Krippenspiele gibt es wie Sand am Meer. Doch dieses, geschrieben vom Kulm bacher Rüdiger Baumann, ist ein Unikat. Es strömt keine Besinnlichkeit, sondern Heiterkeit aus. Und statt trauter Glückseligkeit herrscht hier mitunter das Chaos. Aus einem Krippenspiel hatte der Theaterautor kurzerhand ein "Grippenspiel" gemacht.
Bereits vergangenes Jahr grassierte kurz vor Weihnachten im Theater "Das Baumann" der Virus und steckte die Zuhörer mit Lachen an. Heuer wiederholt sich das Ganze noch einmal - allerdings mit vertauschten Rollen. Am vergangenen Samstag lachten 80 Besucher Tränen über das drollige Duo.

Etwas Neues fürs Publikum

Rüdiger Baumann mutiert vom Choleriker (Herr Berner) zum Lethargiker (Herr Krug), und bei Georg Mädl verhält es sich genau umgekehrt.
Was hat die beiden zum Rollentausch bewogen? "Wir wollen dem Publikum etwas Neues bieten, es überraschen - auch all jene Zuschauer, die das Stück noch nicht gesehen haben", erklärte Mädl und verrät, dass man im vergangenen Jahr die Rollen ausgelost habe.

Besteht nicht die Gefahr, bei einem Rollentausch einfach die Figur des anderen zu kopieren? "Das ist ja gerade die Herausforderung. Man erinnert sich nämlich noch sehr gut daran, was man selbst und der andere gemacht haben. Es ist keine leichte Aufgabe, sich davon zu lösen", erklärt der Schauspieler. Wie das gelingen kann, sagte er auch: "Indem man die Rolle neu zu entdecken und zu interpretieren versucht." Die Charaktereigenschaften eines Menschen entspringen nach seiner Ansicht unterschiedlichen Quellen. "Wenn jemand lahmarschig ist, dann kann Frustration der Auslöser sein, aber auch die Denkweise, dass die Dinge sowieso ihren gewohnten Gang gehen."

Sprung ins kalte Wasser

Beim "Grippenspiel" geht nichts seinen gewohnten Gang. Denn es machte seinem Namen alle Ehre: Ein Grippevirus legt eine ganze Schauspielertruppe lahm, die die heilige Geschichte aufführen will, und lässt zwei Herren, die mit der Schauspielerei bislang nicht viel am Hut hatten, kurzerhand aus der Not eine Tugend machen. Das gerät mitunter zum Sprung ins kalte Wasser, der - garniert mit allerhand urkomischen Slapstick-Einlagen und schrillen Kostümwechseln - die Lachmuskeln der Besucher ein ums andere Mal gehörig strapaziert.

Lässig und mit langsamem Gang schlüpft Rüdiger Baumann in die Rolle des immer wieder auf der Leitung stehenden, desillusionierten Vereinsmitgliedes. Herr Krug entpuppt sich als Meister der Entschleunigung, der um den heißen Brei herumredet. Verbal badet er in Nebensächlichkeiten und bringt den Praktikanten des Bischofs, Herrn Berner, gehörig auf die Palme. Ein schnaufender Atem, ein fluchender Ton, ein hastiger Gang und zittrige Hände machen aus Georg Mädel einen angsterfüllten, nervösen Choleriker. Am Ende sind beide geläutert: Baumann nimmt das Heft des Handelns in die Hand, und Mädl strahlt freudig fränkische Zuversicht aus: "Das werd scho."

Für all jene, die sich bereits im vergangenen Jahr an dem Stück erfreut haben, bietet sich die Gelegenheit zum Vergleich: Welche Rolle steht wem am besten?

Eher Stoffel als Wüterich

Für Lisesl Bürgel steht fest: "Der Stoffel, der über sich hinauswächst, ist Rüdiger Baumann viel besser auf den Leib geschrieben als der Wüterich. Bereits mit seiner Mimik, in der sich das Unbeholfene widerspiegelt, bringt er mich zum Lachen."