Für junge Leute sind die Chancen im Handwerk so gut wie nie zuvor. "Wir haben ein Riesenpotential", sagt Bernd Sauer, Geschäftsführer der Handwerkskammer für Oberfranken in Bayreuth. Weil aber auch die Handwerksbetriebe in der Region dringend Nachwuchs suchen, geht die Kammer mittlerweile gezielt auf Acht- und Neuntklässler an Mittel- und Realschulen zu, um sie über die Berufe des Handwerks zu informieren.

Heute war "Kulmbach-Tag" in Bayreuth, und die Verantwortlichen haben in erster Linie Schüler der Max-Hundt- und der Hans-Edelmann-Mittelschule sowie der Mittelschulen aus Mainleus und Neuenmarkt-Wirsberg eingeladen.

Julia aus Kulmbach möchte sich an diesem Tag vor allem die Bereiche Haustechnik und Gesundheit einmal näher anschauen. Vielleicht möchte sie aber auch Landtechnikerin werden, oder Land- und Baumaschinenmechatronikerin, so genau weiß sie das noch nicht. Was genau hinter den einzelnen Berufen steckt, das möchte sie an diesem Tag in Bayreuth erfahren.

Julia ist genau die Richtige für die Berufsmesse des Handwerks, bei der nicht nur Meister und Gesellen von Betrieben aus der Region den jungen Leuten die Berufe vorstellen, sondern auch viele Lehrlinge über das jeweilige Berufsbild berichten. Damit sollen vor allem Gespräche auf Augenhöhe möglich sein.


Keine MännerDomäne mehr

Über 130 verschiedene Ausbildungsberufe gibt es, sagt Bernd Sauer und spricht von einer unglaublichen Vielfalt, die das Handwerk zu bieten habe. Jeder Mensch sei praktisch von morgens bis abends mit dem Handwerk konfrontiert. Das beginne bei den Frühstücksbrötchen, die vom Bäcker kommen, und reicht bis zum Bett, das in der Regel ein Schreiner gebaut hat. Auch die Männerdomäne, die manche noch beim Begriff Handwerk im Kopf haben, gehöre längst der Vergangenheit an, so der Kulmbacher Kreishandwerksmeister Günther Stenglein. Früher sei beispielsweise vom Zimmermann die Rede gewesen, später vom Zimmerer und mittlerweile immer öfter auch von der Zimmerin.

Um die Jugendlichen in ihrer Sprache zu kontaktieren, hatte die Kammer eigens einen "Berufe-Checker" ermittelt, bei dem abgeklärt wird, ob der Betreffende lieber indoor oder outdoor arbeitet, ob er Singleplayer oder Multiplayer ist oder ob er lieber mit Menschen oder Maschinen arbeitet. Auch ein Lehrstellenradar gab es, das unter anderem anzeigt, wo die nächste freie Lehrstelle für einen bestimmten Beruf zu finden ist. Und natürlich hatte die Kammer ein Facebook-Team im Einsatz, das die Berufsmesse begleitete.

Die Frage nach dem richtigen Beruf könnten Schüler am besten beantworten, wenn sie die Berufe auch persönlich erleben, begründet HWK-Präsident Thomas Zimmer die Berufsmesse. Über 60 Innungen aus ganz Oberfranken, weit über 100 Schulen aus ganz Oberfranken mit zusammen 5000 Schülern haben sich in diesem Jahr an der Aktion an insgesamt vier Tagen in den Berufsbildungszentren der Kammer an der Kerschensteiner Straße beteiligt.


High-Tech in allen Sparten

Die Schülerinnen und Schüler sollten vor allem einmal selbst Hand anlegen und so feststellen, ob sie lieber sägen, bohren, hämmern, am Computer arbeiten, backen, schrauben oder mauern. Viele Jugendliche wüssten oft gar nicht, dass in nahezu allen Sparten mittlerweile auch mit High-Tech Geräten gearbeitet wird, so HWK- Hauptgeschäftsführer Thomas Koller.

Das Fach Berufsorientierung ist bei den 6. bis 8. Klassen inzwischen fester Bestandteil des Unterrichts. Das bedeutet, die Schüler hatten sich gezielt auf den Besuch der Berufsmesse vorbereitet. Sie hatten sich schon in der Schule die Berufsfelder ausgesucht, die sie besonders interessieren, und konnten diese dann live erleben.