"Setzen Sie sich bei den zuständigen Stellen für die Öffnung Ihrer Hallen ein!", wirbt der Deutsche Tischtennis-Bund auf seiner Internetseite. Passend dazu bietet der Verband bereits seit Juni eine interaktive Landkarte, auf der die Vereine ihren Standort mit einem grünen Fähnchen für geöffnete Hallen kennzeichnen können und mit einem roten, falls der Trainingsbetrieb (noch) nicht möglich ist. Bis Mittwochnachmittag haben sich etwa zehn Prozent der mehr als 9000 Tischtennis-Abteilungen eingetragen. Das Bild ist zwar mehrheitlich grün; dafür, dass der Saisonstart unmittelbar bevorsteht, sind aber noch reichlich rote Markierungen vorhanden.

Keine Doppel beim DTTB

Eine normale wird die Saison 2020/21 nicht - so viel ist längst klar. Aus Sicht des DTTB-Präsidiums sollte aber eine vollständige Spielzeit angegangen werden, "da es nach der aktuellen Lage realistisch erscheint, diese bestreiten zu können". Eine der größten Veränderungen wird die Streichung der Doppelbegegnungen. Stattdessen sollen alle acht beziehungsweise zwölf Einzel ausgespielt werden - unabhängig davon, ob die Entscheidung über den Gesamtsieg bereits gefallen ist. So soll vermieden werden, dass Spieler nur einen Einsatz haben.

Möglich macht diesen Eingriff in die Wettspielordnung (WO) eine Ergänzung derselben, die der DTTB-Bundestag im Juli verabschiedet hat. Demnach kann das Entscheidungsgremium eines Verbands Abweichungen beschließen, sollten einzelne Bestimmungen der WO in Krisenzeiten nicht umsetzbar sein. Diese Regelung gilt - genauso wie die Verschiebung und Verlegung von Partien aufgrund mangelnder Hallenkapazität - vorerst nur für die Hinrunde und nur für die Spielklassen im Zuständigkeitsbereich des DTTB, sprich von der 1. bis zu den 3. Ligen.

Der Bayerische Tischtennis-Verband (BTTV) trifft seine Entscheidungen erst am kommenden Montagabend bei einer Präsidiumssitzung per Videokonferenz. Die Funktionäre hatten - vergeblich - Beschlüsse der Staatsregierung abgewartet. Die Krux: Bereits zuvor sind Saisonspiele angesetzt: In der Bezirksoberliga Oberfranken-West treffen an diesem Freitag ab 20 Uhr der TTC Küps (Landkreis Kronach) und der TV Schwürbitz (Lichtenfels) aufeinander. "Wir werden das Spiel austragen", sagt TTC-Spieler und -Vorsitzender Roland Bittruf, der die Begegnung auf Wunsch der Gäste vorverlegt hatte.

Das Okay des Verbands hat er dafür. "Die Klubs müssen aber alle Doppel und Einzel ausspielen, da wir noch nicht wissen, was gewertet wird", erklärt Gunther Czepera, Vizepräsident des BTTV. "Aus meiner Sicht ist es mit Doppeln doch nicht plötzlich eine andere Sportart. Ich berühre ja nur meinen Doppelpartner, mit dem ich ohnehin trainiere", findet der Altenkunstadter. Ähnlich argumentiert Bittruf: "Wir trainieren gemeinsam und gehen teilweise privat zusammen weg."

Ob die Bayern dem Beispiel des DTTB folgen oder Doppel zulassen, ist allerdings nur die zweitwichtigste Frage, die am Montag diskutiert wird. "Zunächst wird festgelegt, ob die Saison überhaupt stattfindet. Und wenn ja, ab wann und wie lange", sagt Czepera. Unter Umständen stehen sich in Küps also nicht nur einzelne Spieler umsonst gegenüber, sondern möglicherweise wird das ganze Duell nichtig.

Fahrgemeinschaften erlaubt?

Sollten beispielsweise Fahrgemeinschaften zu Auswärtsspielen untersagt werden, plädiert der Küpser Vereinsboss für ein weiteres Aussetzen des Spielbetriebs: "Ich fahre doch nicht mit sechs Autos 60 Kilometer nach Strullendorf." Weitere Sorgen bereiten geschlossene Hallen. "Wir dürfen erst seit Ferienbeginn in unsere Halle", klagt der 55-Jährige. "Mit Beginn des Schuljahres bekommen wir vielleicht wieder ein Problem." Verbandsfunktionär Czepera kennt dieses Thema: "Wir haben schon Kontakt zu den Landkreisen aufgenommen."