Dort oben, wo Sebastian Müller und Bastian Sandler arbeiten, sagen sich sonst Falke und Dohle gute Nacht. Auf dem Dach des 41 Meter hohen Wachturms - das ist der höchste Punkt der Plassenburg - weht ein rauer Wind. Dennoch ist es für die Zimmerleute der Firmen Stenglein und Eber eine ganz besondere Baustelle. "Wir sind hier am höchsten Punkt der Plassenburg", betont Müller, der keine Höhenangst kennt. "Wir helfen mit, dass das Kulmbacher Wahrzeichen Bestand hat."

Dass er und sein Kollege der Plassenburg aufs Dach steigen, hat einen Grund: Im hölzernen Innenleben des Turmhelms treffen die Zimmerer auf so unangenehme Gesellen wie den Eichenporling oder die Totenuhr. Ihnen hat das von Feuchtigkeit geschwächte alte Holz nicht viel entgegenzusetzen.

Laut Zimmerermeister Günther Stenglein ist das Ausmaß der Schäden am inneren Tragwerk zunächst nicht erkennbar gewesen, "sondern erst, als wir den Turm aufgemacht haben und reinschauen konnten". Regenwasser, das von außen eindringt, schädigt über Jahre die Eichenholzschwellen, die erste Balkenlage, Unterzüge und Sparren.

Holzwurm, den man fressen hört

Den Rest erledigen dann der genannte Eichenporling, ein Pilz, der sich breitgemacht hat, und der Holzwurm mit dem poetischen Namen. "Er heißt Totenuhr, weil man ihn fressen hört", sagt Müller, "es macht ticktack, ticktack ..."

Die Reparatur ist inzwischen nahezu abgeschlossen. "Wir haben einen Haufen Holz eingebaut", berichtet Sandler. Dabei achten die Zimmerer peinlich genau darauf, dass nur schadhafte Teile ausgewechselt werden. "Gesundgeschnitten", wie es in der Fachsprache heißt. Mit Hilfe von Schablonen wird neues Holz an die alten Sparren angeplattet.

Aus den zunächst angedachten vier Wochen Bauzeit auf dem Wachturm sind, so Stenglein, inzwischen vier Monate geworden. Aber: Ende in Sicht. "Wir bringen noch die Dachschalung an und machen dann die Baustelle wetterfest und sturm sicher." Mitte Januar soll das Dach wieder mit Biberschwanzziegeln gedeckt werden.

Auch beim zweiten Dachschaden auf der Plassenburg sieht es vielversprechend aus. An der Großen Kaserne arbeitet mit Matthias Arndt und Matthias Goßler ein zweiter Stenglein/Eber-Trupp, der es ebenfalls mit der Behebung von Feuchteschäden zu tun hat. Das Mansarddach und der Dachstuhl beim Mittelrisalit sind die Problemstellen. "Auch hier arbeiten wir mit den historischen Techniken, um Defizite zu beheben", erklärt Stenglein. So wird zum Beispiel am Sprengwerk mit seinen schrägen Holzstreben über dem Mittelrisalit nichts verändert, sondern nur schadhaftes durch gesundes Holz ausgetauscht.

Noch reichlich zu tun

Am Wachturm und an der Großen Kaserne sind bisher rund 90 000 Euro verbaut worden, die die Chefin des Schloss- und Gartenamts Bayreuth, Christine Maget, bezahlen muss. Sie geht davon aus, dass im Januar weitergearbeitet wird. Im Kasernenhof gibt es nach ihren Worten über der "Burgschänke" und am Kommandantenbau noch reichlich zu tun. Maget: "Nach der Schadenslage, die wir vorfinden, richten sich die Kosten und die Sanierungszeit. Auf der Agenda steht auch die Flohgrabenseite. Da wissen wir aber noch nicht, ob 2015 Mittel zur Verfügung stehen."


Baugeschichte


Historie Als einer der besten Kenner der Plassenburg und ihrer Geschichte gilt Kastellan Harald Stark, der seit 1994 der Hausherr des Kulmbacher Wahrzeichens ist. Er hat Wissenswertes zur Großen Kaserne und zum Wachturm zusammengetragen.

Große Kaserne Während der Belagerung im Bundesständischen Krieg 1553/54 hausten die zur Verteidigung der Plassenburg angeworbenen Landsknechte in Bretterbaracken oder in den Gewölben der Hohen Bastei. Erst im späten 17. und im 18. Jahrhundert, als man über ein stehendes Heer verfügte, wurden Kasernen und Garnisonsorte notwendig. 1716 entstand ein eingeschossiger Vorgängerbau der heutigen Großen Kaserne, die 1782 gebaut wurde. Im Giebel des Mittelrisalits erinnern die Initialen CFCAMZB an den Bauherren Christian Friedrich Carl Alexander Markgraf zu Brandenburg. Bis 1806 war der Giebel mit einem aus Stein gehauenen und vergoldeten Brandenburger Adler bekrönt, der von den bayerischen Besatzern zu Beginn des 19. Jahrhunderts zuerst geköpft und dann in den Kasernenhof geworfen wurde.

Wachturm Der mit 41 Metern höchste Turm der Plassenburg entstand im Zuge des Wiederaufbaus nach dem Bundesständischen Krieg. Er dient als Treppenhaus zur Erschließung der einzelnen Etagen des Nord- und Westflügels der Hochburg und bot Platz für die Wohnung des Turmwächters, der durch ständige Überwachung der Umgebung die Festung vor bösen Überraschungen zu schützen hatte. Er bewohnte die winzige Türmerswohnung samt seiner mitunter vielköpfigen Familie. 1722 wurde der Wachturm durch einen Blitzeinschlag schwer beschädigt. Die oberen Etagen mussten abgetragen werden, und der Turm erhielt im folgenden Jahr seine Zwiebelhaube, die noch heute die Silhouette der Plassenburg prägt.