Wer glaubt, Klaus Peter Söllner sei "nur" Landrat, der ist schief gewickelt. Wir haben recherchiert und seine wichtigsten Ämter und Funktionen aufgelistet. Und diese Liste ist lang (siehe hinten). Wenn wir uns nicht verzählt haben, umfasst sie 43 Positionen - vom Landrat bis zum Kreisvorsitzenden der Freien Wähler und vom Ratsmitglied der Metropolregion Nürnberg bis zum Vorstandsmitglied des Vereins zur Förderung der fränkischen Bratwurst. Unvorstellbar, wie ein einzelner Mensch so ein Pensum schaffen kann.

Aber für diesen Mann, der am Dienstag 60 wird, ist eine Sieben-Tage-Woche normal. Der gelernte Jurist setzt sich seit 1996 mit voller Kraft für "seinen" Landkreis ein. Und er ist beliebt wie kaum ein anderer Politiker. 96,4 Prozent Zustimmung bei der vierten Landratswahl - das spricht Bände.

Sein Erfolgsrezept: Er mag keinen Streit - höchstens mal eine Prise Schnupftabak. Dabei bekräftigt der Stadtsteinacher seine Sicht der Dinge gern mit einem gezischten "Verstisst!" und streicht sich den Schnauzer glatt.

Zum runden Geburtstag spüren wir dem Phänomen Söllner nach. Wir lassen Leute reden, die ihn gut kennen.


Der Familienmensch

Weil die Eltern früh gestorben sind, hat Franz Söllner eine enge Verbindung zu seinem älteren Bruder Klaus. "Er ist ein absoluter Familienmensch", sagt der Jüngere. Bei dessen beiden Kindern hat sich der Onkel hervorragend bewährt. "Er hat mit ihnen gespielt und sogar Zoff mit seiner Frau riskiert, weil er den Schrank ausgeräumt hat, damit sich die Kinder drin verstecken konnten." Allerdings sei es nicht immer leicht, den Bruder zu Gesicht zu bekommen: "Wir wohnen im selben Haus, aber man trifft ihn manchmal wochenlang nicht. Er kommt oft sehr spät nach Hause. Er braucht extrem wenig Schlaf."


Der Spaßmacher

In seinen wilden Jahren ist Söllner ein talentierter Spaßmacher - Comedian, würde man heute sagen - und Mitglied der grandiosen Hugo-Schneckerich-Show im Stanicher Fasching. "Er konnte Luis Trenker, Markus Wasmeier oder Harry Valerien imitieren. Da war er perfekt", sagt sein Kumpel Hans Hümmer. Wenn ein Sketch jedoch zu heftig ist, hat Söllner Skrupel: "Ihr sed doch verrückt, des könn mer net bringa, do mach ich net mit!" Als die Rundschau einmal titelt: "Hugo Schneckerich weit unter der Gürtellinie", bindet Söllner beim nächsten Auftritt seinen Gürtel einfach um die Knie. Damit die Späße drüber liegen. "Er hatte schon Entertainerqualitäten", meint Hümmer.


Der Politiker

Das Verdienst, den Kommunalpolitiker Söllner entdeckt zu haben, gebührt Wolfgang Hoderlein. "Ich war 1984 SPD-Bürgermeisterkandidat in Stadtsteinach und wollte eine gute Liste haben", so der ehemalige Chef der Bayern-SPD. "Wir brauchen nicht nur Parteibuch, sondern auch Qualität", habe er den Genossen klargemacht. Er will speziell einen parteilosen Kandidaten haben. Söllner ziert sich, doch Hoderlein nervt und ringt ihm in der Sauna die Zusage ab. Söllner zieht in den Stadtrat ein, aber Sozialdemokrat wird er nie. Er schließt sich 1990 der neu gegründeten Freien Bürgerliste (FBL) an. Es gelingt ihm, den stark kritisierten Bürgermeister Werner Döll (CSU) abzulösen. Hoderlein: "Mit Unterstützung der SPD in der Stichwahl." Und Söllner regiert bis 1996 im Stadtsteinacher Rathaus.


Der Freie Wähler

Söllner ist inzwischen bei den Freien Wählern in Bayern eine große Nummer. Deren Chef, Hubert Aiwanger, weiß, was er am Kulmbacher Landrat hat: "Unser Klaus Peter Söllner ist ein bodenständiges Original, auf das wir Freien Wähler stolz sind. Seine Bürgernähe und Unkompliziertheit machen ihn überparteilich zu einem idealen Landrat, der der Region guttut. Weiter so, lieber Klaus Peter, leben, arbeiten und feiern in der Genussregion Oberfranken!"


Der Beifahrer

Mehr Zeit als dessen Frau Ilse verbringt Uwe Stockhaus mit dem Landrat: Er ist seit 1999 Söllners Fahrer. Verschwiegenheit gehört zum Job. Trotzdem verrät er uns: "Der Landrat ist ein ruhiger und ausgeglichener Beifahrer. Er hat einen guten Orientierungssinn und merkt sofort, wenn ich verkehrt abgebogen bin." Und was wird im Auto gesprochen? Dafür habe man gar nicht so viel Zeit. "Dauernd klingelt das Telefon. Außerdem liest der Chef Akten und bereitet sich auf seine Termine vor." Wenn geredet wird, dann meistens über Sport. Stockhaus: "Er hat mich überzeugt, dass Fußball die Nummer eins ist." Hoch im Kurs stehen aber auch Skispringen und Biathlon.


Der Sportfan

Fußball, Tennis, Tischtennis, Radsport, Wintersport - Söllners Sportbegeisterung ist legendär. Zur Biathlon-Nationalmannschaft hat er sogar einen direkten Draht. Dank Martin Löchle. Bei einem Tennisturnier vor 20 Jahren in Südtirol treffen Vater und Sohn Löchle zufällig auf das Doppel Söllner/Hümmer. "Die Stadtsteinacher haben mit großem Ehrgeiz, aber immer fair gekämpft und uns besiegt", erinnert sich Löchle. Beim Bier danach wird der Allgäuer über Sport im Allgemeinen und Biathlon im Besonderen aufgeklärt. "Ich hab' mir Volkes Stimme angehört. Und wenn sie jünger gewesen wären, hätte ich sie zur Talentsichtung eingeladen. Sie waren ja noch drahtig", sagt Löchle, der sich damals nicht zu erkennen gibt. Anderntags merkt Söllner, wer sein Gegenüber war: der Teamchef der Biathlon-Nationalmannschaft. Beim Schriftzug "Team deutsche Ski-Nationalmannschaft" auf dem Auto hat's klick gemacht. Die Sportfreundschaft hält bis heute.



Söllners Ämter und Funktionen

• Landrat des Landkreises Kulmbach
• Kreisvorsitzender Bayerisches Rotes Kreuz
• Vorsitzender Bierland Oberfranken
• Ehrenvorsitzender Deutsches Dampflokomotivmuseum (DDM) Neuenmarkt
• Vorsitzender Energieagentur Nordbayern
• Vorsitzender Energieagentur Oberfranken
• stellvertretender Präsident Arbeitsgemeinschaft Euregio Egrensis
• Ratsmitglied Europäische Metropolregion Nürnberg
• Verwaltungsratsvorsitzender Förderverein Jugendheimstätte Fassoldshof
• Vorsitzender Frankenwaldverein Stadtsteinach
• Kreisvorsitzender Freie Wähler Kulmbach
• Vorstandsmitglied Freunde der Wallfahrtsbasilika Marienweiher
• Vorsitzender Genussregion Oberfranken
• Stiftungsvorstand Gräflich Giech'sche Spitalstiftung
• Vorsitzender LEADER-Aktionsgruppe Kulmbach
• stellvertretender Vorsitzender Naturpark Frankenwald
• Vorstandsmitglied Naturpark Fränkische Schweiz
• Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Oberfränkische Feldgeschworenenvereinigung
• Vorstandsmitglied Tourismusverband Franken
• Vorstandsmitglied Touristinformation Fichtelgebirge
• stellvertretender Vorsitzender Touristinformation Frankenwald
• Vorstandsmitglied Touristinformation Fränkische Schweiz
• Mitglied im Kuratorium Universität Bayreuth
• Vorstandsmitglied Bayerisches Brauerei- und Bäckereimuseum
• Vorstandsmitglied Verein zur Förderung der fränkischen Bratwurstkultur
• Vorstandsvorsitzender Wissenschaftszentrum Schloss Thurnau
• Verwaltungsrat Agentur für Arbeit Bayreuth
• Mitglied im Hauptausschuss des Bayerischen Landkreistags
• Mitglied im Ausschuss Finanz- und Sparkassenfragen des Landkreistags
• Aufsichtsratsvorsitzender Langheimer Amtshof GmbH
• Mitglied der Gesellschafterversammlung OVEG Schwandorf
• Verbandsrat Zweckverband Fernwasserversorgung Oberfranken (FWO)
• Vorsitzender Rechnungsprüfungsausschuss FWO
• stellvertretender Vorsitzender Regionaler Planungsverband Oberfranken-Ost
• Vorsitzender Trägerversammlung Jobcenter Kulmbach
• Vorsitzender/stellvertretender Vorsitzender Verwaltungsrat Sparkasse Kulmbach-Kronach
• Vorsitzender/stellvertretender Vorsitzender Zweckverband Deutsches Dampflokomotivmuseum Neuenmarkt
• stellvertretender Vorsitzender Zweckverband für Rettung und Feuerwehralarmierung Bayreuth (ZRF)
• Vorsitzender Zweckverband Klinikum Kulmbach
• stellvertretender Vorsitzender Zweckverband Müllbeseitigung Schwandorf (ZMS)
• Kuratoriumsmitglied Universität Bayreuth
• Verbandsrat Zweckverband Gesamtschule Hollfeld
• Vorsitzender Zweckverband Bauschuttdeponie Kirchleus