Dass Schweinefleisch - in welcher Form auch immer - nicht auf dem Speiseplan stehen würde, das war von vornherein klar. Dass aber ein fränkischer Kloß genauester Erläuterung bedarf, bis er genießbar wird, das hatten die ehrenamtlichen Helfer der BRK-Feldküche nicht erwartet. Seit 23. Februar kümmern sie sich im Auftrag des Landkreises um die Verpflegung von 50 Asylbewerbern, die im nahen Schülerwohnheim vorübergehend eine Bleibe gefunden haben.

Dass diese Aufgabe eine logistische Herausforderung darstellen würde, wollen Kreisbereitschaftsleiterin Stefanie Stübinger und die "Küchenchefs" Carolin Mähringer, Thomas Büttner und Alexander Nikol nicht gerade behaupten. Denn: "Eine richtige Feldküche macht für weniger als 200 Personen eigentlich keinen Sinn und ist nicht rentabel", erklärt Thomas Büttner und verweist darauf, dass die bei der BRK-Kolonne Kupferberg stationierte Feldküche eigentlich bei so genannten Großschadensereignissen zum Einsatz kommt. Die beiden Großbrände in Untersteinach bei den Schützen und auf einem Bauernhof waren solche Ereignisse.

Mit Lkw samt Anhänger

Und dann sind nicht nur die Kupferberger im Einsatz, sondern auch die Betreuungsbereitschaft Neuenmarkt-Wirsberg, wie Stefanie Stübinger ergänzt. Die benötigten Küchenutensilien werden in einem Lastwagen transportiert, die eigentliche Kochküche befindet sich in einem Anhänger. Außerdem haben die BRK-Köche zwei große Zelte und jede Menge Sitzgelegenheiten im Gepäck.

Für die Verpflegung der im Kulmbacher Schülerwohnheim untergebrachten Kosovo-Flüchtlinge hat das BRK den längerfristigen Kücheneinsatz etwas umorganisiert. Dort sind Stefanie Stübinger und Kai Ramming federführend zuständig - weil sie jederzeit greifbar sind. Bei anderen Ehrenamtlichen, die Berufe fernab des BRK ausüben, ist das nicht immer möglich. "Da muss der Arbeitgeber zustimmen", sagt Thomas Büttner.

Feldküche bleibt eingepackt

Und auch der Feldkücheneinsatz wurde umorganisiert: Statt Küche und Verpflegungszelt im Freien nutzen die Ehrenamtlichen die Küche und den Schulungsraum in der BRK-Zentrale. "Wasser kochen oder Essen bei Minusgraden, das macht keinen Sinn", sagt Carolin Mähringer.

Während das Frühstück und das Abendessen im BRK-Heim täglich von den BRK-Senioren um Dr. Hermann Hambach ("Die sind unermüdlich bei der Sache") ausgegeben werden, sind die BRK-Feldküchen-Köche zur Mittagszeit gefordert.

"So gegen 9.30 Uhr", sagt Alexander Nikol, beginnen im BRK-Haus die Vorbereitungen. Bis der letzte Topf gespült und aufgeräumt ist, wird es meist 15 Uhr.

Dass Schweinefleisch für die überwiegend muslimischen Flüchtlinge nicht auf dem Speiseplan auftauchen würde, war klar. Und auch die Nachfrage nach Allergien war bei ihrer Registrierung am 21. Februar in Kulmbach selbstverständlich. Aber ansonsten existieren für die Mahlzeiten keinen besonderen Vorgaben.

Der Wocheneinkauf

Eingekauft wird einmal pro Woche, die Zubereitung der Speisen erfolgt im Team. "Wir machen das gerne, das ist auch ein guter Langzeittest für uns", sagt Thomas Büttner. Und das umso mehr, als die "Küchenchefs" allesamt nicht nur ihr in einem Lehrgang erworbenes Wissen anwenden, sondern ihr großes Hobby pflegen können.

Eintöpfe, Geschnetzeltes mit Reis, Rindergulasch mit Nudeln, Gerichte mit Geflügelfleisch und andere typisch-deutsche Gerichte bereiten Carolin Mähringer, Thomas Büttner und Alexander Nikol zu.

Und treffen damit offenbar den Geschmack der Flüchtlinge. Fahri Berbati, der seit 45 Jahren in Deutschland lebt und sich als Dolmetscher um die Menschen aus dem Kosovo kümmert, bestätigt das. "Die Leute sind sehr positiv überrascht."

Keine Mahlzeit ohne Brot

Er war es auch, der den BRK-Küchenchefs einen wichtigen Tipp gegeben hat: Für die Asylbewerber gehört zum Essen - auch am Mittagstisch - Brot. "Ein Essen ohne Brot, das verstehen sie nicht", formuliert es Thomas Büttner. Was zunächst auch für den fränkischen Kloß galt. Fahri Berbati musste den Flüchtlingen erst einmal klar machen, dass es sich dabei um eine Kartoffelspeise handelt. Erst dann war das Gericht genießbar - aber trotzdem nicht für alle der Leckerbissen, den er im Fränkischen gemeinhin darstellt...