In Kirchleus wohnt Dieter Fischer (71) schon seit mehr als 20 Jahren nicht mehr. Dennoch fühlt sich der gebürtige Kirchleuser bis heute seinem Heimatort verbunden. Jetzt hat er sogar eine Ortschronik der besonderen Art verfasst.

Wenn man von einem Schloss derer zu Guttenberg spricht, dann denken die meisten Menschen an die gleichnamige kleinste eigenständige Gemeinde des Landkreises Kulmbach. Nicht so Dieter Fischer. Der 71-Jährige erklärt sofort, dass das ehemalige Schloss der Freiherren von Guttenberg die Hausnummer 34 hat und heute noch in Kirchleus zu finden sei.


Elternhaus abgerissen


Es handelt sich um ein zweigeschossiges Gebäude mit Mansardenwalmdach, das aus dem Jahr 1740 stammt, die Nebengebäude sind erst im 18. und 19. Jahrhundert errichtet worden. "Ich kenne jeden Winkel in Kirchleus", lacht Dieter Fischer. Er kann auf Anhieb die Hausnummer der Familie Münch sagen: 48. Die Limmers haben die 42. Fischers Herz schlägt noch immer für seine alte Heimat. "Mein Elternhaus stand in Kirchleus, leider wurde es 1973 weggerissen. Ich bin dann in die Siedlung gezogen", erzählt er.

Schon damals hat er alles über seine Heimatgemeinde gesammelt. "Ich habe mein ganzes Leben lang fotografiert. Ich war überall dabei, habe die Vereinsgeschichten in Kirchleus verfolgt", sagt Fischer. Dann traf er eine andere Ex-Kirchleuserin: Inge Haase. "Sie war auch der Meinung, dass man all die alten Bilder anschauen und aufheben müsste. Und so habe ich dann angefangen, alle Fotots, die ich hatte, zu digitalisieren." Er hat die Aufnahmen eingescannt und sogar die Namen der Personen darauf in Erfahrung gebracht.

Drei Jahre lang war Fischer damit beschäftigt, alles zusammenzutragen und zu ordnen. Jetzt ist aus den einzelnen Fotos eine "Bilderchronik" entstanden - mit Text, mit Layout und allem drum und dran.
Am Freitag, 22. Dezember, kommt Band 1 von Fischers Erstlingswerk heraus. 26 Euro kostet er. "Band 2 ist auch fast fertig. Er soll dann Ostern erscheinen", sagt Fischer.


Ein schönes Dörfla


Dass er einmal ein Buch schreiben würde, habe er sich nicht träumen lassen. Denn Dieter Fischer ist Elektromeister. "Ich habe die Arbeit für meine alte Heimat gemacht, einfach so. Ich bin Kirchleus noch immer sehr verbunden. Denn es ist einfach ein schönes Dörfla", sagt er. Aus diesem Grund habe er die mehr als 5000 Stunden Zeit gerne geopfert. "Wenn ich die Bilder nicht beschrifte, dann geht doch das Wissen verloren."

Im ersten Band seiner Dorfchronik sind 1230 Bilder, im zweiten Band noch einmal 1470 enthalten. Jeder Band hat mehr als 270 Seiten, auf denen der 71-Jährige die gesamte Geschichte des Ortes aufzeigt.

Und Fischer hat Erstaunliches über den kleinen Kulmbacher Stadtteil herausgefunden. So hattte Kirchleus hatte einmal eine Brauerei. Und es gab ein Herrenhaus und bis 1969 sogar eine eigene Schule.

Dieter Fischer schlägt in seinem Buch die Brücke bis zur Gegenwart. Sogar das Milchhäusla der Familie Münch mit 24-Stunden-Service ist in der Bilderchronik abgebildet. Schließlich handelte es sich um die erste Milchtankstelle im Stadtgebiet von Kulmbach.


Hier gibt's die Chronik zu kaufen


Band 1 der Bilderchronik von Dieter Fischer erscheint am 22. Dezember. Ab 16 Uhr verkauft ihn der Autor und Fotograf in der Dorfhalle. Auch morgen ist Dieter Fischer noch einmal in der Dorfhalle. Am Tag vor Weihnachten verkauft er sein Buch ab 10 Uhr. Später ist die Bilderchronik bei Marianne Limmer, Kirchleus 42, erhältlich.