Mit dieser Weihnachtsüberraschung hat bei Raps keiner gerechnet. Für die Belegschaft war es wie ein Paukenschlag, was vor dem Fest per Aushang und E-Mail im Unternehmen verbreitet wurde: Geschäftsführerin Maria-Johanna Schaecher verlässt nach viereinhalb Jahren das Kulmbacher Gewürzwerk. "Auf eigenen Wunsch" und "im besten Einvernehmen", wie Unternehmenssprecher Sascha Thaens auf Anfrage erklärt.


Große Pläne

Vor eineinhalb Jahren gönnte sich Raps ein neues Firmenlogo. Es sollte signalisieren: Das Traditionsunternehmen, das weltweit zu den führenden Gewürzherstellern zählt, präsentiert sich modern und innovativ. Die Geschäftsführerin, die am Dienstag nicht zu erreichen war, hatte große Pläne. Man wollte weiter wachsen und neue Technologien einführen. Sie könne sich vorstellen, mit 1500 Mitarbeitern einen Umsatz von einer halben Milliarde Euro zu machen.

Ist die Hamburgerin, die zwischen ihrem Wohnort und Kulmbach pendelte, gescheitert? Nein, im Gegenteil, versichert Prokurist Thaens: "Frau Schaecher war sehr erfolgreich. Die Unternehmensziele, die vereinbart waren, wurden sogar früher erreicht."

Auch Gesellschafter und Beiratsvorsitzender Frank Kühne dankt Schaecher für "die in den vergangenen Jahren erzielten sehr guten Ergebnisse". Sie habe ihre Mission "hervorragend und vorzeitig erfüllt".


Wieder Gewinnzone erreicht

Unter anderem ging es bei der Verpflichtung der Diplom-Kauffrau und Diplom-Psychologin auch darum, Raps nach den roten Zahlen zu Beginn des Jahrzehnts wieder in die Gewinnzone zu führen. Was ihr offenbar gelungen ist. Für die Jahre 2013 bis 2015 wurde jeweils ein operativer Gewinn von elf Millionen Euro erzielt.

Und 2016? "Wir werden auch dieses Jahr unsere Ziele erreichen", versichert Thaens. Die Stabilisierung der Gewinnmarge "auf gutem Niveau" sowie die "erfolgreiche Repositionierung des Unternehmens" - wieder Platz 3 in der Branche in Europa - seien "wichtige Meilensteine" in Schaechers Zeit gewesen.


Nachfolger steht bereit

Nach den Worten des Unternehmenssprechers ist eine Trennung nichts Ungewöhnliches im Managementbereich. Die Zusammenarbeit sei auf fünf Jahre angelegt gewesen und nun eben ein halbes Jahr eher beendet. "Der Haussegen hängt nicht schief. Es muss sich auch keiner Sorgen machen", betont Thaenss. Ein Nachfolger stehe bereit und werde am 9. Januar vorgestellt. Raps werde "mit frischem Elan im neuen Jahr starten" und die nächsten Entwicklungsschritte einleiten.

"Wer auch immer kommt, kann sich auf eine motivierte und leistungsfähige Mannschaft freuen. Raps geht's gut, daher bin ich guter Dinge, dass es gut weitergeht", meint Geschäftsführer Michael Grundl von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Bayreuth.


Sparkurs nicht aufgegangen?

In Kreisen der Belegschaft wird allerdings spekuliert, dass wohl nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen war. Schaechers Sparkurs sei am Schluss nicht mehr aufgegangen. Personaleinsparungen beim Außendienst und bei den Fachberatern seien kontraproduktiv gewesen.


Über das Unternehmen

Gegründet 1924 in Hamburg durch den Apotheker Adalbert Raps. 1956 wurde der Hauptsitz nach Kulmbach verlegt.

Konzern Die Firma Raps ist eine weltweit agierende Unternehmensgruppe mit insgesamt 22 Tochterunternehmen.

Produkte Raps stellt hochwertige Gewürzmischungen und Zusatzstoffe für die Nahrungsmittelindustrie her; Jahresproduktion 40 000 Tonnen.

Vertrieb Raps-Produkte werden in 80 Länder geliefert.

Kunden Metzgerhandwerk, Gastronomie, Food-Services wie Kantinen oder Cateringfirmen, Lebensmittel- und Fleischwarenindustrie.

Mitarbeiter 900 weltweit, davon 570 in Kulmbach.

Jahresumsatz 180 Millionen Euro (geschätzt).

Gesellschafterstruktur Eigentümer des Unternehmens sind die Kulmbacher Familien Kühne (85 Prozent) und Pfeiffer (15 Prozent). Frank Kühne zog sich 2013 aus dem operativen Geschäft zurück und wechselte an die Spitze des Unternehmensbeirats.