Schön dicht soll er sein, gleichmäßig gewachsen und bitte nicht allzu zu breit. Uwe Witzgall weiß genau, was seine Kunden wollen. Und er tut sein Möglichstes, um diese Wünsche jedes Jahr aufs Neue wieder pünktlich zur Adventszeit zu erfüllen. Seit 2009 ist der 50-jährige Landwirt aus Petschen bei Vorderreuth Christbaumanbauer, mittlerweile sogar im Haupterwerb. Wie es dazu kam? "Im Oberland hat man immer mit Christbäumen zu tun", sagt er mit einem Augenzwinkern.

Für Uwe Witzgall sind seine Weihnachtsbäume das Hauptgeschäft. Seit er vor elf Jahren seine erste Kultur angelegt hat, hat er die Viehhaltung sukzessive zurückgefahren und inzwischen ganz aufgegeben. 2013 hat er den Weihnachtsbaum-Betrieb und einen Teil der Flächen von Waldemar Baumgärtner, der in Rente gegangen ist, übernommen. 30 Hektar Christbaumkulturen bewirtschaftet der 50-Jährige heute, das sind gut 42 Fußballfelder. Er beschäftigt das ganze Jahr über vier feste Hilfskräfte, und in Spitzenzeiten packt auch noch die Familie mit an.

80 Prozent Umsatz in vier Wochen

Doch auch wenn er 80 Prozent seines Jahreseinkommens in den vier Wochen vor Weihnachten macht, so halten ihn seine Baumplantagen doch das ganze Jahr über auf Trab. Im Frühjahr muss die Kultur als erstes nach dem Winter gereinigt werden, dann stehen Pflanzarbeiten, düngen, Pflanzenschutz ausbringen ("Nur das Nötigste") und Vogelschutz anbringen an den kleinen Trieben ("Die würden sonst abbrechen") an. Es folgen Korrekturschnitt und das Ausmähen der Pflanzreihen. Ab Ende Juli werden die Bäume, die entnommen werden, etikettiert, und im September/Oktober wird Schnittgrün für Gärtnereien gemacht, bevor es dann ab Mitte November ans eigentliche Schlagen der Weihnachtsbäume geht.

"Es gibt immer etwas zu tun", sagt Uwe Witzgall. Heuer sogar besonders viel, denn die Spätfröste im Mai haben bei allen Anbauern massive Schäden verursacht. Die Kälte kam von oben, viele Triebe und Spitzen sind erfroren, und die Bäume mussten entsprechend beschnitten werden. Ein weiteres Problem, mit dem die Plantagenbetreiber zu kämpfen haben, sind die trockenen Sommer. "Seit 2018 macht uns die Trockenheit zu schaffen, das bedeutet viel Ausfall bei den Jungpflanzen", so Witzgall.

Die bei den Kunden so beliebten Nordmanntannen stecken das besser weg, denn sie sind - im Gegensatz zu Blaufichten - Tiefwurzler. In Uwe Witzgalls Kulturen wachsen zu 85 Prozent Nordmanntannen, zu etwa zehn Prozent Nobilistannen ("Unser Aushängeschild") und auch einige Exoten wie die Korktanne, Colorado-Tanne oder Schwarzkiefer. Vom Pflanzen der Setzlinge bis zur Ernte der Weihnachtsbäume vergehen in der Regel acht bis zehn Jahre. Dann haben sie die gängige Größe von 1,50 bis 2,30 Metern und sind zum Schlagen reif.

Das war in den vergangenen Tagen und ist auch aktuell noch die Hauptbeschäftigung von Uwe Witzgall und seinen Mitarbeitern. Der Großhandel und die Verkaufsstellen für Endkunden, die er in ganz Oberfranken und auch Thüringen beliefert, warten auf frische Ware. Spätestens bis 4. Dezember sollen alle Verkaufsplätze (in Kulmbach beim Real-Markt und bei Samen Hühnlein) in Betrieb sein.

Selberschlagen immer beliebter

Und dann bietet Uwe Witzgall - wie so manch andere Christbaumanbauer auch - seit zwei Jahren am zweiten und dritten Adventswochenende Kunden die Möglichkeit zum Selberschlagen direkt in der Kultur. Ein Trend, der sich immer größerer Beliebtheit erfreut. "Die Leute fahren dafür zum Teil 50 Kilometer einfach", hat er festgestellt. Das Bewusstsein für den regionalen Anbau sei gewachsen. Die Käufer wollten wissen, woher ihr Weihnachtsbaum kommt, unter welchen Bedingungen er gewachsen ist. Der 50-Jährige hat damit kein Problem, "wir lassen uns gerne auf die Finger schauen".

Wenn er in diesen Tagen durch seine Christbaumkulturen geht und sich die Bäume anschaut, die nach dem feuchten Herbst mit prall gefüllten Nadeln voll im Saft stehen, weiß er, dass er einiges richtig gemacht hat. "Wir legen Wert auf gute Qualität, und das zahlt sich aus." Denn nicht nur seine Bäume, auch sein Betrieb ist in den letzten Jahren gewachsen .

Hier gibt es auch Weihnachtsbäume aus regionaler Erzeugung

Wer einen Weihnachtsbaum aus regionaler Erzeugung kaufen möchte, hat im Landkreis eine große Auswahl an Anbietern. Hier sind einige von ihnen: Kulmbach Markus Münch, Kirchleus 48, Telefon 09221/5579; Verkauf ab Hof und Bäume zum Selberschlagen Hans-Peter Gäbelein, Telefon 09221/81524; Verkauf an den vier Advents-Samstagen direkt bei der Kultur am Kroawäldla/Mangersreuth Presseck Siegfried Beyer, Kunreuth, Telefon 09222/264; Verkauf ab Hof Christbaum-Grass, Wahl, Telefon 09222/9516; Verkauf ab dem ersten Adventswochenende direkt ab Hof Frankenwaldtanne, Heinersreuth, Familie Schmidt, Telefon 09222/328; Verkauf ab Hof und Bäume zum Selberschlagen

Stadtsteinach Frank Schüßler, Vorderreuth, Telefon 09225/6269; Verkauf ab Hof am zweiten und dritten Adventssonntag Stefan Sesselmann, Schwand, Telefon 09223/1394; an den Wochenenden Verkauf ab Hof beim Eisbären-Stadel

Zwei Baumarten werden von 90 Prozent der Leute bevorzugt

Zumindest bei den Christbäumen gibt es auch im Corona-Jahr eine Konstante. "Der Preis ist seit acht Jahren gleich", berichtet Thomas Emslander, Vorsitzender des Vereins Bayerischer Christbaumanbauer, auf Nachfrage. "Wir sind schon froh in diesem Jahr, wenn die Kunden auf unsere Höfe kommen können." Die Christbaumanbauer sind jedenfalls zuversichtlich. Wegen der Corona-Pandemie und der stark eingeschränkten Reisetätigkeit erhofft sich nicht nur er, dass dann zuhause mehr Bäume aufgestellt werden.

Mit 18 bis 24 Euro pro Meter hat sich der Preis also nicht geändert. Das gilt wohlgemerkt für die mit Abstand beliebteste Art unter den Weihnachtsbäumen: die Nordmanntanne. 80 Prozent aller Käufer wollen genau diese Art von Baum. Er ist gleichmäßig im Wuchs, hat weiche, aber feste Nadeln in glänzendem Grün und hält wochenlang. Und er stachelt nicht.

Das wiederum kann man vom zweitbeliebtesten Christbaum nicht behaupten. Die Nadeln der Blaufichte - mit dem charakteristischen blauen Schimmer - stechen stark. Vom Wuchs her steht die Blaufichte mit ihren gleichmäßigen Zweig-Etagen allerdings dem Spitzenreiter in nichts nach. Und einen Vorteil besitzt sie darüber hinaus: Sie duftet herrlich nach Nadelwald, was man von der Nordmanntanne nicht behaupten kann. Dennoch kommt die Blaufichte gerade mal auf zehn Prozent Marktanteil, auch wenn sie vom Preis pro laufendem Meter mit 12 bis 15 Euro deutlich darunter liegt.

Die Anbauer suchen nach Alternativen, die die Nordmanntanne ablösen könnten. Das Ziel ist dabei klar: Wuchs und weiche Nadeln kombiniert mit einem Duft, den die Nordmanntanne nicht hat. Solche Neuerungen seien noch in der Selektionsphase. Rund 400 Anbauer gibt es in Bayern, jährlich werden im Freistaat etwa vier Millionen Christbäume verkauft. 80 Prozent davon sind von regionaler Herkunft.