Gespannt waren die Mitglieder der Naturbühne Trebgast bei der Jahreshauptversammlung vor allem auf den Tagesordnungspunkt "Präsentation des neuen Theaterprojekts". Vorsitzender Siegfried Küspert erläuterte die Vorgeschichte: "Mein Ziel ist es, die Bühne und den Verein in einem ordentlichen Zustand zu übergeben, und mit der Gewissheit, dass hier auf dem Wehlitzer Berg weiterhin auf hohem Niveau Theater gespielt wird", begann er seine Information über das Zustandekommen der Idee, ein neues Theater zu planen.

"Diese Bühne ist mein Lebensinhalt", fuhr er unter dem Beifall der Anwesenden fort. "Aber mit 75 Jahren muss es erlaubt sein, sich auch einmal Gedanken über einen Nachfolger zu machen." Obwohl er sich seit Jahren darum bemühe, sei bisher und auch in absehbarer Zeit leider keine Lösung in Sicht.

Die Nachricht, dass ein von Anja Dechant-Sundby und Sigurd Sundby geplantes Theaterprojekt in Kulmbach nicht zustande kam, war für Siegfried Küspert der Anlass, beide zu fragen, ob sie sich das hier in Trebgast vorstellen könnten. Beide konnten. Das war der Start für die Planung eines neuen Kulturzentrums in Oberfranken. "Das von uns angebotene Gelände auf unserem neuen Parkplatz ermöglicht es, in räumlicher Nähe zueinander im Sommer auf der Naturbühne weiterhin Outdoor- und im Winter im neuen Theater Indoor-Veranstaltungen stattfinden zu lassen", gab der Vorsitzende den Ball an Anja und ihren Ehemann Sigurd weiter.

Einzugsgebiet wird erweitert

"Theater, Theater, der Vorgang geht auf." Dieses Evergreen von Katja Ebstein galt zumindest für die Präsentation, wie sich Anja und Sigurd das neue Theater vorstellen. Und wenn alles nach ihren Planungen und Wünschen ablaufen sollte, könnte - sportlich betrachtet - im Winter 2023 die erste Premiere stattfinden. "Die Spielfreude des Naturbühnen-Ensembles ist ja bekanntermaßen einmalig. Das neue Theater gibt allen Mitgliedern die Möglichkeit, nicht nur wie bisher von Mai bis August Theater zu spielen, sondern das ganze Jahr hindurch", sieht Anja Dechant-Sundby neue Chancen für die Aktiven. Damit soll eine "spannende Theaterlandschaft" geschaffen und das bisherige Einzugsgebiet erweitert werden, "für Oberfranken, im Herzen Oberfrankens".

Naturbühne als Mit-Gesellschafter

Grundlage des gemeinsamen Projekts wird eine gemeinnützige GmbH. Die Naturbühne ist darin als Mit-Gesellschafter vertreten und verpachtet ihr Areal an die Gesellschaft. Ein wichtiger Punkt für die Mitglieder: Die Naturbühne wird als eigenständiger gemeinnütziger Verein weitergeführt. Da die künstlerische Tätigkeit durch die gGmbH organisiert wird, kann das ehrenamtliche Engagement im Verein spürbar entlastet werden.

"Wir freuen uns auf den gemeinsamen Weg mit der Naturbühne. Wir wissen, dass unser Vorhaben nur mit dem Verein funktionieren kann", warben Anja und Sigurd um Unterstützung für das angestrebte neue Kulturerlebnis am Wehlitzer Berg. "Wir gehören in die Kulturlandschaft Oberfrankens. Wir wollen eine neue, weiterhin erfolgreiche Einheit werden. Die Philosophie, der Geist unserer Naturbühne, soll in die gGmbH einfließen. Die wird ohne unsere bisher treuen Zuschauer nicht existieren können", bat auch Siegfried Küspert abschließend um Vertrauen für die neue Gesellschaft.

Theater mit mehr Möglichkeiten

"Wir brauchen weiterhin alle Schauspieler und Schauspielerinnen. Wir bleiben weiterhin die Naturbühne e. V. und wir spielen hier weiter Theater, und zwar mit mehr Möglichkeiten. Der Verein ist die Basis dieses Vorhabens", plädierte Michael Schlie für die neue gGmbH. Gedanklich hatte er da auch bereits das 70-jährige Jubiläum 2023 im Blick. Christine Kammerer hoffte nach der Präsentation, dass dadurch eine vielleicht da und dort noch vorhandene Skepsis ausgeräumt werden konnte.

"Das ist eine Riesengeschichte für Trebgast, den Landkreis und den Bezirk", beurteilte Landrat Klaus Peter Söllner den Plan. "Alle werden die Realisierung dieser Vision unterstützen." Bürgermeister Herwig Neumann ist überzeugt: "Mit dem neuen Theaterprojekt sendet Ihr jetzt ein Signal raus an ganz Oberfranken."