Die Abbrucharbeiten an der 1959 und 1960 errichteten ehemaligen Schule in Hesselbach laufen. Das Gebäude wird im Zuge der Förderoffensive Nordostbayern gänzlich abgerissen und ein neues Dorfgemeinschaftshaus errichtet.

"Ich bedauere schon etwas den vom Amt für ländliche Entwicklung (ALE) geforderten totalen Abbruch der Schule. Man sollte neutraler mit den Hinterlassenschaften der ersten Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg umgehen, die durchaus ihre Qualitäten haben und Ausdruck ihrer Entstehungszeit sind", prangert Kreisheimatpfleger Robert Wachter an. Das Gebäude sei baulich in einem verhältnismäßig guten Zustand und fast vollständig genutzt gewesen, weswegen er die Entscheidung schon im Sinne von Nachhaltigkeit und Ressourcen-Schonung nicht nachvollziehen könne. Da der Abbruch beschlossene Sache sei, habe er gehofft, wenigstens die darin befindlichen Kunstwerke - eine Marienskulptur und ein Wandgemälde - retten und im neuen Gebäude integrieren zu können.

Die Maria, dargestellt als Schutzheilige der Schulkinder, steht gleich rechts des Hauptportals in der Eingangshalle. Gefertigt wurde die Skulptur 1964 vom bekannten Bamberger Bildhauer Hermann Leitherer (1919 - 1991), der im gesamten Erzbistum Bamberg sakrale Kunstwerke geschaffen hat. Die Schutzmantelmadonna - klassisch mit blauem Mantel und rotem Kleid - beschütze mit ihrem Mantel zwei Schulkinder.

Das auf einer Größe von fünf mal 1,20 Meter langgestreckte "Tierwelten"-Wandgemälde befindet sich an der Ostwand der Eingangshalle im Erdgeschoss. Geschaffen wurde dies vom ebenfalls namhaften Lichtenfelser Künstler Hubert Weber (1920 - 2013) im Jahr 1960. "Es handelt sich dabei um eine Art aufgespachtelte Dispersionsfarbe", so Wachter. Ein spezielles System erkenne er nicht. Die Tiere sind bunt gemischt - von der Schnecke, dem Hasen und dem Schwein über die Gans, den Hahn und den Hund bis hin zu den Vögeln, der Antilope und Giraffe. Links ist eine Sonne zu sehen, rechts der Mond; daneben wohl auch eine Eule als Nachtvogel. Dieses "Tag und Nacht"-Thema war beispielsweise auch bei der ebenfalls von Weber geschaffenen "Kunst am Bau" im Treppenhaus des mittlerweile abgerissenen, ehemaligen Kronacher Schwesternwohnheims dargestellt. Ähnliche Tierwelten - ebenfalls von Weber - zieren ein Wandgemälde aus dem Jahr 1963 in der alten Schule in Tschirn.

Während die Marienskulptur in Hesselbach problemlos erhalten werden kann, fällt das Wandbild dem Totalabbruch zum Opfer. Der Erhalt beziehungsweise eine denkbare Versetzung des Gemäldes wäre - nach Ansicht von Wachter - sicherlich schwierig, aber nicht unmöglich gewesen. "Das Wandbild liegt der Bevölkerung scheinbar am Herzen", erzählt Wachter, der wegen des Abbruchs auch Anfragen von besorgten Bürgern erhielt.

"Wir haben erst versucht, das Gebäude in seiner Größe zu erhalten und eventuell das Obergeschoss zu Wohnungen umzubauen und das Lehrerhaus als Mietwohnung zu erhalten", erläutert Wilhelmsthals Bürgermeisterin Susanne Grebner. Durch die Förderoffensive Nordostbayern werde aber kein Wohnungsbau gefördert und der barrierefreie Umbau wäre beim alten Schulhaus sehr kostenaufwendig gewesen. Deshalb sei die Wirtschaftlichkeit von Neubau/Sanierung geprüft worden. "Man kam zum Entschluss, das Haus ganz abzureißen und ein kleineres Gebäude neu zu errichten. Auch die dauerhaften Unterhaltskosten werden dadurch verringert", betont Grebner. Diese zeigt sich dem ALE sehr dankbar, für dieses Haus die 90-Prozent-Förderung zu erhalten. "Die Gemeinde hätte dieses Haus nie sanieren können", stellt sie heraus. Das Gemälde hätte man sehr gerne erhalten, die Kosten hierfür wären aber zu hoch gewesen. Zudem hätte es auch größenmäßig nicht mehr in den Neubau gepasst.

Leider folge der "Kunst am Bau" aus der Wirtschaftswunderzeit nichts Entsprechendes nach, bedauert Robert Wachter. An neuen Gebäuden werde in der Regel keine aktuelle baufeste Kunst mehr angebracht. "Bei der derzeit gerade diese Epoche betreffenden Zerstörungswut sollte man sich ernsthafte Gedanken über den Erhalt von Zeugnissen der Architektur und Kunst der 1960er Jahre machen", prangert er an. Man erinnere sich nur, wie in den 1950er und 1960er Jahren die neugotischen Ausstattungen in den Kirchen zerstört wurden - Maßnahmen, die man heute oftmals gern wieder rückgängig gemacht hätte.

Eindringlich appelliert er, noch einmal alle Möglichkeiten für einen Erhalt des Wandgemäldes zu überprüfen - beispielweise, ob der Wandputz, auf dem das Bild gemalt ist, auf Styroporplatten aufgetragen ist. In diesem Falle könnte man versuchen, wenigstens Teile des Originalgemäldes herauszuschneiden.

Kunst am Bau

Serie Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden öffentliche Gebäude mit "Kunst am Bau" verschönert. Diese Kunstwerke sind häufig bedroht, da viele der Gebäude nunmehr stark saniert oder gar abgerissen werden. In einer kleinen Serie stellen wir einige dieser "Abrisskandidaten" vor.

Hubert Weber wurde 1920 in Staffelstein geboren und verstarb 2013. Mit 21 Jahren rutschte er auf dem Weg an die russische Front zwischen zwei Waggons und wurde von einem Zug überrollt. Dadurch verlor er beide Arme. Der an der Berliner Charité wirkende berühmte Chirurg Prof. Ferdinand Sauerbruch operierte ihn mehrmals und gab ihm neue Bewegungsmöglichkeiten zurück mit für ihn eigens entwickelten Handprothesen. Er erkannte das künstlerische Talent Webers und förderte es. Im Landkreis Kronach hat er in den 1960ern ein großes Wandgemälde für die Berufsschule geschaffen und ebenso die Schule in Gehülz-Breitenloh mit Wandgemälden versehen. Auch stammt das Sgraffito der "Sparer-Familie" an der ehemaligen Sparkassen-Hauptstelle am Kronacher Bahnhof aus den 1950ern von ihm. Weiter schuf er in den 1960er Jahren die Betonglasfenster der Kirche "St. Heinrich" Steinbach/Wald und "St. Marien" Hirschfeld sowie das Landkreis-Wappen am Kronacher Landratsamt. Am Kronacher Marienplatz fertigte er 1990 die Bronzefigur von Johann Kaspar Zeuß.

Hermann Leitherer wurde 1919 in Dillingen a.D. geboren und starb 1991. Er studierte an der Nürnberger Akademie der Bildenden Künste. Von ihm stammen zahlreiche sakrale Kunstwerke im Landkreis wie die Marienstatue von Christkönig Tettau (1954), Figuren (Madonna, Hl. Heinrich, Hl. Kunigunde) der Kirche in Schnaid (1955), künstlerische Ausstattung der Kirche in Nurn (Weihe 1956), die Brunnenstatue "St. Franziskus" vor St. Heinrich Steinbach/Wald (1976), Altarbild von St. Marien Kehlbach (1977/78), Marienstatue der Kapelle auf dem Flurberg von Friesen, das Priestergrab mit dem Hl. Christophorus auf dem Friedhof in Friesen (1961) oder das Monumentalkreuz für den Friedhof Teuschnitz (1965).