Selbst alteingessene Hegnabrunner können sich nicht daran erinnern, dass es in dem Neuenmarkter Ortsteil schon einmal so gewütet hat. Am Samstagabend sorgten sintflutartige Regenfälle für überflutete Gärten, Grundstücke und vollgelaufene Keller. Innerhalb weniger Minuten sollen über 60 Liter Regen auf den Quadratmeter gefallen sein.

Dietmar Neubauer lebt seit seiner Geburt 1964 in dem Haus Hegnabrunn 5. 1968, das weiß er noch, gab es schon einmal ein große Überschwemmung. Aber so etwas wie am Samstag hat er noch nicht erlebt. In seinem Keller stand das Wasser 75 Zentimeter hoch, im 2000 Quadratmeter großen Garten waren es 40 Zentimeter. Die beiden Gartenhäuser - eines davon erst im vergangenen Jahr gebaut - abgesoffen. Die Böden wird er wohl herausreißen müssen.

Auch sein kleiner Weiher mit den acht Kois wurde geflutet. Ob er die wertvollen Fische noch findet? "Ich bin dabei, den Teich sauber zu machen, vielleicht sind ja noch welche drin", hofft er. Rund fünf Stunden hat die Feuerwehr gebraucht, um sein Anwesen von den braunen Fluten zu befreien. Der Keller - ein Chaos. Ein Großteil der Pellets für die Heizung ist durchgeweicht und aufgequollen und nur noch für den Müll.

Dabei hatte Dietmar Neubauer noch Glück im Unglück. Hermann Kastner wird das Unwetter am Samstagabend wohl mit am härtesten getroffen haben. Der Keller seines Hauses in der Waldenburger Straße 4 stand bis zur Decke unter Wasser. Dort gleicht es am Sonntagmorgen, nachdem die Brühe verschwunden ist, einem Schlachtfeld.

Zur Zeit des Unwetters waren Kastner und seine Frau nicht zu Hause. "Wir waren in Kulmbach in der Pizzeria", erzählt er. Als das Ehepaar zurückfuhr, sah es schon am Berg ein Einsatzfahrzeug des technischen Hilfswerks. "Zuerst haben wir noch gedacht, hoffentlich ist es nicht so schlimm. Als wir dann aber gesehen haben, dass das Wasser bis zum Kelleraufgang gestanden war, haben wir gewusst, dass wir mit dem Schlimmsten rechnen müssen." Zu Recht.


Ganzes Büro vernichtet
Erst gegen 2 Uhr war sein Keller wieder begehbar, konnte er sehen, was die Fluten bei ihm angerichtet haben: eingedrückte Türen, herausgerissene Holzwände, bei den Kastners war nichts mehr da, wo es sein sollte. Das Wasser schwemmte die zwei Gefriertruhen, die drei Kühlschränke auf, vernichtete das gesamte Büro. Unterlagen, Versicherungspolicen, Ausweise, Fotos ("Eigentlich unser ganzes Leben") - alles verloren. Auch die Heizung ist kaputt. Den Schaden kann der 60-Jährige nur schätzen. "Bestimmt 100.000 Euro." Es wird wohl Wochen dauern, bis alles aus- und aufgeräumt und sauber ist.



So wie den beiden erging es am Samstag zahlreichen Menschen aus Hegnabrunn und Umgebung. Allein 65 unwetterbedingte Einsätze verzeichnete die Integrierte Leitstelle (ILS) in Hegnabrunn. In ihrem gesamten Zuständigkeitsbereich Bayreuth/Kulmbach waren es rund 150. Zumeist handelte es sich um vollgelaufene Keller und überspülte Straßen. Bis 3 Uhr war das meiste abgearbeitet und die Lage entspannt, erklärte Christopher Häfner von der ILS. Das Eremitagenfest in Bayreuth musste ebenso geräumt werden wie das Klangtherapie-Festival in Glashütten und ein Campingplatz in Waischenfeld, wo ein Jugendzeltlager stattfand.

Gegen 20.30 Uhr wurde Neuenmarkts Bürgermeister Siegfried Decker über das katastrophale Unwetter in Hegnabrunn informiert. Trotz eines Großaufgebots an Feuerwehren, dem THW und dem BRK hätten sich größere Schäden nicht vermeiden lassen, bedauerte der Bürgermeister. Um 8 Uhr am Sonntag habe eine Schadensbesprechung mit allen Einsatzkräften stattgefunden. 15 Wehren waren mit 230 Kräften ausgerückt, darunter natürlich die Truppen aus Hegnabrunn, Neuenmarkt, See und Schlömen. Sogar der Kommandant der Neuenmarkter Wehr, Harald Fischer, war vom Unwetter betroffen - auch in seinem Keller stand Wasser.

In der Einsatzzentrale im Feuerwehrhaus in Hegnabrunn gingen innerhalb kürzester Zeit die 65 Notrufe ein, was die Koordination der Einsätze zu einer Herausforderung machte. Es gab Decker zufolge sogar einige wenige Fälle, wo Türen von betroffenen Anwesen aufgebrochen werden mussten, weil die Besitzer nicht daheim waren. Sein Dank gilt den Helfern, "ohne deren Einsatz es noch dramatischer und gravierender ausgegangen wäre".
Das sieht auch Kreisbrandrat Stefan Härtlein so. "Das war schon der Wahnsinn", sagte er. Er befürchtet, dass man mit solchem Starkregen wohl immer wieder rechnen muss. Erst im vergangenen Jahr habe es am 20. Juni im Raum Kulmbach, Mainleus, Trebgast gewütet.

Gestern Nachmittag kam es zu einem weiteren Einsatz. Beim Ausräumen des überfluteten Kellers in der Königsberger Straße 2 in Hegnabrunn verspürten neun Personen Atemwegsreizungen und riefen den Rettungsdienst. Wie sich herausstellte, hatte das Unwetter den Keller des Hauses überflutet und die Öltanks der Heizung zum Aufschwimmen gebracht, wodurch die Leitungen brachen.

Die Bewohner des Hauses und weitere Helfer waren beim Räumen des Kellers über Stunden den Heizöldämpfen ausgesetzt, was schließlich zu den Atembeschwerden führte. Das Öl soll heute durch eine Fachfirma abgesaugt werden.