Aber, lassen wir das. Hier soll ausnahmsweise nicht die Rede sein von Griechenland und von Flüchtlingen. Nicht einmal vom Münchner Oktoberfest, obwohl sich da schon einige Bemerkungen anbieten würden zu einer mittlerweile ziemlich absonderlichen Veranstaltung, die, völlig zu Unrecht, als das Fest der Feste gilt.

Im Ausland jedenfalls. Einheimische, wenn sie nicht tatsächlich oder wenigstens vermeintlich prominent sind oder einer eher durchgeknallten Party-Generation angehören, lassen sich dort kaum noch blicken. Also nur soviel: Dort hat der Bierpreis nun endgültig die Zehn-Euro-Grenze durchbrochen, und die Wirte führen immer noch ein Kunststück vor, das da heißt: Beim Draufzahlen reich werden.

Aber wir wollten das ja lassen und berufen uns deshalb nur auf Ministerpräsident Horst Seehofer. Der hat zu den Kapriolen der Zeitläufte den zusammenfassenden Satz gesagt. Der lautete diesmal nicht: "Bayern ist die Vorstufe zum Paradies." Sondern, viel geerdeter: "Die Welt ist aus den Fugen."

Wer wären wir, dass wie diese kundige Einschätzung des Ober-Bayern anzweifeln würden. Wir glauben allerdings nicht, dass er das Oktoberfest gemeint hat. Immerhin will er dort jedes Jahr hin, weil er halt hin muss.
Vielleicht wäre er ja lieber bei der Kulmbacher Bierwoche. Bei der verhält es sich umgekehrt: Wenn er erst einmal dort war, weil er ja vielleicht hin musste schon aus landesväterlicher Neigung zu den Traditionsfesten im Freistaat, dann will er immer wieder hin.

Jedenfalls kennt Horst Seehofer Kulmbach recht gut. Es also nicht anzunehmen, dass er sein "Die Welt ist aus den Fugen" bezogen hat auf diese Stadt.

Zumal er deren Chef, seinen Parteifreund Henry Schramm, auch recht gut kennt. Und: Die Kulmbacher Bierwoche wird er sowieso nicht gemeint haben, denn hier ist nichts aus den Fugen.

Aber, halt: Der Platz, auf dem der Bierstadl steht, ist aus den Fugen, samt der Tiefgarage darunter. Dies aber ist, im Wortsinne, ein untergeordnetes Problem, das nur noch seiner Lösung harrt. Die erfolgt nach der 67. Kulmbacher Bierwoche, so dass bei deren 68. Auflage gar nichts mehr aus den Fugen sein wird. Allerdings wird der Bierstadl dann um 90 Grad gedreht, und er steht also, aus heutiger Sicht, gewissermaßen quer.

Auch solches aber könnte Horst Seehofer nicht abhalten von einem Besuch der Kulmbacher Bierwoche, denn das Problem ist ihm nicht fremd: Die Neigung zu Drehungen und der Hang zu einer gewissen Sperrigkeit zählen zu den Vorwürfen, die die Opposition gern gegen ihn erhebt.

Für den Bierstadl allerdings wird die Drehung kein Problem darstellen. Das Bierfest hat schon ganz andere Verlagerungen bestens überstanden. Die weg vom Marktplatz zum Beispiel. Da beklagten die Dauerbewohner des kleinen und engen Zelts dessen Verlust nur so lange, bis sie die luftige Weite des Bierstadls schätzen lernten.
Also: Es empfiehlt sich, ab sofort, dringend der Besuch des Bierstadls. Nicht etwa, weil er noch in der gewohnten Richtung steht. Nein. Die Kulmbacher Bierwoche, längst aufgestiegen in die erste Reihe der Traditionsfeste, ist ein Genuss. Sie ist und bleibt die Heimstatt einer bierseligen und friedlichen Geselligkeit, die Gäste anzieht aus nah und fern. Sie ist der Hort der Beständigkeit schon insofern, als sich eines nicht ändert: Die angenehme, ja entspannte Stimmung im Stadl und in seinem Umfeld macht die Kulmbacher Bierwoche zum eigentlichen Fest der Feste. Deshalb gilt, und dies gerade heute: Ein Prosit auf die 66. Kulmbacher Bierwoche!