Rang 415. Der letzte Platz. Kulmbach ist das Schlusslicht bei der Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), was das Fahrradklima bei Städten zwischen 20 000 und 50 000 Einwohnern angeht. Das Thema ist nicht neu. Schon lange wird darüber diskutiert, wie Kulmbach fahrradfreundlicher werden kann. Im Juli 2019 hatte sogar eine große Bürgerwerkstatt dazu stattgefunden, in der über 200 Vorschläge zusammenkamen. Im November des gleichen Jahres wurde der Auftrag zur Erstellung eines Radverkehrskonzeptes beschlossen. Doch getan hat sich seitdem nicht viel. Warum geht beim Radwegebau in Kulmbach nichts voran?

Für Astrid Pfitzer, die Kulmbacher Ansprechpartnerin im ADFC, ist das ein Unding. "Da fragt man sich: Was ist denn in Kulmbach los?" Zumal das Ergebnis 2018 ähnlich schlecht war.

Das könnte man ändern

Vorschläge, kurzfristig etwas zu ändern, hätte sie: ein Überholverbot auf der Straße zum Freibad auch für Radfahrer - und Schrittgeschwindigkeit fahren. Die Verbindungsstraße von Kulmbach bis zum Kreisverkehr in Melkendorf und die Ortsdurchfahrt mit einem Tempolimit von 30 km/h hauptsächlich für Radfahrer und Fußgänger zur Verfügung zu stellen. Baustellenabsperrungen nicht einfach auf den Radweg zu stellen. "Aktuell ist das in der Pestalozzistraße so, dort besteht im Bereich der Baustelle eine enorm gefährliche Situation." Auch sei der Radweg im Bereich der ehemaligen Baustelle der Umgehung Untersteinach immer noch ein Provisorium im Gegensatz zur Bundesstraße, auf der der Autoverkehr brumme.

Sie beklagt, es sei schwierig für den radfahrenden Bürger, Informationen zu bekommen: "Wie geht es weiter? Was passiert aktuell im Bereich Radverkehr?"

Auskunft darüber geben kann Jonas Gleich, der Pressesprecher der Stadt Kulmbach, der das Ergebnis der ADFC-Umfrage "alles andere als erfreulich" bezeichnete. Er bestätigte, dass die Stadt derzeit dabei sei, ein umfassendes Radwegekonzept zu erstellen, in das nicht nur der Öffentliche Personennahverkehr, sondern auch zentrale Punkte wie Schulen und Einkaufsstätten mit einbezogen werden sollen. "Praktisch die ganze Stadt." Den Auftrag habe ein externes Büro erhalten, auf dessen Ausarbeitung man warte. "Das braucht ohnehin schon seine Zeit, aber durch Corona hat es sich bedauerlicherweise verzögert." Ende 2021/Anfang 2022, so seine Hoffnung, könnte etwas vorliegen.

Es ist aber nicht so, dass sich während dieser Zeit nichts tut. Jonas Gleich betont, dass wöchentlich Hinweise aus der Bevölkerung eingehen, beispielsweise auf Schäden an den Radwegen, denen man sofort nachgehe. "Was man an kleinen Sachen verbessern kann, das wird gemacht." Zugleich werde bei jeder straßenbaulichen Veränderung darauf geachtet, die Radfahrer zu berücksichtigen. Das sei beispielsweise bei der Straßenbaumaßnahme bei den Stadtwerken der Fall gewesen und auch beim Kreisverkehr am Klinikum vorgesehen. "Der Radweg soll bis Kauernburg weitergeführt werden."

Bei Verbesserungen am Bahnhof sind der Stadt allerdings die Hände gebunden. Die Forderung der Grünen, kleine Rampen an den Treppen anzubringen, habe man an das Bahnhofsmanagement in Bamberg weitergeleitet.

Auch der Landkreis arbeitet an der Erstellung eines Radverkehrskonzepts, wie Kreisbaumeister Andreas Schülein erklärt. Aber auch hier bremse Corona einen zügigen Fortschritt aus. "Wir wären schon gerne weiter."

Die Grundlagenermittlung sei abgeschlossen, eine Veranstaltung für die Bürgermeister im November dann allerdings ausgefallen. Zumindest werde die Planung in der nächsten Woche der Arbeitsgruppe Radwege in einer virtuellen Sitzung vorgestellt. Im nächsten Schritt würden dann alle Gemeinden, die Nachbarlandkreise, der ADFC und die Uni Bayreuth beteiligt.

Schwerpunkte seien unter anderem der Radweg von Schwarzach nach Danndorf (Gemeinde Mainleus) und eine vernünftige Radwegeanbindung des Oberlands. Das Konzept müsse aus fördertechnischen Gründen bis Ende des Jahres fertig sein. Dann liege es an den Kommunalpolitikern, zu entscheiden, was umgesetzt wird. Denn anders als bei der Stadt Kulmbach, in deren Hoheitsgebiet viele Radwege liegen, habe der Landkreis nur vier Kilometer Radwege zu betreuen. Der Rest sei Gemeindesache beziehungsweise Sache des Staatlichen Bauamts Bayreuth (Radwege an Bundes- und Staatsstraßen). Die Planungsbüros von Stadt und Landkreis, so betont Schülein, würden sich zudem untereinander abstimmen.

Für Bündnis 90/Die Grünen und deren Fraktionsvorsitzende Dagmar Keis-Lechner bestätigt der letzte Platz der Stadt im ADFC-Ranking die eigenen Beobachtungen: "Wir sollten endlich reagieren! Auf den Entwurf zum Radwegekonzept warten wir nun schon seit mehr als eineinhalb Jahren! Allerdings werden wir wohl noch weiter warten müssen, denn von der Stadtratsmehrheit und von der Verwaltung wurde in der Februarsitzung dafür plädiert, einzelne Bausteine des zu erarbeitenden Integrierten Stadtentwicklungskonzepts Isek nicht herauszulösen und einzeln zu erarbeiten. Und dazu zählt auch das Radwegekonzept. So erwarten wir kein brauchbares Ergebnis vor 2022/23."

Für eine erfolgreiche Verkehrswende im Sinne des Klimaschutzes brauche es definitiv mehr Radverkehr, so Keis-Lechner. "Und nicht zu vergessen: Wir wollen Universitätsstadt werden. Unsere studierten Stadtratskolleginnen wissen, dass keine Universitätsstadt ohne brauchbares Radwegenetz auskommt. Der letzte Platz im Ranking noch hinter Hof ist für uns nicht akzeptabel."

Die ADFC-Umfrage

Umfrageergebnis Bei der jüngsten Umfrage des ADFC zum Fahrradklima in Städten landete Kulmbach deutschlandweit mit einer Gesamtnote von 4,72 auf dem letzten Rang von 415 vergleichbaren Städten zwischen 20 000 und 50 000 Einwohnern.

Stellenwert mangelhaft Die Umfrageteilnehmer aus dem Landkreis Kulmbach - deren Zahl sich im Vergleich zur vorherigen Umfrage aus dem Jahr 2018 um etwa ein Drittel auf 129 erhöht hat - beurteilen den Stellenwert des Radverkehrs, den Komfort beim Radfahren und das Radverkehrsnetz jeweils als mangelhaft. Das gilt ebenso für die Fahrradförderung, die Falschparkverkehrskontrollen auf Radwegen, die Ampelschaltungen für Radfahrer und das Sicherheitsgefühl, die Breite der Radwege, die Führung an Baustellen, die Fahrradmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln, geöffnete Einbahnstraßen und das Vorhandensein öffentlicher Räder. Allein im Bereich der Fahrraddiebstähle erhält Kulmbach die Note "befriedigend".

Konzept Nach dem Fahrradklimatest 2018 hatte der damalige Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU) im Juli 2019 zu einer Bürgerwerkstatt "Radfahrverkehr in Kulmbach" eingeladen. Zahlreiche Radfahrer nahmen daran teil - rund 200 Vorschläge wurden gesammelt. Im November 2019 beschloss der Stadtrat, ein Radfahrkonzept zu beauftragen.