Da hatte er allerdings nicht mit einem Ladendetektiv gerechnet. Jetzt musste sich der Azubi wegen Diebstahls vor dem Amtsgericht verantworten.

"Die Lautsprecher waren schon ausgepackt, da macht Gelegenheit eben Diebe", sagte der junge Mann nicht ohne eine gewisse Portion Selbstbewusstsein zu Richterin Sieglinde Tettmann. Ob er denn das Geld dafür gehabt hätte oder was sonst das Motiv für den Diebstahl gewesen sei, wollte die Richterin wissen: "Geld ja, vielleicht auf Geiz aber auf jeden Fall die günstige Gelegenheit", so der Angeklagte, dem die Richterin später fehlende Einsicht und Reue attestieren wird.


Detektiv im Zeugenstand


Der 25-jährige Ladendetektiv, der den Mann beobachtet hatte, sagte aus, dass der Angeklagte durchaus planvoll vorgegangen war. Er hatte die kleinen Lautsprecher an sich genommen und sei damit in eine Umkleidekabine gegangen.
Für ihn sei sofort klar gewesen, das müsse er jetzt genauer beobachten. Tatsächlich sei der Angeklagte dann ohne die Lautsprecher wieder herausgekommen. Als er ihn nach der Kasse gebeten habe, mit ins Büro zu kommen, habe der Angeklagte den Diebstahl sofort zugegeben. "Er hat sich anständig benommen", sagte der Detektiv. Lediglich die Vertragsstrafe, die gemeinhin als "Fangprämie bezeichnet wird, ist bis heute noch nicht bezahlt.

Ein Blick in das Vorstrafenregister des Angeklagten wies zwei Vorstrafen aus, eine Unfallflucht und einen Strafbefehl wegen Diebstahls. Damals habe der Mann bei einem Versandhaus gearbeitet und eine Spiegelreflexkamera mitgehen lassen. Obwohl das Urteil rechtskräftig ist, bestreitet der Angeklagte diese Tat bis heute. Er habe sich nur keinen Anwalt leisten können und deshalb die Verurteilung akzeptieren müssen, erklärte er vor Gericht. Eigentlich habe er damals einen Diebstahl aufdecken wollen.


Staatsanwalt spricht von planmäßigem Vorgehen


Staatsanwalt Matthias Eichelsdörfer beantragte eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu jeweils zehn Euro und wertete zum einen das planmäßige Vorgehen, zum anderen die einschlägige Vorstrafe zu Lasten des Angeklagten. Richterin Sieglinde Tettmann blieb mit 70 Tagessätzen zu jeweils zehn Euro geringfügig darunter.

Sie hielt dem Angeklagten zu Gute, dass er sich nach seiner Ergreifung ordentlich benommen hatte und dass die Verpackung tatsächlich schon aufgerissen war. Allerdings sagte die Richterin zum Angeklagten auch: "Eine richtige Einsicht vermisse ich, beim nächsten Mal ist ihnen eine Freiheitsstrafe sicher, auch wenn es nur um eine Tütensuppe für 29 Cent geht." Neben der noch ausstehenden Fangprämie muss der Angeklagte nun auch die Kosten des Verfahrens tragen.