Das Impfzentrum im vierten Obergeschoss des "Fritz"-Hochhauses ist fertig eingerichtet, der letzte Teil der Ausstattung - Kühlschränke, Kanülen und Spritzen - kommt in diesen Tagen noch, und dann könnte rein theoretisch ab Ende dieser Woche geimpft werden. Das Team von Landratsamt und Gesundheitsamt steht in den Startlöchern und wartet nur noch auf die Zulassung des Impfstoffs. Sobald die vorliegt, kann der Kampf gegen das Corona-Virus beginnen. Und der wird in Kulmbach dort ausgetragen, wo früher die ATS-Boxer ihre Kämpfe geführt haben. Ein Impfzentrum mit Symbol-Charakter also, wie Hausherr Marteen Koorn von der Futura Vermögensverwaltungs GmbH bei der Vorstellung am Dienstag trefflich bemerkte.

Vier mobile Impfteams zusätzlich

In der ersten Stufe können sich zunächst Personen ab 80 Jahren sowie die Bewohner und Beschäftigten von Senioren- und Pflegeheimen impfen lassen. Dazu werden parallel zum Impfzentrum auch vier mobile Impfteams im ganzen Landkreis im Einsatz sein. Den Mitarbeitern des Klinikums Kulmbach wird die Impfung direkt im Klinikum angeboten, wo man die bereits vorhandenen Strukturen nutzen kann. Dies alles wurde bei einem Pressegespräch am Dienstag im Impfzentrum erläutert.

Den Aufbau des Impfzentrums hat Marcel Hocquel vom Sachgebiet öffentliche Sicherheit und Ordnung am Landratsamt organisiert, für die medizinische Umsetzung sind die Ärzte aus dem Landkreis verantwortlich.

Und so wird eine Impfung dort künftig ablaufen. Das Impfzentrum im vierten Stock des "Fritz"-Hochhauses erreicht man direkt über das vierte Parkdeck oder die Aufzüge. Am Eingang wird man von einem Sicherheitsdienst in Empfang genommen und unterzieht sich einer Temperatur-Messung. Ergibt diese einen Wert bis 37,5 Grad geht es weiter zur Anmeldung. Dort kann man entweder mit einem QR-Code einchecken (den man bei einer vorherigen Online-Anmeldung erhalten hat) oder (für alle, die keinen Internetzugang oder mobile Endgeräte haben) einen Anmeldebogen ausfüllen und erhält außerdem ein Aufklärungsblatt. Das kann man sich anschließend im Wartebereich durchlesen - alles selbstverständlich immer mit dem nötigen Abstand zu anderen - , bevor man von einem der täglich rund 15 Mitarbeiter des Impfzentrums zum Aufklärungsgespräch gebracht wird. Sieben Räume stehen dafür zur Verfügung. Die Aufklärung und ein kurzes Arzt-Patienten-Gespräch übernehmen Mediziner aus dem Landkreis. "Viele Hausärzte, Fachärzte und Klinikumsärzte haben sich bereit erklärt mitzuhelfen", so die Thurnauer Hausärztin Anja Tischer vom ärztlichen Kreisverband.

Das Impfen selbst ist eine schnelle Sache und kann im Kulmbacher Zentrum zeitgleich in vier verschiedenen Kabinen durchgeführt werden. Gelagert und gekühlt wird der Impfstoff in bundesweit rund 60 Verteilzentren, von wo er in die Impfzentren ausgeliefert wird, erklärte Gesundheitsamtsleiterin Camelia Fiedler. Drei bis fünf Tage nach der Auslieferung muss das Serum verimpft werden. 300 Impfungen pro Tag sind laut Oliver Hempfling, Leiter der Führungsgruppe Katastrophenschutz, geplant. "Wir stehen vor der größten Impfaktion der Neuzeit", sagte er und meinte, man werde Sorge dafür tragen, dass kein Tropfen vergeudet werde.

Nach dem Pieks wird empfohlen, sich noch 15 bis 20 Minuten in einem gesonderten Wartebereich aufzuhalten für den Fall, dass Komplikationen auftreten. Für dieses Szenario steht ein eigener Erste-Hilfe-Bereich zur Verfügung. "Wenn die Ruhezeit vorbei ist und die geimpfte Person sich gut fühlt, kann sie an der Abmeldung auschecken", erläuterte Marcel Hocquel. Dort erhält man noch die Erinnerung an den zweiten Impftermin, der nach circa drei Wochen ansteht und bereits bei der Anmeldung vereinbart wird. Die ganzen Laufwege im Impfzentrum sind als Einbahnsystem angelegt, um Begegnungen möglichst zu vermeiden. So sind auch Ein- und Ausgang getrennt. Zur Anmeldung für die Impfung wird es eine Hotline geben, die noch veröffentlicht wird.

Ein Wettlauf gegen die Zeit

Landrat Klaus Peter Söllner dankte den bis zu 40 Helfern von BRK und THW für den Aufbau des Zentrums und den Ärzten im Landkreis für ihre hohe Bereitschaft zur Mitarbeit. "Wir gehen als Landkreis ganz bewusst den Weg, die Ärzte vor Ort und das Klinikum einzubinden. Die Zusammenarbeit ist außerordentlich gut", so Söllner. Der Landrat appellierte ebenso wie Klinikum-Geschäftsführerin Brigitte Angermann an alle Bürger, sich impfen zu lassen, auch wenn keine Pflicht dazu bestehe. "Viele sehnen den Impfstoff herbei. Ich gehöre zu dieser Mehrheit und werde mich mit Sicherheit auch impfen lassen", sagte Söllner.

Der Mainleuser Hausarzt und Vorsitzende des ärztlichen Kreisverbands, Thomas Koch, wies auf den Ernst der Lage hin. Die Zahl von Infizierten und Toten sei noch nie so hoch gewesen und er erwarte noch eine Steigerung. "Die Impfung wird ein dramatischer Wettlauf gegen die Zeit."