Im Mittelpunkt steht ein Traum: Der Traum von einer friedlichen, gerechten Welt ohne Armut, Hass, Krieg und Gewalt. Die gebürtige Chilenin Isabel Lipthay und ihr deutscher Partner Martin Firgau träumen diesen Traum. Als Duo Contraviento erzählen sie in ihren Konzerten davon.

So auch am Samstag in der Kulmbacher Spitalkirche. Zwei Stunden lang präsentieren sie Lieder, Texte und Bilder auf eindrucksvolle Weise. Ein schöneres Geburtstagsgeschenk hätte sich der Kulmbacher Weltladen, der aus Anlass seines 25-jährigen Bestehens zu dem Konzert eingeladen hatte, selbst nicht machen können.

Hommage an Violeta Parra

Im Mittelpunkt des Programms stehen Lieder aus Südamerika, einfühlsam und mit aussagestarker Stimme vorgetragen von Isabel Lipthay, sensibel begleitet von Martin Firgau an der Gitarre und anderen Instrumenten. Viele davon widmen sie Violeta Parra, der chilenischen Sängerin, Songwriterin und bildenden Künstlerin. Fotos von ihren Werken, auf eine große Leinwand projiziert, bilden den Hintergrund. Mehrfach sind Lieder der jungen Kolumbianerin Marta Gómez zu hören, träumerisch und poetisch und voller Gefühl.

Isabel Lipthay, die mit mitreißendem Charme die Zuhörer durchs Programm führt und sie zum Mitklatschen und Mitsingen animiert, übersetzt viele der Liedtexte, präsentiert zudem Texte aus ihrer eigenen Feder.

Natürlich darf in einem Konzert mit lateinamerikanischer Musik eine nicht fehlen: die unvergleichliche Mercedes Sosa, die "Stimme Lateinamerikas". Auch hier erweisen sich die Musiker des Duo Contraviento als kongeniale Interpreten.

Isabel Lipthay ist 1983 nach Deutschland gekommen, geflohen vor dem Pinochet-Regime, dem in Chile Tausende zum Opfer gefallen sind. In der Erinnerung daran stellt sie nicht nur die literarische Frage nach ihren Wurzeln, sondern lenkt im Konzert in der Spitalkirche auch den Blick auf das Chile von heute: Ein Land, in dem wenige viel besitzen, viele aber viel zu wenig, in dem eine liberale Wirtschaftsordnung die Menschen an den Rand ihrer materiellen Existenz bringt. Diese Tatsache, so beklagen es die beiden Musiker aus Münster, gerate angesichts überbordender Nachrichten über Trump, den Brexit oder die Flüchtlinge aus Afrika und dem Nahen Osten bisweilen aus dem Focus der Medien. Welches elende Bild das Land stellenweise bietet, zeigen Fotos aus der Acatama-Wüste, die nicht mehr ganz neu, aber immer noch hoch aktuell sind.

Neben spanischen und portugiesischen Lieder gibt es welche auf Deutsch und auf Englisch. So zum Beispiel "Freedom Lost" (Die verlorene Freiheit) von Eric Bogle, dem schottisch-australischen Sänger und Friedensaktivisten. Er nimmt darin einen Text des Pfarrers Martin Niemöller auf, Pfarrer, KZ-Häftling und später einer der prominentesten Vertreter der deutschen Friedensbewegung.

"Für den Krieg nichts"

Gegen Ende noch einmal die musikalische Absage an Krieg und Gewalt: "Para la guerra nada - für den Krieg nichts!". Auch das aus der Feder von Marta Gómez. Auch hier animiert Isabel Lipthay die Zuhörer zum Mitsingen - "so laut, dass Trump es hört!".

Noch einmal artikulieren die beiden Musiker den Traum von der einen, friedlichen Welt: mit einer gefühlvollen Interpretation von John Lennons "Imagine".

Aber über aller Düsternis strahlt dann doch auch die Freude am Leben, die Dankbarkeit darüber, sehen, hören, lieben, lachen zu können, ausgedrückt in einer Melodie, die durch Mercedes Sosa, Joan Baez, Konstantin Wecker und viele andere weltweit bekannt geworden ist, und die dem Konzert in der Spitalkirche seinen Namen gegeben hat: "Gracias a la Vida". Danke an das Leben. Trotz allem.