In den Fränkischen Jura führte heuer die Braugerstenrundfahrt des Oberfränkischen Braugerstenvereins. Die 61 Teilnehmer nahmen durchweg gute Bestände in Augenschein und stellten fest, dass die Sommergerste wieder im Kommen ist. Die Anbaufläche in Oberfranken ist gegenüber dem Vorjahr um 1234 Hektar oder 4,2 Prozent auf 30 428 Hektar gestiegen. Damit ist der Tiefpunkt von 2016 (29.194 Hektar) überschritten.

Der Vorsitzende des Braugerstenvereins, Erhard Hildner, und sein Stellvertreter, MdL Martin Schöffel, meinten: Die Rundfahrt habe einen ausgezeichneten Überblick geboten und schöne Bestände präsentiert. "Sommergerste passt in jeden Betrieb", sagte Schöffel.

Besichtigt wurden Gerstenbestände von Günther Kolb in Thurnau-Lochau, von Klaus Stadter in Heiligenstadt-Brunn und von Stefan Grasser in Königsfeld-Kotzendorf.


Hof ist führend

Die meiste Braugerste wird im Landkreis Hof mit 9321 Hektar angebaut. Dahinter rangieren: Wunsiedel (4983), Kulmbach (4579) und Bayreuth (4090). Insgesamt bauen in Oberfranken 3774 Bauern Sommergerste an.

Nach den Worten von Friedrich Ernst vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Bayreuth, nimmt die Sommergerste nach dem Winterweizen mit 35.000 Hektar und Mais mit 33.000 Hektar den 3. Platz der oberfränkischen Feldfrüchte ein. "Oberfranken ist nach wie vor der Regierungsbezirk mit der meisten Sommergerste und stellt etwa 31 Prozent der bayerischen Anbaufläche", so Ernst. Bayernweit sei eine Zunahme bei der Sommergerste von 7483 Hektar oder 8,2 Prozent auf nunmehr 98.900 Hektar zu verzeichnen.


Auch im Frankenwald und Fichtelgebirge hat alles gepasst

Nach dem insgesamt etwas kälteren Winter seien die Böden im März gut abgetrocknet, so dass die Aussaat problemlos möglich war, sagte Ernst. "Sogar im Frankenwald und Fichtelgebirge war die Gerste bis Anfang April im Boden." Der Experte errechnete bei Erträgen von zirka 50 Doppelzentner pro Hektar eine Brutto-Erntemenge von 150.000 Tonnen. Wenn 75 Prozent Braugerstenqualität haben, sei mit einem oberfränkischen Braugerstenaufkommen von 115.000 Tonnen zu rechnen.

Zusammenfassend stellte der Landwirtschaftsoberrat fest, dass die Braugerste in Oberfranken ihre Stellung wieder etwas gefestigt hat. Der Bedarf der hiesigen Mälzereien übersteige die oberfränkische Erzeugung aber bei weitem, und so könnten die Landwirte ihre Gerste auf kurzen Wegen vermarkten. Er sprach sich dafür aus, dass von den eingesparten Frachtkosten mindestens ein Teil beim Landwirt ankommt. Dem Wunsch nach längerfristig planbaren mehrjährigen Braugerstenverträgen stehe das eher kurzfristig angelegte Einkaufsverhalten vieler Brauereien gegenüber.

Aufgrund der unterschiedlichen Regenmengen erwartet der oberfränkische BBV-Präsident Hermann Greif durchschnittliche Erträge von 55 bis 60 Doppelzentner. Das Preisniveau werde im Bereich der Vorjahre liegen. 18 Euro für den Doppelzentner reichen nach seinen Worten jedoch nicht aus, damjt die einheimischen Landwirte ihre Kosten decken können.


Import: eine Million Tonnen

Greif bedauerte es, dass nur 60 Prozent des Bedarfs an Braugerste in Bayern erzeugt werden. "800 000 bis eine Million Tonnen Braugerste wird in Deutschland zu wenig produziert und muss eingeführt werden", erklärte Alexander Rosenberg von der Baywa AG.