"Ich rauche nicht untertags, nur weil ich manchmal unruhig bin", sagte der Angeklagte am Freitagvormittag am Amtsgericht. Ein Satz, den ihm Richterin Sieglinde Tettmann abnahm: "Man merkt es ja auch jetzt", sagte sie zu dem sichtbar aufgeregten 29-Jährigen aus dem östlichen Landkreis.

Ihm wurde vorgeworfen, dass er im Keller seiner Wohnung eigene Marihuana-Pflanzen gezüchtet hat, die von Beamten der Polizei Stadtsteinach schließlich entdeckt wurden. Außerdem soll er in mehreren Fällen, vier davon gab er vor Gericht zu, seinem Bruder Joints gegeben haben. Handel will er nicht betrieben haben "Ich habe nichts kassiert. Er hat höchstens was ins Sparschwein von seinem Patenkind gegeben."

Zu guter Letzt soll sich der Angeklagte, dessen Taten in den Jahren 2013 bis 2016 stattfanden, auch noch in 19 Fällen verschreibungspflichtige Tabletten von seinen Eltern habe geben lassen. "Es tut mir leid für die Umstände", sagte der reumütige Angeklagte, der wegen der Einfuhr von Drogen auch schon vorbestraft ist.


Für den Eigenverbrauch

Zur Erklärung seines für den Eigenverbrauch gedachten Anbaus sagte der 29-jährige Familienvater: "Ich habe einen grünen Daumen und wollte nicht zum Dealer gehen."

Staatsanwalt Roland Köhler sah den Tatvorwurf nach der Beweisaufnahme, zu der aufgrund des Geständnisses keine Zeugen benötigt wurden, als erwiesen an. Zu Gunsten des Angeklagten wertete er die verhältnismäßig geringe Menge der weitergegebenen Drogen und den Plan, diese vor allem für den Eigenverbrauch anzubauen. Außerdem habe es sich um "weiche Drogen" gehandelt.

Zu Lasten des Angeklagten erwähnte der Staatsanwalt, dass der Anbau sich über eine längere Zeit erstreckte und nicht ganz klein war. Außerdem bemängelte er, dass der Angeklagte mit dem Einfuhrvergehen auch im Nachhinein erneut straffällig wurde.

Er forderte insgesamt eine Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu je 35 Euro. 50 Tagessätze für den Anbau sowie je zehn für die Tabletten-Einnahme und die Marihuana-Weitergabe an den Bruder.


Verteidger ist einverstanden

Andreas Piel, der Verteidiger des Angeklagten, schloss sich den Forderungen des Staatsanwalts an. Richterin Sieglinde Tettmann setzte die Strafe geringfügig niedriger an und verurteilte den Angeklagten zu 70 Tagessätzen a 30 Euro. Ihren Richterspruch verband sie mit der Aufforderung an den 29-Jährigen, etwas gegen seinen Drogenkonsum zu tun. "Sie müssen zum Arzt gehen, sonst sitzen Sie bald wieder hier. Und beim nächsten Gramm sprechen wir von einer Freiheitsstrafe."

Das Urteil ist rechtskräftig, da beide Seiten erklärten, auf Berufung oder Revision zu verzichten.