Schnelles Internet ist ein Standortfaktor, der für alle Kommunen wichtig ist. Nicht nur Gewerbetreibende legen Wert auf eine optimale Anbindung an die Datenautobahn. Auch Familien achten bei der Suche nach einer Wohnung oder einem Bauplatz darauf. Keine Frage also: Das ist für alle 22 Städte, Märkte und Gemeinden im Landkreis Kulmbach ein wichtiges Thema.

In einer Artikelserie beleuchten wir in den nächsten Wochen, wie weit man mit den Bemühungen bisher gekommen ist, wo es noch Defizite und wo es schon große Fortschritte gibt, welche Bandbreiten für welche Ansprüche benötigt werden und wie unsere digitale Zukunft aussehen könnte.

Die Provider im Landkreis Kulmbach, vor allem Telekom und Vodafone (mit ehemals Kabel Deutschland), bauen zügig ihre Netze aus, um entsprechende Dienstleistungen verkaufen zu können. Allerdings tun sie das in erster Linie dort, wo es für sie lukrativ ist - in dicht besiedelten Gebieten. Auf dem Land kommt der Ausbau langsamer voran, weil es sich dort für die Anbieter nicht lohnt.

Um trotzdem schnelles Internet für alle zu schaffen, springt die öffentliche Hand ein. Der Freistaat Bayern und auch der Bund fördern mit beträchtlichen Geldmitteln den Breitbandausbau in der Region. Ziel ist, alle Gemeinden auf einen ähnlichen Stand zu bringen. Profitiert haben von dieser staatlichen Unterstützung bei uns alle Kommunen - allerdings nicht alle in gleichem Maß.

Schaut man sich den Stand des Fortschritts auf dem Breitbandatlas des Bundesverkehrsministeriums an, steht der Landkreis auf den ersten Blick schlechter da als er tatsächlich aufgestellt ist. Der Grund: Die Aktualität der Daten hinkt der Wirklichkeit weit hinterher.

Deutlich aussagekräftiger ist eine Karte, die Michael Beck von der Wirtschaftsoffensive Kreis Kulmbach am Landratsamt erstellt hat und die den tatsächlichen Stand im Frühjahr 2020 dokumentiert. Demnach sind 99 Prozent des Landkreises mit mindestens 30 Mbit versorgt. Das entspricht 25 436 von 25 686 Haushalten. Die verbleibenden 250 Haushaltsanschlüsse erreichen diesen Mindeststandard noch nicht.

Wie viel sind 30 Mbit?

Was geht mit 30 Mbit? Ist das viel oder wenig? "Für einen normalen Haushalt mit einem Kind, reicht das, um sich vernünftig im Internet zu bewegen", sagt Siegbert Reuther, Chef von Reuther NetConsulting. Wer Filme und Musik streamen und Spiele aus dem Netz laden will, kommt mit 30 Mbit allerdings nicht weit.

Reuthers Büro berät und betreut mit Ausnahme von Himmelkron alle Gemeinden des Landkreises beim Breitband-Ausbau, leitet sie durch den Förderdschungel. Den echten Durchblick können da nur Experten haben.

Für den Spezialisten ist entscheidend, dass die Bevölkerung hinter dem Projekt Glasfaser steht. Er spricht von "digitalen Ortsstraßen" als der Infrastruktur von morgen. "Die brauchen wir, um vorbereitet auf das zu sein, was die fortschreitende Digitalisierung fordert. Viele andere Länder sind da längst weiter als wir, auch von der Denke her.

Gibt es noch weiße Flecken im Landkreis? "In den vergangenen Jahren wurde viel erreicht, sagt Siegbert Reuther. "Der Landkreis hat das sehr vorangetrieben. Wir hatten die Bürgermeister im Boot, sind komplett in die Fläche gegangen." Der Lohn: "Es gibt im Landkreis Kulmbach keine wirklich schlecht versorgten Bereiche mehr."

Das heißt natürlich nicht, dass alles in Butter ist: Probleme gebe es in Teilen von Presseck, wo die Telekom kein Angebot abgegeben habe. In den schlechter erschlossenen Gebieten stünden nur 10 bis 15 Mbit zur Verfügung. "Das ist eines der Schlusslichter, aber auf hohem Niveau."

Highspeed-Vorreiter ist Guttenberg: "Das ist unser Leuchtturm. Dort ist schon Glasfaser in jedem Haus."

Als die Breitbandförderung 2012 startete, sei klar gewesen, dass nur ein stufenweiser Ausbau in Frage kommt. Ein großer Wurf von Anfang an wäre weder technisch noch finanziell zu stemmen gewesen, sagt Siegbert Reuther: "Es ging vor allem darum, zunächst möglichst schnell flächendeckend eine Grundversorgung zu schaffen. Und das wurde auch erreicht." Eine Verbesserung von 1 oder 2 Mbit auf 30 Mbit sei ein spürbarer Erfolg. Ausreichend ist das für die Zukunft aber keinesfalls. "Langfristig brauchen wir überall Glasfaser."

Vorausschauend denken

Denn sobald neue Anwendungen gebraucht werden, neue Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der Netze gestellt werden, reichen die vorhandenen Kapazitäten schnell nicht mehr. Und es ist ja nicht so, dass man die dann benötigte Infrastruktur über Nacht schaffen kann." Reuther denkt da unter anderem an den Bereich Telemedizin, aber auch an dezentrale Arbeitsplätze mit Home-Office-Lösungen.

Für Nicht-Fachleute ist oft sehr schwer nachvollziehbar, warum der eine bekommt, was der andere doch mindestens genauso dringend braucht. "Das liegt an den jeweiligen Vorgaben der Förderprogramme. Heute sind Gebiete förderfähig, die wir vorher nicht machen durften, Damals erfüllten sie die geltenden Mindestanforderungen, heute tun sie das nicht mehr."