Nach eigenen Angaben Hocks (Medienvertreter waren zur Mitgliederversammlung im Hotelgasthof "Gondel" in Altenkunstadt nicht eingeladen) erreichte der Kulmbacher gleich im ersten Wahlgang die notwendige absolute Mehrheit; von 26 Wahlberechtigten votierten demnach 60 Prozent für den Kreisvorsitzenden. Hock hatte zwei Gegenkandidaten: seinen Stellvertreter Markus Dossenbach (Bad Staffelstein) und Roland Wagner (Lichtenfels), als Beisitzer ebenfalls Mitglied im Kreisvorstand. Beide hatten im Vorfeld nicht angekündigt, ihren Hut in den Ring zu werfen.


Zweiter Anlauf

Zu seiner Kandidatur sagte der 66-jährige Kulmbacher: "Ich selber habe es länger erwogen, es aber dezidiert nicht zu hundert Prozent vorgehabt. Ich hatte mich aber natürlich entsprechend vorbereitet und freue mich über das Votum." Für den Betriebswirt und Unternehmensberater ist es nach 2103 die zweite Kandidatur um das Direktmandat im Wahlkreis 240 Kulmbach.

Seine Prognose für den Wahlausgang im Herbst? "Wir kennen die Kräfteverhältnisse im Wahlkreis. Ich würde sagen, ich will natürlich gewinnen, wenn ich schon antrete - aber wir wollen realistisch bleiben: Einen zweiten Platz hinter Emmi Zeulner von der CSU strebe ich schon an. In den verbleibenden neun Monaten kann viel passieren. Und die AfD ist eine Wahlkampf-Partei, die in der entscheidenden Phase nochmals zulegen kann." Bundesweit sieht Hock die AfD bei 20 Prozent. "In Umfragen traut sich nicht jeder sagen, dass er uns wählt. Ich erwarte daher mehr, als die Umfragen aussagen."

Warum aber hatte sich die Partei über Ort und Zeit der Versammlung in Schweigen gehüllt und die Nominierung letztlich hinter verschlossenen Türen stattfinden lassen? Hock: "Es ist ja bekannt, dass wir von den Medien - insbesondere der schreibenden Zunft - nicht besonders fair behandelt werden." Nicht zuletzt durch die wiederholte Berichterstattung unter anderem über die Außenwirkung des Kulmbacher AfD-Stammtischs in der ZDF-Sendung "Mona Lisa" sei bei den Mitgliedern "eine durchweg negative Empfindung" den Medien gegenüber zu spüren. "Es liegt ja nicht in meinem Ermessen zu sagen, die Presse kommt oder sie kommt nicht. Das ist bei uns eine demokratische Abstimmung der Mitglieder."


Absage-Grund: Mailprobleme

Für die Nominierung hatte der AfD-Kreisverband zwei Anläufe gebraucht. Über die Gründe, die zur Absage der ersten Veranstaltung vor vier Wochen führte, sagte Hock: "Bei der Aussendung der Einladungen hat mein Mailprogramm bei Nummer 50 einen Cut gemacht, eingeladen aber hätten 72 Mitglieder werden müssen, auch aus Bamberg. Diesen technischen Fehler teilt mir das Programm nicht mit, ich habe ihn aber bemerkt und den Termin abgesagt. Da steckte keinerlei Absicht oder was auch immer dahinter. Ich bin nicht so blöd, mir wissentlich 22 Gründe für Anfechtungen gegen ein Wahlergebnis einzuhandeln."

David Bendels, Ex-Mitglied der CSU, war im Vorfeld als möglicher Mitbewerber Hocks ins Gespräch gekommen, hatte aber selber Ambitionen auf eine eigene Kandidatur immer bestritten. Der Lichtenfelser kam schließlich gar nicht zur Versammlung, wie Georg Hock bekundete. Es habe aber im Vorfeld Kontakte gegeben, bestätigte er.
Bendels ist Vorsitzender des "Vereins zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten". Diese Institution versteht sich als Geldgeber für Parteien im Wahlkampf. Dem Nachrichtenmagazin "Focus" gegenüber sagte Bendels, man werde in den kommenden Landtagswahlkämpfen und vor der Bundestagswahl Parteien und Kandidaten "mit konservativem Profil" unterstützen. Und Bendels ergänzt: "Derzeit sehen wir die AfD als die einzig wirklich bürgerlich-konservative Kraft."

Bendels selber gehöre nach eigenen Angaben derzeit keiner Partei an. Den Verein verstehe er als überparteiliche Sammlungsbewegung, der sich ausschließlich durch Spenden finanziere. Die aktuelle Zahl der Unterstützer gibt Bendels mit 8000 an.