ludwigschorgaster Bürgermeisterin Doris Leithner-Bisani (CSU) den Anschluss an die FWO "schönreden", sagte Bergmann.