So, jetzt wissen wir also, wie unsere Bundesregierung die von der Coronakrise schwer getroffene Wirtschaft wieder in Gang bringen und gleichzeitig uns Verbrauchern unter die Arme greifen will. Das große Konjunkturpaket ist geschnürt. Wer es - vorsichtig - öffnet, findet darin 57 Segnungen, die uns allen helfen sollen, etwas sorgenfreier durch diese schwere Zeit zu kommen.

Das meiste habe ich verstanden, bei einem Punkt bin ich aber doch etwas ins Grübeln gekommen: bei der vorübergehenden Senkung der Mehrwertsteuer. Wie muss ich mir das vorstellen?

Was kostet die Schokolade?

Ein Beispiel: In einer Tafel Schokolade für brutto 99 Cent sind momentan - bei einem Satz von sieben Prozent - rund 6,5 Cent Mehrwertsteuer enthalten, bleibt ein Nettopreis von 92,5 Cent. Bei den beschlossenen fünf Prozent verringert sich dieser Anteil ab 1. Juli auf etwa 4,8 Cent. Heißt das nun, dass mich die Tafel dann brutto nur noch 97,3 Cent kostet? Oder streicht den Bonus der Verkäufer ein? Verdenken könnte man ihm das nicht, schließlich wäre ein Umetikettieren sämtlicher Preisschilder eine Wahnsinnsarbeit - stelle ich mir zumindest vor.

Bei größeren Anschaffungen sehe ich zunächst gar keinen Kaufanreiz - im Gegenteil. Wer wird sich denn in den nächsten vier Wochen etwas Teures leisten, wenn er weiß, dass er ab Juli deutlich weniger berappen muss? Ich bin gespannt, wie sich das alles entwickelt.

Teilprothese ist teurer

Vielleicht hat das Ganze ja sogar einen positiven Nebeneffekt. Vielleicht denkt unser Gesetzgeber ja mal über die teils aberwitzigen Kriterien nach, die momentan darüber entscheiden, welcher Steuersatz überhaupt angesetzt werden muss. Für Kuhmilch zum Beispiel gelten sieben Prozent, für laktosefreie Sojamilch 19; für ein Reitpferd sieben, für einen Goldfisch 19; für eine künstliche Hüfte sieben, für eine Teilprothese 19. Die Kuriositätenliste ist lang.