Daniel Kaßel aus Windischenhaig ist 22 Jahre alt. Er studiert derzeit in Triesdorf Landwirtschaft. Und wenn er einen Wunsch frei hätte, dann würde er am liebsten die Landwirtschaft zu seinem Hauptberuf machen. Doch so einfach ist das nicht. "Das müsste sich viel ändern", sagt der 22-Jährige pragmatisch. Deshalb wird es wohl oder übel darauf hinauslaufen, dass Kaßel - wie schon sein Vater und sein Großvater - den heimischen Betrieb nur im Nebenerwerb führt.

Der Hof der Familie Kaßel in Windischenhaig ist 15 Hektar groß. Derzeit konzentriert sich die Familie auf Ackerbau. Auf den Feldern wachsen Wintergerste, Triticale, Winterweizen, aber auch Raps und Erbsen. Außerdem haben die Kaßels noch ein paar Hühner und Schafe. Doch das ist eher das Hobby von Opa Manfred. Wenn es um das Image der Bauern geht, dann muss sich schnell etwas ändern.
Das Plakat mit der plakativen Überschrift "Brötchengeber" weist darauf hin, dass es die heimischen Landwirte sind, die die Rohstoffe für die Brötchen liefern. "Wir produzieren in Deutschland zwischen vierzig und fünfzig Millionen Tonnen Getreide im Jahr. Die Hälfte davon ist Weizen. Und Weizen ist neben Roggen nun einmal der wichtigste Rohstoff für Brot", klärt Wilfried Löwinger, der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes auf. Doch die Getreidepreise sind längst im Keller. Aktuell liegen die Preise für einen Doppelzentner Weizen bei 13 bis 15 Euro. "Das Verhältnis passt nicht mehr. Die Spanne Erzeuger und Verkaufspreis wird immer größer, aber bei den Landwirten kommt nichts mehr an", klagt Löwinger.

Prekär ist die Lage auch für Milchbauern. Sie machen mit den Begriffen "Sahneschnitten" oder "Frauenversteher" an ihren Ställen auf ihr Anliegen aufmerksam und werben für hochwertige Milchprodukte. Doch der Preis fällt weiter. "In den letzten Wochen ist der Milchpreis, der schon im Keller war, noch einmal um 30 Prozent gesunken. Aktuell bekommt der Landwirt pro Liter Milch nur noch 20 bis 24 Cent", klagt Löwinger. Schuld an dem Preisverfall sind eine weltweite Überproduktion und die Preisschlacht der Märkte. "Es ist dringend ein Eingreifen der Politik gefordert, sonst droht uns ein immenser Strukturwandel", so Löwinger.

Auch Kreisbäuerin Beate Opel kann in das Klagelied mit einstimmen. Schließlich hat sie selbst 35 Milchkühe im Stall stehen. "Aber wir gehören nicht zu den großen, wir haben nicht investiert und wir müssen keine Investitionskosten abzahlen", sagt Opel. "Tatsächlich geraten die Bauern zunehmend unter Psychodruck."


"Den Menschen die Augen öffnen"

Der Preisverfall ist auch beim Fleisch angekommen. Derzeit bekommt der Landwirt für ein Kilo Rindfleisch gerade einmal 3,80 Euro. "Wir wollen mit unserer Imagekampagne, den Verbrauchern und den Menschen die Augen öffnen. Wir wollen allen zeigen, dass wir die Produkte und die Rohstoffe liefern und dass die Landwirtschaft so wichtig ist", sagt Löwinger. Und so stellt der Bauernverband Kälbchenmäster als Junior-Suite-Bereitsteller dar, Gemüsebauern als "Herzblätter" und Eierproduzenten als "Verpackungskünstler" dar. Überall prangen die pfiffigen Plakate und versuchen, das Image der Landwirtschaft aufzumöbeln. Ob dies gelingt, ist jedoch fraglich.