Dreißig Radler an der Zahl quälten sich schwitzend den Krankenhausberg hoch. Die jüngsten waren gerade einmal im Teeniealter, die ältesten sind schon Rentner. Doch bei den Mitgliedern der Gruppe mit den roten T-Shirts handelt es sich nicht nur um begeisterte Sportler, sie eint vor allem ein gemeinsames Ziel.

Bernd Hilpert, einer der Mitorganisatoren der elften Radtour pro Organspende, hat auf seinem Trikot den Schriftzug "Bernd, die Niere" stehen. "Ich habe vor sechs Jahren und fünf Monaten eine Niere transplantiert bekommen. Vier Jahre lang hing ich an der Dialyse", erzählt er unumwunden. Hilpert hatte Glück, ein Spenderorgan zu finden und er hatte zudem Glück, dass sein Körper das Spenderorgan auf Anhieb akzeptiert hat.


Täglich sterben drei Wartende

"Ich bin Druckingenieur, lebe ganz normal, treibe Sport. Am liebsten fahre ich Rad", erklärt Bernd, die Niere. Seit fünf Jahren ist er bei der TransDia dabei, einer Gruppe, die seit 2007 regelmäßig solche Radtouren organisiert. "Unser Ziel ist es, die Menschen zu ermutigen, sich mit dem Thema Organspende zu beschäftigen, sich eine Meinung zu bilden und diese auf dem Organspenderausweis festzuhalten", erklärt Hilpert.

120 000 Organe wurden seit 1963 allein in Deutschland transplantiert. Siebzig Prozent der Transplantierten haben eine neue Niere bekommen. Doch noch immer sterben jeden Tag drei Menschen, die auf der Warteliste stehen, bestätigte der Transplantationsbeauftragte des Klinikums Kulmbach, Oberarzt Thomas Herbst.

Auch einige Radler warten noch auf ein neues Organ. "Wir müssen zur Dialyse", sagt Peter Kreilkamp eilig. "Ich gehöre zu denjenigen, die noch auf eine Niere warten. Wir sind in Deutschland wirklich gut versorgt mit Medizinern, was wir nicht haben, sind Organe, die man transplantieren kann."

Kreilkamp kennt die Vorbehalte der Menschen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Und viele vergessen dann einfach, sich einen Organspenderausweis ausstellen zu lasen. Das kann auch der 15-jährige Moritz Oldenburg bestätigen. Er radelt mit, weil sein Patenonkel an der Dialyse hängt.

Auch Peter Mayer (64) hat eine neue Niere. "Aber für mich gab es keinen Spender. Meine Frau hat mir eine neue Niere gegeben", sagt Mayer. Er ist stolz, dass er - trotz Dialyse - sein ganzes Leben lang voll erwerbstätig war. Er war Bauleiter.

Gleich doppelt Glück hatte Ulrich Pfandler. 57 Jahre alt, Pfarrer im Vorruhestand. Bei ihm sind Niere und Bauchspeicheldrüse aufgrund einer Autoimmunerkrankung ausgefallen. "Organspende ist auch aus kirchlicher Sicht in Ordnung", sagt Pfandler. Ebenfalls eine schwere Operation hat Grudrun Manuwald-Seemüller (68) hinter sich. Sie litt an chronisch-aggressiver Hepatitis C. "Jedes Jahr am 15. Oktober feiere ich meinen zweiten Geburtstag. Aber ich denke auch immer daran, dass dies für jemand anderen ein Todestag war", erklärt sie.


Spenden kann fast jeder

Menschen, die sich für eine Organspende entscheiden, können nicht nur ein Organ spenden, sondern sie können bis zu sieben anderen Menschen das Leben retten, wenn sie Herz. Lunge, Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm spenden. Und eigentlich kann jeder Spender werden - unabhängig von Alter und Geschlecht. Ausgenommen sind nur Menschen, die unter einer akuten Krebserkrankung leiden und HIV-Positive.

Um ein Herz oder eine Lunge zu transplantieren darf die Spanne zwischen Entnahme und Transplantation maximal vier bis sechs Stunden betragen. Bei Leber, Bauchspeicheldrüse kann die Zeitspanne bis zwölf Stunden liegen, bei der Niere sogar bis 24 Stunden.

Die Entnahme von Organen erfolgt übrigens in bestimmten Entnahmekrankenhäusern. "Aber wir wollen auch in Kliniken, die keine Transplantationszentren sind, für Organspenden werben",sagt Hilpert. Aus diesem Grund wurde auch Kulmbach in die Route aufgenommen.

Die Radtour führte in der ersten Etappe von Bayreuth nach Kulmbach, sie geht dann weiter nach Coburg, Haßfurt, Eibelstadt, Lohr, Grosswallstadt, Hanau bis nach Frankfurt.