Es ist ein Traum, den sich die Leistungssportlerinnen des TSV 08 Kulmbach verwirklichen wollen. "Wir wollen eine eigene Halle", sagt Regionalliga-Turnerin Maxi Roßberg, die mit ihren Vereinskameradinnen bis dato in der Max-Hundt-Schule trainiert.

Auf- und Abbau kostet Kraft

Die dortige Turnhalle ist seit 1959 Heimstätte der Nullachter. In ihr tragen die Sportlerinnen im wahrsten Sinne des Wortes eine Tonnenlast. Training für Training müssen sie Barren auf- und abbauen, Bodenmatten und Sprungtisch aus dem Geräteraum holen und später wieder einräumen "Das alles fordert nicht nur einen enormen Kraftaufwand, sondern kostet uns auch viel Zeit", sagt Gerda Pirl, die Grande Dame des Turnsports in Kulmbach.

Freilufttraining

Seit dem Corona-Ausbruch steht die Turnhalle nicht mehr zur Verfügung. Freilufttraining ist angesagt - im Garten von Maxi Roßbergs Familie. "Mit Blick auf die kalte Jahreszeit hoffen wird, dass wir bald in die Halle zurückkehren können", sagt die 31-Jährige, macht aber deutlich, dass es nur ein Zwischenstopp sein soll. Denn die Nullachter wollen unabhängig sein, wollen ihre eigene Sportstätte. In der heutigen Sitzung des Stadtrats wird über einen Antrag beraten, der den Bau einer Fertighalle im Katzbachtal vorsieht - auf einem Teilbereich des Parkplatzes, der sich zwischen Hartplatz und Sportheim des TSV 08 befindet.

Maxi Roßberg investiert

Treibende Kraft des Projekts ist Maxi Roßberg, die auch bereit ist, eine stattliche Summe Geld aus eigener Tasche beizusteuern. Auf rund 500 000 Euro belaufen sich nach ersten groben Schätzungen die Baukosten, bei denen der TSV auf eine 47-prozentige Förderung durch den Bayerischen Leistungssportverband (BLSV) hoffen kann. Den Restbetrag will Maxi Roßberg dem Verein spenden.

700 QuadratmeterNutzfläche

700 Quadratmeter Nutzfläche hat die Halle, die in Aluminium-Leichtbauweise auf einer Betonbodenplatte errichtet werden soll, wie Architekt Johannes Müller vom Kulmbacher Büro H2M mitteilt. Sie wird "nur" mit einer kleinen Umkleide und einer Toilette ausgestattet, "weil wir ja auch das angrenzende Sportheim mit nutzen können", sagt Maxi Roßberg. Die Halle wird ihren Worten zufolge so ausgelegt, dass sie später einmal für Wettkämpfe genutzt werden kann. "Den dafür erforderlichen Schwingboden, der allein mit 50 000 Euro zu Buche schlägt, werden wir zunächst aber nicht anschaffen."

Attraktion für andere Vereine

Was sich die Leistungsturnerinnen, die viele Geräte aus der Max-Hundt-Turnhalle mitnehmen, auf jeden Fall leisten werden: eine Schnipselgrube, bei der man bei Übungen auf einem weichen Untergrund landet. "Da gibt es keine Verletzungsgefahr", sagt Maxi Roßberg, die der Überzeugung ist, dass die Grube auch andere Vereine anlocken würde. "Die Bamberger Turner fahren nach Hof, weil sich dort eine Grube befindet. Kulmbach wäre für sie näher."

Dass die 08-Sportlerfamilie mit dem Hallenbau auf einem Areal vereint wäre, freut den Hauptverein, wie stellvertretender Vorsitzender Kai von Avondt mitteilt. Für die Turnerinnen wäre das Eigenheim aus seiner Sicht ein großer Gewinn: "Sie könnten die Halle nutzen, ohne auf andere Rücksicht nehmen zu müssen."

Der Förderantrag wird über den BLSV-Kreisvorsitzenden Lothar Seyfferth eingereicht. Wie Seyfferth mitteilt, liegt der Zuschuss normalerweise bei 27 Prozent. Der TSV 08 könnte aber in den Genuss der Sonderförderung über 47 Prozent kommen, die derzeit den Vereinen im Landkreis gewährt werde.

Seyfferth begrüßt das Vorhaben des TSV, zumal er weiß, welche Beeinträchtigungen es für die Turnerinnen bis dato in der Schulturnhalle durch den Auf- und Abbau der Geräte gibt. "Ich habe auch allen Respekt vor Maxi Roßberg, die für die Verwirklichung ihres Traums sogar eigenes Geld in die Hand nehmen will", erklärt der BLSV-Sprecher, der deutlich macht, dass die Turnabteilung in der Region ihresgleichen sucht. "Die Riege turnt auf höchstem Niveau. Vielleicht schaffen die Nullachter ja den Sprung in die Dritte Bundesliga."

Den Aufstieg haben die Turnerinnen, die durch die Corona-Krise jäh ausgebremst wurden, im Visier. Die nächsten Wettkämpfe finden frühestens 2021 statt. Dann soll möglichst schon in der neuen Halle trainiert werden, sagt Maxi Roßberg, die die Pläne zeitnah realisieren will. Auch für die Turnmutter Gerda Pirl würde sich damit ein Traum verwirklichen. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich das noch erleben darf."