Nur zwei Gemeinden aus dem Landkreis haben sich dieses Jahr für den Dorfwettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" beworben: Tüschnitz und Schwärzdorf. Beide haben jetzt erst ihre Dorferneuerung abgeschlossen. Für Engelbert Singhartinger vom Landratsamt Kronach, Leiter der Bewertungskommission, ist das typisch: "Sinn, sich für den Wettbewerb anzumelden, macht es nur, wenn man eine Entwicklung gemacht hat. Und das ist nun mal oft am Ende einer Dorferneuerung."

Der Anspruch habe sich geändert. Dörfer ohne Dorferneuerung würden sich oft nicht mehr trauen, teilzunehmen. "Die Teilnehmerzahl hat in den letzten Jahren deshalb stetig abgenommen. Es machen nur noch Ortschaften mit, die sich bereits Chancen ausrechnen, dass sie weit kommen könnten", erklärt Singhartinger.

In Tüschnitz hat Hans Siegmeth, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Tüschnitz, den Antrag zur Teilnahme am Dorfwettbewerb gestellt. Der Ort hat erst heuer seine fast 20-jährige Dorferneuerung abgeschlossen. Das Mehrzweckhaus, die Kapelle und das Backhaus sowie die Ruine des Wasserschlosses und das Pachtershaus - das älteste Gebäude im Ort - bilden den neuen Ortskern, den sich die siebenköpfige Prüfungskommission bei einer Ortsbegehung am Dienstag gemeinsam anschaute. "Das alles hier ist ein Beleg für unsere Solidargemeinschaft, die sich bewährt hat", ist Bürgermeister Herbert Schneider stolz.

Neu im Ort: Kapelle und Backhaus

Schon 2008 machte die Gemeinde beim Wettbewerb mit, wurde nach Neufang aber nur Zweiter. Inzwischen ist das Mehrzweckhaus fertig saniert, mit 75 000 Euro Eigenleistung und in fast 9000 Arbeitsstunden, die alle Vereine gemeinsam bewerkstelligt haben. "Die Halle wird häufig genutzt, privat und von Vereinen", erzählt Dieter Wedel, Vorsitzender der Vereinsgemeinschaft. Neu entstanden sind die Kapelle und das Backhaus, das am 15. September eingeweiht wird. Wie es genau genutzt wird, soll in einer Satzung noch festgelegt werden. "Es sollte auf jeden Fall auch für private Feiern genutzt werden", rät Kreisbäuerin Rosa Zehnter.

Auch Beate Singhartinger von der ökologischen Bildungsstätte hatte einen Tipp für Tüschnitz parat: "Der Blumenschmuck an der Kapelle dürfte etwas stilvoller sein, so dass es zum Ambiente passt." Abgesehen davon konnte die Jury die Entwicklung der Gemeinde aber nur loben. Engelbert Singhartinger stellte außerdem fest: "Wir wollen kein Museumsdorf auszeichnen, sondern Gemeinden, wo Leute leben und arbeiten können."

Historische Bauernhöfe

Lobende Worte für die Gemeinde fand auch Kreisrätin Lydia Müller: "Eure Gemeinschaft ist einfach ein Alleinstellungsmerkmal. Das solltet ihr auf jeden Fall so weiterführen, so kann sich die Gemeinde als Wohnbereich etablieren."

Nach Tüschnitz ging es für die Jury direkt weiter nach Schwärzdorf. Der Mitwitzer Ortsteil hat seine Dorferneuerung vor zwei Jahren abgeschlossen. "Hier sind vor allem die Vorgärten besonders", schwärmt Singhartinger.
Die Ortsdurchfahrt mit dem Übergang zwischen der Straße und den Hofeinfahrten sowie den historischen Bauernhöfen ergeben ihm zufolge ein besonders stimmiges Gesamtbild. "Das Vereinsleben in Schwärzdorf ist schon rührig, bedenkt man, wie klein es eigentlich ist", sagt Singhartinger. Vor drei Jahren war das kleine Dorf bereits Kreissieger, vor zwei Jahren holte es sogar Bronze auf Bezirksebene.

Tüschnitz ist nun Kreissieger für Gemeinden bis 3000 Einwohner, Schwärzdorf für Gemeinden bis 600 Einwohner. "Das war für euch eine gute Generalprobe. Ich würde mich freuen, wenn ihr beim Bezirksentscheid mitmacht", regte Singhartinger an. Dann sind die zwei Dörfer nicht mehr unter sich und müssen sich mit Orten aus ganz Oberfranken messen.


Ziele Den Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" gibt es seit 1961. Inzwischen legt er nicht mehr nur Wert auf den gestalterischen Kontext, sondern auch auf die Entwicklung bezüglich der Arbeitsplätze und des Lebensraums. Ziel des Wettbewerbs ist es, das Wir-Gefühl im Dorf zu steigern und dessen Bekanntheitsgrad überregional zu verbessern.

Kriterien Bewertet wurden 1. Entwicklungskonzepte (begutachtet von Kreisrätin Lydia Müller und Kreisrat Heinz Hausmann); 2. soziale und kulturelle Aktivitäten (Kreisbäuerin Rosa Zehnter); 3. Baugestaltung (ehemaliger Kreisbaumeister Michael Kestel); 4. Grüngestaltung und Dorf in der Landwirtschaft (Manfred Gliese, Mitglied im Kreisvorstand für Obst- und Gartenbau und Beate Singhartinger von der ökologischen Bildungsstätte)

Etappen Der Bezirksentscheid für Oberfranken ist nächstes Jahr. Der Landesentscheid folgt 2015, der Bundesentscheid 2016.