Im Zuge des Awo-Skandals in mehreren Bundesländern richtete die "Frankenpost" ihren Fokus zuletzt auf den Kreisverband Kulmbach - und dabei taucht auch der Name Oskar Schmidt auf. Der heute 76-Jährige war 2014 von seiner Nachfolgerin an der Spitzes des Verbands, Inge Aures, mit der Projektleitung für den Um- und Neubau des Seniorenheims am Rasen beauftragt worden. Für die 40 Monate erhielt Schmidt brutto 135000 Euro. Die Zeitung spricht von einem "lukrativen Rentnerjob" - jedoch mit Pferdefuß für den Sozialverband, denn: Schmidt habe Bauleitplanung betrieben, obwohl dafür bereits Aures' Ehemann Hans-Hermann Drenske als Architekt bezahlt worden sei. Herr Schmidt, wann haben Sie davon erfahren, dass im Zuge der Vorwürfe gegen den Awo-Kreisverband wegen angeblicher Vetternwirtschaft und zugeschusterter Architektenaufträge Ihr Name fiel? Oskar Schmidt: Ich möchte vorwegschicken: Die "Frankenpost" hatte mit mir zu keinem Zeitpunkt Kontakt aufgenommen. Ich habe Kenntnis davon erhalten, dass es zu einer Berichterstattung kommen soll, aus der Awo-Geschäftsstelle. Man sagte mir, die Redaktion habe Anfragen an die Vorsitzende gestellt. Ich wusste nicht, dass es dabei auch um meine Beschäftigung für die Awo gehen soll. Können Sie kurz beschreiben, wie es zu Ihrer Beschäftigung kam? Es dreht sich um die Tätigkeit beim Großprojekt am Rasen. Genau. Inge Aures hatte mich damals angefragt, weil sie der Meinung war, die Neu- und Umbaumaßnahmen seien ohne weitere Hilfe nicht zu schaffen, was sich letztlich als zutreffend herausgestellt hat. Es ging darum, ein Seniorenheim mit 60 Bewohnern - bei laufendem Betrieb wohlgemerkt - umzubauen, einen Teil komplett abzureißen und einen anderen zu sanieren. Das alles gestaltete sich äußerst schwierig. Das war ein Mammutprojekt und des öfteren nervenaufreibend. Ohne die Mitarbeiter, die hervorragend trotz aller Erschwernisse mitgezogen haben, wäre das nicht zu stemmen gewesen. Was genau war Ihre Aufgabe? Meine Aufgabe war es, das ganze Vorhaben zu koordinieren. Ich möchte betonen, dass ich zu keiner Zeit Bauleistungen ausgeführt habe, die Aufgabe des Architekten gewesen wären. Es ging einzig und allein um die Awo als Auftraggeber und Bauherr, die mich als eine Art Projektleiter anstellte. Der Vorstand hatte das auch einstimmig bestätigt.

Daraufhin kam Inge Aures' Anfrage an mich. Wir beide haben einen Arbeitsvertrag geschlossen, wie es üblich ist bei der Arbeiterwohlfahrt. Es handelte sich um ein reguläres, befristetes Arbeitsverhältnis auf insgesamt 40 Monate. Über diesen Zeitraum ist besagtes Bruttogehalt von 135000 Euro gezahlt worden. Man kann also nicht von einer "Rentenleistung" sprechen, wie es in der Berichterstattung hieß, oder gar von doppelt verteilten Aufgaben? Nein, ganz und gar nicht. Der Vorstand war der Meinung, dass meine Kenntnisse und meine Erfahrungen auf diesem Gebiet mit einer Vielzahl von Bauten, die ich betreut habe, für den Kreisverband beim Projekt am Rasen von Nutzen sein können. Ist Ihnen gegenüber während des Bauprojekts oder danach aus Kreisen der Awo oder von Außenstehenden irgendwann mal Kritik an Ihrem Beschäftigungsverhältnis geäußert worden? Haben Revisoren oder externe Prüfer da etwas moniert? Nein, da ist zu mir nie etwas durchgedrungen. Ich habe ja lediglich an den Sitzungen teilgenommen, in denen es um die Baumaßnahme ging, und habe meine Bauausschuss-Sitzungen geführt. Alles andere entzieht sich meiner Kenntnis, ich war ja auch nicht mehr im Vorstand tätig und hatte auch nichts mehr mit Prüfern zu tun. Wobei ich sagen muss: Die Prüfer hatten meine Unterlagen, ich habe detailliert Buch geführt über meine Leistungen. Das wurde nie beanstandet. Können Sie sich vorstellen, warum jetzt - offenbar durch einen ehemaligen externen Prüfer - Zweifel an der Rechtmäßigkeit geäußert werden? Nein, das ist für mich unbegreiflich. Es ist nichts auch nur im Ansatz vorhanden, was irgendwie anrüchig sein könnte. Werden Sie darauf reagieren? Ich habe mich mit Inge Aures beraten, der Kreisvorstand lässt das Ganze jetzt entsprechend prüfen bei der nächst höheren Instanz, dem Bezirksverband der Awo. Dann werden wir sehen, was rauskommt. Inge Aures und ich haben uns nichts vorzuwerfen. Auch was frühere Vergaben unter meiner Führung und Verantwortung als Kreisgeschäftsführer und als Kreisvorsitzender, der ich bis 2014 war, angeht, kann ich sagen: Alles, was damals geprüft wurde, war ohne jegliche Beanstandung, nicht zuletzt auch von der Regierung von Oberfranken als oberster Aufsichtsbehörde. Behalten Sie sich rechtliche Schritte gegen die Redaktion vor? Das werde ich zu gegebener Zeit mit allen Verantwortlichen und Beteiligten der Awo besprechen. Die Vorwürfe lassen Sie in einem zweifelhaften Licht erscheinen - quasi als jemand, der am Ende seines Arbeitslebens nochmals kräftig die Hand aufgehalten habe. Genau das ist der Punkt, der mich ein Stück weit ehrlich verzweifeln lässt. Ich muss gestehen, dass mich diese Angelegenheit persönlich sehr trifft und mitnimmt. Wer mich kennt, der weiß, wie ich mich über 45 Jahre für die Awo eingesetzt und viel Herzblut investiert habe. Darauf bin ich ein Stück weit stolz. Und dann wird das alles auf einmal in den Dreck gezogen, wird in bösartiger Weise unterstellt und diffamiert. Ich finde, so darf man mit Menschen nicht umgehen. Haben Sie die Vorwürfe gegen andere Awo-Verbände in Hessen und Thüringen verfolgt? Ja, aber das sind ganz andere Hausnummern, und solche Vorgänge gehören natürlich aufgeklärt. Bei uns in Kulmbach würde ich die Hand für die Menschen im Vorstand ins Feuer legen. Bevor sich da jemand unerlaubt fünf Euro aus der Kasse nimmt, würde er fünf reintun. Allein den Vergleich zu ziehen mit womöglich kriminellen Handlungen in anderen Bundesländern, ist konstruiert und entbehrt jeder Grundlage.